Dem Milliardär fällt gar nichts schwer
oder
Stronach

Man stelle sich in diesem nichtunserem Deutschland folgendes Szenario vor: Die FDP ist nicht mehr im Bundestag. Die 5% Hürde war zu hoch. Da findet sich ein edler Helfer, ein Milliardär, er bietet „Überläufergeld“ an. Aus der Fraktion der SPD und der CDU/CSU wechseln 5 Abgeordnete, die schon lange mit dem Clement/Sarrazin Virus infiziert sind, zur FDP und sind dann im Reichstag die FDP Fraktion!

Utopie?

Nicht in Österreich. Der Milliardär Frank Stronach und Gründer des Magna-Konzerns ist erst seit Sommer 2012 politisch aktiv. Er angelte nach neuen Abgeordneten anderer Parteien, um Klubstatus (Fraktionsstatus) zu erhalten.  Genügend Parlamentsabgeordnete von SPÖ und BZÖ wechselten im Herbst zum neu gegründeten „Team Stronach“, das seither ungewählt im Nationalrat vertreten ist. Rund 7,6 Millionen Euro – mehr als ein Nationalratswahlkampf in Österreich laut Gesetz kosten darf – hat Frank Stronach bisher in seine Partei investiert.


Bei der „Parteigründung“ verkündete der Milliardär, bescheiden wie er ist:
„Der 27. September 2012, da bin ich sicher, das ist ein sehr wichtiger Tag, der in die Geschichte Österreichs eingehen wird, und ich glaube auch, dass er in die Geschichte der Welt eingehen wird“.

In jungen Jahren hieß Frank Stronach, noch Strohsack. Im Jahre 1957 fing der Erfolg für Stronach, einen ausgebildeter Werkzeugmacher,  an. Er gründete Multimatic in Kanada, wohin er ausgewandert war. Im Jahre 1969 gab es eine Fusion mit Magna Electronics und es entstand Magna International, heute weltweit der drittgrößte Zulieferer der Automobilindustrie,  weltweit mit einem Umsatz von 24 Milliarden Dollar im Jahre 2008. Erwirtschafteter „Gewinn“ – 71 Millionen  $.  74 350 Frauen und Männer werden in 240 Produktionsbetrieben beschäftigt, dazu unterhält Magna auch noch
86 Entwicklungszentren. Nur Denso und Bosch sind noch größere Zulieferer der weltweiten Automobilindustrie.

„Ich mache mir große Sorgen über Österreich“ meinte der Milliardär weil Österreich mache zu viele Schulden und dann sprudelt eine  weitere Stronachweisheit . „Schulden sind schlecht.“

Die Welt in der wir leben und in der auch der Parteifürst Stronach sein Süppchen kocht, vergibt kein Lob, also tut das der Parteigründer selbst: „Ich bin in der Welt angesehen als einer der besten Wirtschaftsmanager“.

Natürlich kann der Milliardär auch seiner eigenen Klasse gegenüber ein überaus seltsames Misstrauen entwickeln: „Wir müssen aufpassen, dass nicht ein paar Reiche daherkommen und sagen: Ich kauf mir alle Wählerstimmen“  denn „Ich bin ein Mann des Volkes, ich komme aus der Arbeiterschaft.“ Also darf er mit der Macht seiner Milliarden ein wenig Politik spielen.

Ja und weil’s so schön ist kommt aus der Phrasendreschmaschine von Stronach auch sonst noch wirklich Erfreuliches: „Die SPÖ (Sozialdemokraten in Ösiland) hat die Arbeiter verkauft.“
Auch die  bürgerliche ÖVP kommt nicht gut weg. Sie sei eine „Bankenpartei“,  und  Erwin Pröll (ÖVP Landeshauptmann von Niederösterreich)  wäre der „größte Schmähtandler“. Auch  Angela Merkel bekam wegen ihrer EU-Politik eine Breitseite ab: Entweder sei Merkel „so dumm, dass sie nicht versteht, oder sie spielt mit den Banken mit“.
Als ein kritischer Medienvertreter, dem Frank Stronach der schon  als „Chef“ mit dem Fußballverein Austria Wien alle Trainerentlassungsrekorde brach, ein kritische Frage stellte, da gab es gleich die „richtige“ Antwort: „Ich weiß nicht, welche Interessen Sie vertreten. Sozialistische Partei oder sind Sie Gesandter von der Roten Armee?“

Zwar gibt es noch kein Wahlprogramm, aber hier einige  „programmatische“ Stronach-O-Töne:

„ Eine Gesellschaft kann daran bemessen werden, wie sie sich um die ärmsten Leute kümmert, die sich aus irgendeinem Grund selbst nicht helfen können. Wir sind für eine Sozialkarte statt der Mindestsicherung. Mit dieser Karte kannst Du Brot, Milch, Butter, Kartoffel und alle Lebensmittel kaufen, die man für den Alltag braucht. Aber Du kannst kein Geld für Alkohol oder Zigaretten verplempern. Das bekommst Du mit der Karte nicht.“

Auch zur Reichensteuer hat der Millliardär eine Meinung:

„Wenn wir die besten Manager und Unternehmer zu hoch besteuern, gehen sie weg aus Österreich. Und dann wird alles noch schwieriger. Wir brauchen die Arbeitsplätze in unserem Land. Wir sollten weniger daran denken, wie der Staat zu noch mehr Steuereinnahmen kommt, sondern eher daran, wie wir die Kosten der Verwaltung reduzieren können. Wir sind für einen zivilisierten Abbau der Verwaltungskosten von fünf Prozent pro Jahr über die nächsten fünf Jahre.Sie sollen so viel Steuern wie notwendig, aber so wenig wie möglich zahlen. Wir müssen die große soziale Kluft zwischen Arm und Reich verringern. Aber das geht nicht durch Umverteilung, sondern indem wir schauen, dass sich die Menschen etwas erwirtschaften können. Deshalb bin ich auch dafür, dass Unternehmer ihre Mitarbeiter am Gewinn der Firma beteiligen.“
Antikapitalistisches ist gar nicht gut: „ In Ostdeutschland wurde nur umverteilt und daran ist das Land zu Grunde gegangen. Es geht nicht, dass alle gleichgemacht werden. Der Sozialismus verstößt gegen das Naturgesetz. Das Naturgesetz besagt, dass jeder, der in der Früh aufsteht, ein besseres Leben will.“
Stronach braucht auch keine Gewerkschaften, denn „Magna ist groß geworden ohne Gewerkschaften.“ In Rente kann jeder gehen „wann er will“ – wobei der Staat festlegt wie viel bezahlt wird. Man muss nicht mit 60 Jahren in Rente gehen und so rät er  einem Journalisten: „Du kannst zum Beispiel bis 82 Bestseller schreiben.“
Stronachs großes Vorbild ist Gorbatschow. Schlagfertig ist er ja, als man ihm mitteilt, dass der Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll(ÖVP) Karl May gelesen hätte meint
Stronach: „… und dann hat er geglaubt, er ist der Häuptling.“  Peter Roseggers „Waldheimat“ ist Stronachs Lieblingsbuch.

Bei den beiden Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich am 3.3.2013 stellte sich die Partei nun erstmals einer Abstimmung und erzielte 11,3 (Kärnten) bzw. 9,8 Prozent (Niederösterreich) der Stimmen.  Obwohl die Partei bisher kein Programm hat (es soll im April präsentiert werden) wird mit neoliberalen Schlagworten gekämpft, garniert mit großer EU-Skepsis.

Der typische Stronach - Wähler ist in Niederösterreich  männlich und frustriert. Drei Mal so viel mehr  Männer als Frauen wählten, wohl aus Protest,  den Milliardär in Niederösterreich. Um Wien herum war man besonders erfolgreich und mobilisierte mehr als ein Drittel Nichtwähler.

Erstaunlich war, dass in Kärnten die  Partei vor allem  Jungen (unter 30) den meisten Zuspruch bekam. In beiden Bundesländern schwächte Stronach die FPÖ erheblich. Wobei in Kärnten die Haider Nachfolger die schwerste Niederlage seit Jahrzehnten kassierten und von 44,88% auf 17,11% schrumpften. Mit  "Das Boot ist voll" bediente Stronach die FPÖ Klientel, als er auf die bedrohliche Lage der Asylanten und den Umgang mit Einwanderern angesprochen wurde.

Ob das Team Stronach bei den kommenden Landtagswahlen in Tirol (28. April) und Salzburg (5. Mai) antreten wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist das Antreten bei der Nationalratswahl im Herbst. Dabei will Frank Stronach wieder selbst als Spitzenkandidat fungieren. Wenn auch da ein 10% Wahlerfolg eingefahren wird, könnte es sein, dass die Sozialdemokratie samt den Grünen, von WählerinWähler in die Opposition geschickt wird und ein Populismusbündnis aus ÖVP,FPÖ und Team Stronach den weiteren Niedergang demokratischer Strukturen in Österreich betreiben wird. Ungarn als Nachbarland ist ja ein großes Vorbild!

Dieter Braeg