1Dort wo der österreichische Bundespräsident seinen Amtssitz hat, findet seit Jahren ein Skandal statt, der in breiten Teilen der österreichischen Gesellschaft toleriert wurde.  Dort findet am 27. Januar 2012, dem Jahrestag der Auschwitzbefreiung durch die Rote Armee, der Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) statt. Dort treffen sich jedoch nicht nur ein paar Burschenschafter in Frack, Schärpe mit Schmiss. Bei diesem Ball in der Wiener Hofburg findet ein Treffen der alten und neuen Rechten Europas statt.
Im WKR  sind 21 Studentenverbindungen organisiert, die sich politisch in einem Spektrum zwischen national-freiheitlich und völkisch-deutschnational bewegen. Die Wiener Burschenschaft Olympia steht da an der Spitze der “Ballbewegten”,  sie hat  bei einer Tagung in  Eisenach „die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Angehörige von fremden Völkern“ befürchtet und immer wieder durch Gäste wie den Holocaustleugner David Irving oder den NPD-Barden Frank Rennicke rechtsextremes  Gedankengut  unterstützt. Regelmäßige Besucherinnen und Besucher dieses Balls sind unter anderen  auch Martin Graf, seines Zeichens dritter  österr. Nationalratspräsident mit Hang zu antisemitischen Ausritten, Barbara Rosenkranz, Vertreterin von Heim-Herd-Mutterkreuz-Politik und Kämpferin gegen den „Gender-Wahn“ sowie John Gudenus, der bereits wegen Holocaust-Leugnung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde.  Komplettiert wird dieser  WKR-Ball  durch Delegationen diverser Rechtspopulisten wie Pro Köln, der Schweizer Volkspartei, Front National (Frankreich) und Vlaams Belang (Belgien).

So wird die Wiener Hofburg,  Sitz des österreichischen Bundespräsidenten, zu einem Stelldichein der alten und neuen Rechten Europas. Das wurde bisher toleriert, doch nun entwickelt sich breiter Widerstand gegen diesen Braunball.  Auf dem Landesparteitag der Wiener Sozialdemokratie wurde folgender Antrag von der Bezirksorganisation Hietzing, der Sozialistischen Jugend Wien und vom Verband Sozialistischer Studentinnen Wien angenommen:
„Jährlich findet Ende Januar in der Wiener Hofburg - an einem der repräsentativsten Orte dieser Stadt - der Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) statt. Der WKR ist ein freiwilliger Zusammenschluss deutschnationaler Verbindungen. Laut DOW ist der WKR von rechtsextremen Organisationen dominiert. Immer wieder kommt es vor, dass gemäßigte Verbindungen, etwa Sängerschaften oder Corps, aus dem WKR austreten oder sich distanzieren, weil sie mit der dort vertretenen Politik nicht zurechtkommen. Der Ball des WKR wurde in den letzten Jahren zu einem zentralen Ereignis und Fixpunkt für österreichische und europäische Rechtsextreme.
In den letzten Jahren wurden immer wieder Demonstrationen anlässlich des WKR-Balls organisiert. In diesem Jahr wurden mehrere langfristig angekündigte und weit von der Hofburg entfernt geplante Protestkundgebungen kurzfristig verboten. Gegen größtenteils friedlich verlaufende, spontane Kundgebungen wurde mit aller Härte vorgegangen. Damit die Rechtsextremen in Ruhe feiern können, wurden Straßenzüge in der gesamten Innenstadt abgeriegelt. Jeglicher antifaschistischer Protest wurde pauschal kriminalisiert und konsequent
verfolgt, während militante Neonazis unbehelligt am Ring patrouillierten, um
Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten einzuschüchtern.
Der Wiener Landesparteitag fordert daher

  • die SPÖ Wien auf, öffentlich gegen den WKR-Ball als zentrales Ereignis der österreichischen und europäischen Rechtsextremen Stellung zu beziehen und zu friedlichen Protesten gegen den Ball und die beteiligten Organisationen aufzurufen.
  • die SPÖ Wien setzt sich gegen das Verbot antifaschistischer Proteste ein. Wenn Einzelne im Rahmen von Protesten Sachbeschädigungen begehen, darf das kein Vorwand für das Verbot aller  antifaschistischen Demonstrationen sein.
  • SPÖ-Vertreter/innen auf Landes- und Bundesebene sollen auf die für die Vermietung der Hofburg zuständige "Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft mbH" dahingehend einwirken, dass die Hofburg rechtsextremen Organisationen als Bühne verwehrt werden soll.“


Es muss Schluss damit sein, dass in Österreich, in der die FPÖ mit Parolen wie „Asylbetrug heißt Heimatflug“ einen Wahlerfolg von 26% einstreichen konnte,  die bisherigen Proteste und Gegendemonstration unter fadenscheinigen Begründungen verboten und kriminalisiert wurden.

Dieses Mal ruft eine breite Plattform (initiert unter anderem von den österr. Grünen und der Isralitischen Kultusgemeinde) zum Protest auf an der sich die SPÖ und der Österreichische Gewerkschaftsbund beteiligt. Auch die evangelische Kirche samt der katholischen Aktion ist beteiligt. Bei der Protestdemonstration am 26.1.2012 wird auch das Mauthausen-Komitee, die Soziallistischen Freiheitskämpfer, die Anti-Diskriminierungs NGO Zara und SOS Mitmensch mitmarschieren.

Nicht nur Dresden braucht Protest gegen Alt&Neunazis,  auch in Wien haben sie kein Recht zu agieren und zu tanzen!

Burschenschafter raus aus der Hofburg!
Deutschnationale Männerbünde auflösen!
Antisemitismus, Sexismus, Rassismus und Homophobie immer und überall entgegenarbeiten!
Für eine Gesellschaft jenseits jetziger gesellschaftspolitischer  Herrschafts- und Verwertungszusammenhänge!