1Es ist sicher keine Nebensächlichkeit  wenn sich die sonst gesellschaftspolitisch kaum kritisch aufgestellten Medien in Salzburg mit der Tatsache beschäftigen, dass täglich 12 000 „genussfähige“ Lebensmittel in die Salzburger Mülltonnen gekloppt werden. Anlass dieses Themas, das wohl überall in den immer kleiner werdenden Wohlstandsgebieten dieser Welt manifest ist, war eine Aktion eines Bündnisses (Abfalls Service Salzburg, Bio-Austria, Seelsorgeamt Erzdiözese Salzburg, Südwind, Lebensmittel sind kostbar, Taste the Waste, Landwirtschaftskammer Salzburg, Umwelt – Land Salzburg, Lernende Regionen und Regionalverband Salzburger Seenland) wo vom Salzburger Hauptbahnhof  über 200 Mülltonnen zur Schranne (Wochenmarkt in Salzburg) auf den Mirabellplatz (Sitz der Stadtregierung) gerollt wurden um sichtbar zu machen, wie groß der Überfluss ist, den sich diese Gesellschaft noch leistet, während in anderen Regionen der Welt die Menschen verhungern.

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Es sind aber nicht nur die Endverbraucher, die an der Vernichtung beteiligt sind,  von dem was erzeugt wurde, bleiben nur 50% übrig, der Rest wird bei der Herstellung, Ernte, dem Transport oder bei der Lagerung vernichtet. So steht das Motto „Teller oder Tonne“ im Mittelpunkt der Diskussion. Die seit 1978 für Radio Salzburg aktive Elfi Geiblinger im ORF-Landesstudio Salzburg als Journalistin und Moderatorin von Sendungen wie "Gesund" und "Thema" oder als Berichterstatterin von der Schranne aus dem Programm von Radio Salzburg, war auf dem Mirabellplatz mit dabei. Ihr Problem – die bei Verkaufsschluss noch vorhandenen Tortenstücke in den Bäckereien, die dann im Müll landen. Da bekam man eine kurze Einführung in die Welt der Profitmaximierung und Konkurrenz. Denn der „König Kunde“ will bis zum bitteren Ende der Ladenöffnungszeit seine Schaumrolle, Cremschnitte oder Sachertorte kaufen können.
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Die Frage nach der Veränderung dieser immer brutaler werdenden Gesellschaftsordnung, die wurde, auch bei dieser Demonstration mit einer sehr guten Beteiligung, nicht gestellt.
Es bleibt die Frage  zu beantworten, ob es nicht notwendig wäre, dass die Beteiligung der Menschen an den Entscheidungsprozessen sowohl für Demokratie als auch für eine alternative Arbeitsorganisation samt verschwendungs- und vernichtungsfreier Lebensmittelversorgung endlich ernst zu nehmen wäre. Nicht nur durch einen Protest gegen die Vernichtung von Lebensmitteln.
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Eine Gesellschaft die immer mehr nach dem Prinzip von „Ich bin doch nicht blöd & Geiz ist geil“ ihr Leben gestaltet hat auch kein Problem damit, sich vom Motto „Zahl zwei nimm drei“
verführen zu lassen, das dann meist damit endet, dass daraus ein „eins verbrauchen, zwei wegschmeißen“ wird. Die Frage nach der Macht der Konsumentinnen und Konsumenten spielt in den meisten Fällen in dieser Gesellschaft keine Rolle mehr. Man ist umerzogen und agiert, wie es die große Firma „WIRBoderSTIRB“ vorgibt.
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So wäre es an der Zeit, den Frauen und Männern die in  Regionen und Kommunen leben und arbeiten, die Chance zu geben selbst darüber zu  entscheiden, was und wie sie produzieren und konsumieren. Aber das spielte bei diesem notwendigen Protest in der Stadt Salzburg am Donnerstag den 11.10.2012 leider keine Rolle.
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Fotos: Gerhard Wallner