Pferd

„Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd“ – das ist klassisch und gehört in’s Theater.
Aber wie das so ist mit der Kultur, ob nun hoch oder nicht, sie endet in dieser großen Zeit, die der Aufblähung Tür und Tor öffnet, auf der Schlachtbank.

Schon im Jahre 1988 sah H.C. Artmann voraus, was so geschehen kann, wenn das Pferd bei der Ernährung eine Rolle spielt. Hier ein kleiner Auszug aus seiner genialen Geschichte „ZORRO“ die in Wien an einem Würstelstand spielt:

„De Burnwurscht da is vom Gigara (Pferd)“, meinte ein dezent gekleideter Herr zu seiner Begleiterin, „do loß i mi eineschtechn, waun des Heidl (Wurst) ned zu hundat Prozent vom Roßfleischhocka schdaumt!“… „Aber geh, Schorsch!“ meinte kauend die Begleiterin des kauenden Herrn, „es wiad waß Gott was fia a Fleisch sein, owa a Roßfleisch?!
Naa, des glaub i net. Schau, do haßt‘s olwäu, die Kinesn verkochn a Schappi fia eanare Schpezialitätn! Schdöö da fua, wos so a Schappi kost, und wauns aa nua im Supermarkt is... A gwöhnlichs Fleisch is do  imma um die Hälfte billiga! …
Der Herr lächelte lässig und verzog leicht seinen gepflegten Schnurrbart: „Der Hawara do“, sagte er, „is weder a Kineser noch a Tschusch geschweige denn a Kamöödreiwa, sowos traut se nur a Weana,  der hot die Chuzpe dazua, wäul a waß, eam kennan s ned en Weisl (Ausbürgerung) reibm!“


Es gibt ja in diesem nicht unserem „WerbODERsterbLand“ auch die Botschaft, zertifiziert vom Verein  zur Förderung der Volksverblödung – die lautet „Wir lieben Lebensmittel“!

Wie das geht? Entsprechend aufklärende Anleitungen, wie man statt was in die Pfanne zu hauen, nun herzt und kost – fehlen noch auf dem Markt der öffentlich rechtlichen und privaten Anstalten, die sicherlich  bald die Liebe zum Pferdefleisch als Thema heftig fördern werden.  Sex mit der RotenRübe? Igittt!

Natürlich gilt, wie könnte es anders sein, für das Pferd die Unschuldsvermutung. Wie es in Form von eigenem Fleisch in den Mini Cheesburger oder in eine Lasangne gekommen ist, dürfte ein kaum aufzuklärendes Rätsel sein. Denn normal kostet Pferdefleisch meist mehr, als das was vom Schwein oder Rind kommt.

Es ist ja kein Geheimnis, dass die Geisteswissenschaft an Geistlosigkeit erkrankt ist, da ist der Weg zum Pferdefleisch kein langer.

Ich will hier eine kleine Aufklärung zum Pferdefleisch bieten, die sicherlich für weitere Verwirrung sorgt und Die Linke. wird sicher bald nicht mehr daran vorbeikommen die „Pferdefleischfresser Strömung“ zuzulassen. Wo bleibt, so frage ich, diese Gleichberechtigung beim Fleischverzehr ? WAS bitte unterscheidet Schwein, Huhn, Kalb, Hasen oder das Bambi vom Pferd?

WIRfressenALLES ist doch die Devise.

Wer nun einwendet, dass das Pferd ein Haustier sei, dem sei mitgeteilt, dass das Verspeisen von Pferden eine lange Tradition hat. Vor allem in Wien und in Österreich wo die Piefkes ja immer so gern hinfahren, vor allem im Winter, um sich die Haxen zu brechen – da gibt es 17 Pferdefleischmetzger.

Pferd zu essen ist außerdem nicht verboten, obwohl ja Papst Gregor der III. im Jahre 732
das Verspeisen von Pferd verboten hat. Daran aber hat man sich, bereits im Mittelalter,  nicht gehalten. Im Ösiland ist zum Beispiel der Pferdeleberkäse sehr beliebt und dazu die „Dürre“ – eine Wurst und, wie von H.C. Artmann erkannt, auch die Burenwurst. Das Pferd lässt sich genau so „verarbeiten“ wie eine Kuh. Achja, am Niederrhein wo Geisteshaltung und Gesinnung schon immer flach war, ist der Sauerbraten aus Pferdefleisch eine ganz besonders geschätzte Köstlichkeit.

Religiös betrachtet, da ist beim Islam und den Juden Pferdefleisch zur Ernährung nicht zugelassen.

Das Pferdefleisch hat eine  halbe Weltreise von der Schlachtung bis in die Regale der Supermärkte zurückgelegt die es zum Rindfleisch werden ließ. Ein durchaus erfolgreicher Vorgang der Umwandlung, der religiös als Wunder durchgeht: Ein rumänischer Betrieb, der Rinder und Pferde schlachtet, hat es über niederländische und zypriotische Zwischenhändler an den französischen Importeur Spanghero verkauft. Dieser beliefert das Tiefkühlkostunternehmen Cogimel, das Fertigprodukte für 16 Länder herstellt und das Fleisch in einer Fabrik in Luxemburg verarbeiten ließ; zu seinen Kunden gehört der Konzern Findus, der wiederum die meisten französischen Supermärkte beliefert. Irgendwo auf diesem Weg wurde das Pferdefleisch als Rind deklariert. Was nicht die französischen Kontrollbehörden bemerkten, sondern die britischen. Das der französische Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll beklagt seine eigene Unfähigkeit, weil es ein nebulöses System gibt: “Die Zahl der Zwischenhändler ist so groß, dass die Rückverfolgbarkeit kaum mehr gewährleistet ist.“

Es gibt da aber eine Grauzone über die in den Medien kaum berichtet wird. Es geht da um die Reit-, Renn- und Turnierpferde. Die dürfen grundsätzlich nicht an Mensch verfüttert werden, weil diese ja mit zahlreichen Medikamenten behandelt wurden, damit sie jene Leistung bringen, die man braucht um mit Pferd in’s Fernsehen und Medien zu kommen oder nach der Ziellinie Preisgelder einzusacken.. Dass diese Pferde zu Tiernahrung verarbeitet werden erfreut dann höchsten Hund&Katzbesitzerin und Besitzer.  Dieses Pferdefleisch, nicht extra zum Verzehr gezüchtet, ist natürlich erheblich billiger und…

Phantasie ist da aber sicherlich nicht gefragt. Da gilt dann nicht mehr die Unschuldsvermutung sondern die Profitmaximierung per Billigpferdefleisch.  Ich warte nach dem Pferdefleischskandal was Esel&Fleisch zu bieten hat!

Dieter Braeg