1Vor 22 Jahren war er noch im Land Salzburg stellvertretender Landeshauptmann und Landesvorsitzender der SPÖ, auch heute bekennt er sich zur Sozialdemokratie und ist, auf Nachfrage, persönlich nicht bereit bei einem neuen Parteiprojekt mitzuarbeiten.
Sein eben erschienenes Buch beschäftigt sich mit der österr. Innenpolitik (zu der erscheint demnächst ein längerer Text „Österreich – Bananenrepublikalarm“ von Dieter Braeg) und heißt "Vom Stillstand zum Widerstand".  Radleggers Buch, soll,   so verkündete der Autor bei der Podiumsdiskussion im Saal der Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ – moderiert von deren Chefredakteur Manfred Perterer, auch der Auftakt zu einem überparteilichen Demokratiebegehren sein.

Die Zustandsbeschreibung der österreichischen Innenpolitik  ist laut Radlegger , gleichzeitig auch eine beinharte Abrechnung vor allem mit dem Bundeskanzler: „Ich halte ihn für diese Position für nicht geeignet, weil ich glaube, dass er nicht die Voraussetzungen dafür mitbringt, die notwendig sind, um ein Land in dieser schwierigen Zeit - und sie kann ja leider noch wesentlich schwieriger werden - wirklich zu führen. Wir brauchen Führungspersönlichkeiten. Wir brauchen Leute, die wirklich vermitteln können, dass es ihnen um die Sache geht und nicht in erster Linie um das Bundeskanzleramt", sagt Radlegger in dieser Veranstaltung die am 5.102011 stattfand und schon nach zwei Stunden ein Ende fand.
Auffallend war, dass sich an der Diskussion die Vertreter der Salzburger Bewegung für mehr Demokratie und ein entsprechendes Bürgerbegehren bis auf Heinz Stockinger nicht beteiligten und ihre wichtigste Führungspersonen Richard Hörl oder Peter Haibach von der Verkehrsplattform gar nicht anwesend waren.

Radlegger ist heute Vorstandsmitglied der Wüstenrot-Eigentümer-Holding. Mit dem aktuellen SPÖ-Kanzler Werner Faymann verbindet den Neo-Autor offenbar wenig.
"Politik muss Bürgern verantwortlich sein" und  "Vom Wutbürger zum Mutbürger" sind Kernparolen  von Radleggers Buch. Mehr Möglichkeiten direkter Demokratie fordert er, ein neues Wahlrecht mit Mandataren, die dem Bürger und nicht einer Partei verantwortlich sind, Transparenz in der Parteienfinanzierung und Anti-Korruptionsbestimmungen, die diesen Namen auch verdienen.

Wenn es dann aber konkret wird, bleibt wenig übrig, was diese Gesellschaftsordnung wirklich demokratischer machen würde. In der Diskussion blieb Radlegger vor allem dann konkrete Antworten schuldig, wenn es um die Frage ging, was und wie kann Mensch in Zukunft als Souverän bestimmen, wie Staat und Gesellschaft funktionieren sollen. Ein anderes Wahlsystem einzuführen ändert noch lange nicht das Verhalten der Mandatare. Verkrustete Parteistrukturen die immer unfähigere Spitzenfunktionäre hervorbringen die Radlegger ganz richtig als  "gestaltungsbefreite Machterhalter" bezeichnet.

"Ich habe nicht den Eindruck, dass hier der Wille besteht, sachliche Themenschwerpunkte umzusetzen, sondern vielmehr der Wille, dort zu bleiben, wo man ist. Der Wille, alles dem unterzuordnen, ist größer als der Wille, sachliche Inhalte zu transportieren."

Dies nur durch andere Wahlgesetze zu verhindern, ist ein großer Irrtum. Ich selbst habe vielmehr, vor allem nach dieser lauwarmen Veranstaltung von der nicht einmal ein kleiner Protestfunke ausging, oder gar die Frage „Was tun?“ gestellt wurde,  den Eindruck gewonnen, dass diese Initiative wie so oft, eines dieser sozialdemokratischen Pflaster ist, mit denen man die tatsächlichen Defizite „beruhigen“ will. Auch auf die Frage warum man unfähiige Politik nicht sofort abwählen könne, gab es, mal wieder die feiine Antwort, „das geht nicht“. Sowas geht nur in den feien kapitalistischen Betrieben, dort droht selbst nach lächerlichsten Verfehlungen die fristlose Kündigung.

Radlegger, Wolfgang: Vom Stillstand zum Widerstand - Zeit zum Wandel. Brandstätter Verlag, Wien 011. Einband: Kartoniert / Broschiert Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783850336062. 112 Seiten mit 3 Zeichnungen von Thomas Wizany.