Dreißig Initiativen aus Nordrhein-Westfalen waren der Einladung der Anti-Atom-Initiativen aus Ahaus, Münster, Jülich und Gronau gefolgt, und legten am vergangenen Samstag die Aktionsroute für die nächsten sechs Monate fest.
Die Ergebnisse der Konferenz können sich sehen lassen.

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Atomtransporte verhindern!
5 km/h Höchstgeschwindigkeit dürfen Fahrzeuge auf dem Gelände des Jülicher Forschungsreaktors fahren, wenn sie Atommüll mit sich führen. Und Anfang 2012 sollen nun 152 Fahrzeuge mit Atommüll aus Jülich über die Autobahnen nach Ahaus donnern. Und dann wird die Geschwindigkeitsbegrenzung natürlich nicht mehr gelten.
Dass überhaupt Atommüll von Jülich nach Ahaus gebracht werden soll, hat für Betreiber, Bundes- und Landesregierung einen ganz praktischen Grund: da in Ahaus die Betriebsgenehmigung für das dortige Zwischenlager erst 2035 endet, in Jülich jedoch schon 2013, ist die Politik das Problem erst einmal los, für die nächsten 24 Jahre. Sachlich gibt es keinen Grund für diesen Atommülltourismus. Das Zwischenlager in Ahaus ist weder besser noch schlechter als das Zwischenlager in Jülich: beide sind nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert und beide sind etwas besser gebaut als eine Tennishalle.
In Jülich ist man mit dem Erbe des Forschungsreaktors überfordert. Die Erde unter dem Reaktorgebäude ist strontium- und cäsiumverseucht. Eigentlich müsste dieser Boden gereinigt oder entsorgt werden. Doch wie soll das gehen, solange sich auf diesem das Reaktorgebäude befindet?

29. Oktober: Streckenaktionstag
Eine erste gemeinsame Aktion wird der „Streckenaktionstag“ am 29. Oktober sein. Manche suchen an diesem Tag die Nähe zum Eingang des Forschungsreaktors in Jülich, andere wollen phantasievolle Aktionen an Autobahnauffahrten machen, wieder andere kleine Dosen Radioaktivität in Bussen verschenken.
Für diese gemeinsamen Aktionen am Streckenaktionstag und den Wochen danach wird demnächst eine eigene Homepage eingerichtet, die als Informationsbörse für die Gruppen dienen soll, die entlang der Route gegen die Transporte kämpfen.
Wichtig war den Tagungsteilnehmern auch die Einbeziehung der Stadträte in die Informationsarbeit. Es gilt, Bündnispartner in den jeweiligen Räten zu finden, die dort Anträge stellen, das Stadtgebiet zur atomtransportfreien Zone zu erklären.

Ende November: --------------> Gorleben
Zu dem erwarteten Castor-Transport werden auch aus NRW zahlreiche Busse und Fahrgemeinschaften mit Demonstranten anreisen. Gorleben ist die Generalprobe, wird zeigen, wie gut die NRW-Initiativen aufgestellt sind.

Ostermarsch
Der nächste Ostermarsch der Anti-AKW-Bewegung wird in Jülich stattfinden. Obwohl Jülich bald Ausgangsort von Atomtransporten sein wird, ist diese Stadt im Denken vieler Bürger nicht als Atomstadt abgespeichert. Interessanterweise gibt es auch in Jülich eine Außenstelle der Urananreicherung. Die Firma ETC produziert in Jülich Teile der Zentrifugen. Und die könnte man auch militärisch nutzen.

Urananreicherung in Gronau
Trotz – oder wegen – einer rot-grünen Landesregierung wird die Urananreicherungsanlage in Gronau weiter ausgebaut. Der Betreiber, die Firma Urenco, berichtet inzwischen stolz, dass man nun die Trennleistung von 4500 Tonnen erreicht habe. Damit kann die Firma 10 Prozent der Atomkraftwerke weltweit bedienen.
Derzeit baut man ein neues Lager für 60 tausend Tonnen und ein Freilager für 40 tausend Tonnen. Da wird man in eine paar Jahren 100 tausend Tonnen gelagertes Uran haben, also das größte Lager in Europa. Da sich Gronaus Atommüll nicht mehr nach Russland transportieren lässt, Gorleben als Endlager ungeeignet ist, könnte Gronau bald Standort des größten Atommülllagers Deutschlands sein.
Der Augenmerk muss weiter auf Gronau gerichtet werden. Deswegen wird in Gronau eine von zwei NRW-weiten Demonstrationen am Fukushima-Jahrestag stattfinden.

Jahrestag von Fukushima, Sonntag, der 11.3.
Neben der Demonstration in Gronau will Nordrhein-Westfalens Anti-AKW-Bewegung in Zusammenarbeit mit belgischen und niederländischen Umweltschützern auch wieder im belgischen Tihange gegen das dortige AKW demonstrieren.
Acht Tage vor dem Fukushima-Jahrestag soll am 3.3.2012 in ganz NRW mit zahlreichen Aktionen für die Demonstrationen am Jahrestag von Fukushima die Werbetrommel gerührt werden.

Zwei Konferenzen
Im Vorfeld der für Anfang 2012 erwarteten Atomtransporte wollen sich die Atomkraftgegner von NRW noch einmal treffen: am 21. Januar in Oberhausen.
Zwei Wochen später laden die Initiativen aus dem Münsterland zu einer großen Urankonferenz für den 4. Februar nach Münster ein.

Siehe auch:
http://www.westcastor.de/
http://www.gorleben-castor.de/