Die "wilden" Streiks 1969 und 1972/73 und die Rolle der "Gastarbeiterinnen".

Im Handelsblatt, dem Zentralorgan zur Verbreitung kapitalistischer Grundsätze, wurde am 11.09.1964 unter dem Titel „Willkommen, Senhor! “, wie folgt berichtet:

„Senhor Rodrigues, seien Sie in der Bundesrepublik herzlich willkommen. (...) Dass man zu Ihrer Begrüßung auch ´Auf in den Kampf, Torero´, gespielt hat, hat durchaus symbolischen
Charakter. Jetzt geht es an die Arbeit. … Wir wären ganz froh, wenn wir in unserem Land nicht gezwungen wären, soviel Ausländer fern der Heimat beschäftigen zu müssen. Nun sind Sie aber da, wir brauchen Ihre Hilfe, und Sie sollen es so gut haben, wie es eben geht, so gut wie es ein Gast erwarten darf. Vergessen Sie nur nicht, Deutsche denken etwas anders als Portugiesen, und Portugiesen empfinden manches anders als die Deutschen. Das kann man nicht ändern. Tusch! In diesem Sinne: ´Auf in den Kampf, Senhor Rodrigues!´“

Es war der 10.09.1964, und auf dem Bahnhof Köln-Deutz wurde dem einmillionsten „Gastarbeiter“ als Willkommensgruß ein Motorrad geschenkt.

Der DGB vertrat in der Frage der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte im Jahre 1975 folgende Position (Heinz Richter, Leiter der Abteilung „Ausländische Arbeitskräfte“ beim DGB Bundesvorstand): „Diejenigen die glauben, dass die deutschen Gewerkschaften oder die Bundesrepublik Deutschland eine Politik machen würden, die zuließe, dass es Millionen deutsche Arbeitslose gibt, während die Ausländer in Arbeit sind, irren, das kann man von uns wohl nicht erwarten, das wäre eine Illusion.“

Zunächst eine grundsätzliche Bemerkung: Arbeitskämpfe, die nicht nach dem deutschen Gewerkschaftsritual (Warnstreik, Urabstimmung, Streik) stattfanden, sind weder „wild“ noch „spontan“. Der Begriff „wild“ sollte den Kampf abwerten, weil er nicht jenen Ritualen entsprach, die in der Bundesrepublik nach 1945 üblich waren. Der „spontane“ Streik war Ausdruck einer gewissen Duldung durch die Gewerkschaften, um geltende Gesetze (Tarifvertragsrecht, Betriebsverfassungsgesetz und andere arbeitsrechtliche Bestimmungen) nicht über alle Maßen außer Kraft zu setzen.  Was 1969 und 1973 und sicher auch später stattfand, waren Kämpfe der abhängigen Beschäftigten für ureigene und notwendige Interessen!

1969 hatten die streikenden abhängig Beschäftigten einen Lohnrückstand aufgeholt, der durch die sozialpartnerschaftliche „Konzertierte Aktion“ hervorgerufen worden war. Die Gewerkschaften waren in die Politik der Großen Koalition - sie war Antwort auf die erste massive Wirtschaftskrise 1966/67 in der BRD - integriert. Propagiert vom Sozialdemokraten Karl Schiller und zementiert durch Tarifabschlüsse, die Laufzeiten bis zum Jahr 1970 hatten.
Es ging da vor allem um mehr Lohn, aber auch um eine Eindämmung der Arbeitshetze.

Die Konjunktur legt 1969 los, Produktivität und Produktion steigen, die Löhne bleiben niedrig und die Unternehmensgewinne sind groß.
Die Kämpfe beginnen bei Hoesch in Dortmund am 2. September 1969. Aber schon im Frühjahr gab es in allen Teilen der BRD erste kleinere Arbeitsniederlegungen, in denen höhere Löhne gefordert wurden. Insgesamt waren etwa 140.000 abhängig Beschäftigte mit 540.000 Tagen im Streik. Dass hier das finanzielle Risiko allein von den Streikenden getragen wurde, sollte nicht in Vergessenheit geraten und - auch dies scheint wichtig - viele dieser Kämpfe fanden in den Betrieben statt, hatten also Ähnlichkeit mit Betriebsbesetzungen!  Vor allem der Arbeitskampf bei der Bremer Hütte der Klöckner Werke erreichte mit der Kontrolle und Blockierung des Mischers, der für die Stahlproduktion notwendig ist, samt weiterer Warmanlagen durch die Belegschaft (4426 Arbeiter davon 176 Türken und 77 andere Ausländer aus verschiedenen Nationen9, eine völlig neue Qualität.

Weitere wichtige Streiks in 1969:

4. - 5. September:  Rheinstahl - Mülheim/Ruhr mit 2.900 Streikenden.
5. - 6. September:  1.200 Streikende bei Mannesmann - Duisburg;
1.000 Streikende bei AEG Mülheim.
5. - 9. September:  3.300 Streikende bei Rheinstahl Gelsenkirchen.
9. - 11. September:  10.000 Bergarbeiter der Ruhrkohle AG gehen in den Streik.
Im  Saarland legen 6.000 Stahlkocher bei den Neunkirchener Eisenwerken vom 4. - 8. September  und 20.000 Bergarbeiter vom 6. - 11. September die Arbeit nieder.

Bei all diesen Kämpfen waren ausländische Arbeiter mit beteiligt, obwohl sie dem Druck der Unternehmer und Behörden in noch größerem Maße ausgesetzt waren. Sie riskierten bei diesen Kämpfen Unterkunft, Arbeitsplatz und Aufenthaltserlaubnis, denn der Aufenthalt war nur möglich, wenn man eine Arbeitserlaubnis, also einen Arbeitsplatz hatte. Für sie gab es Arbeit, aber in dieser Gesellschaft zu leben war für sie schwer.  Hier zur Wohnungssituation aus der Statistik der Bundesanstalt für Arbeit im Jahre 1967:

Ein Drittel aller italienischen, griechischen, spanischen und türkischen Familien lebten 1967 in Notwohnungen (sechs bis acht Menschen pro Zimmer, mit Doppelbetten und einer „Miete“ pro Person zwischen 60,- bis 100,- DM), und im Jahre 1971 hatten in NRW nur 40% aller dort lebenden Ausländer eine eigene Küche, 32% eine eigene Toilette und nur 16% ein eigenes Bad. 30% hatten kein eigenes Bett!  Der Gastgeber Kapitalismus ließ es sich, auf Kosten seiner „Gäste“ gut gehen.

Es sollte auch nicht übersehen werden, dass in den meisten Betrieben weder in den gewerkschaftlichen Vertrauenskörpern oder gar im Betriebsrat die Ausländerinnen und Ausländer ausreichend vertreten waren. Es dauerte bis 1972, da fanden - soweit mir bekannt - erstmals Betriebsversammlungen in Italienisch, Griechisch, Türkisch, Spanisch und Serbokroatisch statt. Das war bei der Fa. Pierburg in Neuss. Denn dort waren alle Nationalitäten im Vertrauenskörper und Betriebsrat vertreten und konnten so die einseitige Informationspolitik der Geschäftsführung per Betriebsdolmetscher unterbinden.

1969  kam es in zwei Betrieben, in denen viele ausländische Frauen beschäftigt waren, zu Arbeitskämpfen. Einmal bei Hella in Lippstadt und dann bei Pierburg in Neuss. Beide Betriebe sind, auch noch heute, große Zulieferfirmen der Automobilindustrie. Die Frauen waren in beiden Betrieben am Fließband beschäftigt, und die Tarifverträge - nicht nur der IG Metall - definierten diese Arbeit als „leichte körperliche Tätigkeit“. Es gab 10 Lohngruppen, wobei die Lohngruppe 7 - mit der Bemessungsgrundlage von 100% - die Facharbeitereinstiegslohngruppe war. In den unteren Lohngruppen waren vor allem die ausländischen Arbeitskräfte beschäftigt. Frauen in der Lohngruppe 1 wurden damals mit 3,85 bis 4,26 DM entlohnt. Dass bei den Arbeitskämpfen 1969 und auch 1973 vor allem lineare Forderungen, also  0,50 DM pro Stunde mehr für alle, eine große Rolle spielten, zeigte deutlich, dass man mit der gewerkschaftlichen Tarifpolitik nicht zufrieden war.

Im September 1969 hatten bei Hella ca.  2.000  spanische, italienische,  jugoslawische  und griechische Arbeiterinnen, die etwa 85% der Gesamtbelegschaft ausmachten, die Arbeit niedergelegt. Frauen wurden nach der Lohngruppe 1 bezahlt, während Männer an gleichen Arbeitsplätzen in Lohngruppe 3 eingruppiert waren. Deutsche bekamen dann noch 1,- DM mehr pro Stunde. In enger Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung, Betriebsrat, Vertrauenskörper  und Konsulatsvertretern gelang es, auch mit Hilfe der Polizei (teilweise Komplettabriegelung des Betriebs),  den Streik am 19.09.1969 zu beenden. Mangelnde Solidarität der deutschen Beschäftigten war auch ein Grund des Misserfolgs. Es wurden die ausgefallenen Schichten bezahlt und es gab die Zusage der Überprüfung der Lohneinstufungen durch eine Kommission, die nichts an der Entlohnungssituation verbesserte.

Bei Pierburg in Neuss, mit einer ähnlich gelagerten „Entlohnungspolitik“ wie bei Hella, und einer Belegschaft, die auch aus mehr als 2.000 ausländischen Frauen bestand, gelang es in der Zeit 1969/70 den dort arbeitenden ausländischen Frauen, die Lohngruppe 1 wegzustreiken. Dabei spielte die örtliche IG Metall-Ortsverwaltung eine positive Rolle.

1973  war das Jahr, in dem - nicht nur wegen unzureichender Tarifabschlüsse und großer wirtschaftlicher Erfolge - Arbeitskämpfe stattfanden. Es ging aber nicht nur um Teuerungszulagen. Gerade dort, wo in Unternehmen viele ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt waren, gab es weitere Forderungen. Die Wohnungssituation, hoher Arbeitsdruck, ungleiche Behandlung und Bezahlung führten zu entsprechenden Forderungen.

Übersicht (nach „Spontane Streiks 1973“ - Redaktionskollektiv „express“):

Monat           Anzahl der Betriebe               Zahl der Streikenden
Februar                   3                                 5.500
März                        2                                    740
April                        3                                10.000
Mai                        46                                51.000
Juni                       49                                43.000
Juli                        15                                17.000
August                107                                80.000
September            79                                27.000
Oktober                28                                30.000
November               2                                 1.000
Gesamt            334                            275.240


In fast allen Betrieben, die hier leider nur in einer statistischen Übersicht angeführt sind,nahmen ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter an den Arbeitskämpfen teil. Die Kämpfe, die vor allem von abhängig beschäftigten Ausländerinnen und Ausländern geführt wurden, seien hier näher erwähnt:

4. - 7. Mai:  Karmann/Osnabrück - 850 Portugiesen und 950 Spanier, unter ihnen viele Frauen,  bei insgesamt 5.000 abhängig Beschäftigten, führen einen Streik um eine bessere und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Urlaubsregelung. Der Streik war erfolgreich, und obwohl es zur Blockierung von Maschinen und Werkzeugen kam, blieb die Unternehmensleitung passiv. Unterstützung durch Deutsche gab es kaum.

15. - 16. Mai:  Heidelberger Schnellpressenfabrik Wiesloch - 250 spanische Kollegen streikten für 6 Wochen zusammenhängenden Urlaub, statt der bisherigen 4 Wochen.

22. - 29. Mai:  John Deere (Landmaschinen) in Mannheim - Ein gemeinsamer Streik von deutschen und ausländischen Kollegen mit den Forderungen für die Montagebänder:
-  Eingruppierung in eine höhere Lohngruppe,
-  bezahlte Pausen für jede Stunde (mindestens fünf bis sechs Minuten pro Stunde),
-  Überprüfung des Akkordsystems zur Verringerung der Arbeitshetze,
-  Einführung mehrsprachiger Arbeitskarten.
Der Arbeitskampf  blieb fast erfolglos (Stundenlohnerhöhung von 18 Pfennig plus einmaliger Pauschale von 60,- DM) und hinterließ eine tiefe Kluft zwischen ausländischen und deutschen Betriebsangehörigen, die vor allem durch die Geschäftsführung, leitende Beschäftigte, aber auch durch distanziertes Verhalten der IG Metall begünstigt wurde.

17. - 19. Juli:  Hella-Werke in Lippstadt und Paderborn -

Hier der Bericht von Heinz Brandt der im Buch „Dieser Betriebs wird bestreikt“ Werkkreis Literatur der Arbeitswelt Fischer TB Verlag ISBN 3 436 020346 Dezember 1974 veröffentlicht wurde:

„Was es bedeutet, den Gleichheitsgrundsatz grob und unverschämt zu mißachten, das konnten jetzt die „Hella“ - Herren in Lippstadt (und Paderborn) erleben: Trotz dringenden Bedarfes der Autoindustrie an „Hella“-Beleuchtungsanlagen stand die Produktion vier Tage still. Dann ging den Bossen die Puste aus; die Benachteiligten, die spontan die Arbeit niederlegten, hatten sich durchgesetzt  - trotz Rausschmissdrohung und trotz eines brutalen Polizeieinsatzes. Der Masse der Schlechtbezahlten, also vor allem den ausländischen Arbeitern (im Durchschnitt netto 600 DM!) wollten sie eine Zulage von 15 Pfennig vorenthalten, die sie den wenigen, in den obersten Lohngruppen eingestuften Facharbeitern zugestanden hatten. So glaubte das bei den Ausländern wegen seiner schlechten Löhne berüchtigte Unternehmen („Woanders zahlt Chef mehr“) gemäß dem Teile-und-Herrsche-Prinzip, die Facharbeiter gegen die Ungelernten und die deutschen gegen die ausländischen Arbeiter ausspielen zu können.
Der wachsende Unmut der Beschäftigten über den Amoklauf der Preise sollte schnöde überspielt werden. Das ging ins Auge. Die solidarische Protestaktion der ausländischen Arbeiter brachte einen durchschlagenden Erfolg.“Wer weiter streikt, muss die Folgen seines Handelns tragen“, war ihnen plump angedroht worden. Nun, diese Folgen tragen sie recht gern: Denn jetzt müssen die unterbelichteten Beleuchtungs-Bosse statt der allen anderen verweigerten 15 Pfennig rückwirkend ab 1. Juli 40 Pfennig (für die Lohngruppe 2 bis 6) bzw. 30 Pfennig (Lohngruppe 7 -10) Zulage herausrücken.
Und das nicht nur dort, wo spontan gestreikt wurde - in Lippstadt und Paderborn  - sondern im gesamten »Hella«-Bereich (11000 Beschäftigte), also auch in den Werken Recklinghausen und Bokkum - Hövel. Hinzu kommt ab 1. August eine 50-DM-Zulage für alle Angestellten. Die „Hella“-Herren mussten ausdrücklich auf die angedrohten Maßregelungen verzichten und auch 3 der 4 Streiktage bezahlen.
Nur die Auszubildenden (allein in Lippstadt sind es 300) sollen leer ausgehen. Das würde einen erneuten Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz bedeuten. Daher fordert der Betriebsrat, dass auch sie »in angemessener Weise« an der allen anderen gezahlten Zulage beteiligt werden. Sonst kann es noch ein Nachspiel geben. Es macht auch böses Blut, dass der NRW-Aufstockungsbetrag der Lohngruppe 2(11 Pfennig) von den 40 Pfennig abgezogen wird.
Wir brauchen die „Hella“-Herren nicht zu bedauern. Sie können zahlen, denn sie ziehen aus dicken Aufträgen -z.B. für den VW „Passat“ -  Riesengewinne. Sie haben den Wind selbst gesät, den sie nun als Passat, in Form des stürmischen, solidarischen Ausländerprotestes geerntet haben.
Die „Hella“- Herren hatten in Raten klein beigegeben: Am Abend des ersten Streiktages boten sie 15 Pfennig an, am Abend des zweiten Tages, nachdem die empörten Spanier, Italiener, Griechen und Jugoslawen vom Nordwerk durch die ganze Stadt zum Hauptwerk demonstriert und dem Polizeieinsatz getrotzt hatten, war eine monatliche Zehn-DM-Pauschale hinzugekommen. Aber jetzt verlangten die aufgebrachten ausländischen Arbeiter 50 Pfennig pro Stunde. Erst am Abend des vierten Streiktages, nachdem alle Drohungen und Einschüchterungsversuche fruchtlos geblieben waren, fanden sich die Beleuchtungs-Bosse zum 40- und 30-Pfennig- Kompromiss bereit. Im letzten Moment erzwang die Betriebsversammlung, dass drei - und nicht nur zwei Streiktage bezahlt werden. Nachträglich gelang es dann noch dem Betriebsrat, einen Trick der Geschäftsleitung auszubügeln: Ursprünglich sollte den zahlreichen bisher in der Lohngruppe 1 (die ab 1. Juli nach dem NRW- Tarifvertrag weggefallen ist) eingestuften Arbeitern die 18-Pfennig - Tariferhöhung von der 40-Pfennig-Zulage abgezogen werden Das wurde mit dem Hinweis auf die neubeginnende Unruhe vereitelt. Doch es blieb bei dem 11-Pfennig-Abzug für die neue Lohngruppe 2. Dagegen wurde dem Betriebsrat verbindlich zugesichert, dass die erkämpfte Zulage nicht auf die kommenden Tarifabschlüsse angerechnet wird.

Wie wird das Ergebnis eingeschätzt? Hierzu der Betriebsratsvorsitzende, Franz Homberg:
„Das Verhältnis der Ausländer und Deutschen zueinander ist enger geworden. Die deutschen Kollegen haben Respekt vor den ausländischen bekommen und sagen:
"Wir wissen jetzt, was wir in Zukunft zu tun haben! Was  „Bild“ schrieb, stimmte vorn und hinten nicht. „Bild“ behauptete: Mit Faustschlägen haben 3000 streikende Gastarbeiter... ihre 2000 besser bezahlten deutschen Kollegen vom Arbeitsplatz getrieben. Der Betriebsrat hat die Geschäftsleitung schon viele Wochen vorher gewarnt und die Forderung der Belegschaft nach einer allgemeinen Zulage vorgebracht. Wir waren auch gegen den Polizeieinsatz und haben erreicht, dass die mit Polizeihunden, Schlagstöcken, Helmen, Schilden und Gesichtsmasken ausgerüstete Bereitschaftspolizei im letzten Moment vor schweren Zwischenfällen vom Tor zurückgezogen wurde. Sonst wäre es böse ausgegangen, obwohl die ausländischen Kollegen sich besonnen verhielten.“

Und Lippstadts IGM-Bevollmächtigter Engelbert Sander: „Die Forderungen der Beschäftigten aus den Hellawerken sind von der örtlichen IG Metall als berechtigt anerkannt worden. Wir haben uns von Anfang an in die Gespräche zwischen Werksleitung, Betriebsrat und Beschäftigten eingeschaltet. Das Ergebnis ist befriedigend: Die Schlechtbezahlten, die bisher trotz Überstunden oft nur 600.-- DM netto erhielten, haben jetzt etwa 85 DM monatlich mehr. Der Ausgang der spontanen Arbeitsniederlegung hat gezeigt, dass die Gewerkschaften auch in einer durch die Friedenspflicht tarifrechtlich schwierigen Situation erfolgreich sein können.“

An der Zusammensetzung der Belegschaft zu 1969 hatte sich kaum etwas verändert. Arbeiterinnen und Arbeiter protestierten gegen das Lohngefälle zwischen der deutschen und ausländischen Belegschaft und forderten neben einer Teuerungszulage Lohngleichheit für Frauen und Männer. Die Forderung der ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter betraf alle Lohnempfängerinnen und Empfänger  im Betrieb. Der Betriebsrat hatte diese Zulage für die fast ausschließlich deutschen Facharbeiter durchgesetzt. Die BILD-Zeitung hetzte, es gab massive Polizeieinsätze. Das Ergebnis: die miserabel bezahlten Frauen, die bisher trotz Überstunden oft nur 600,- DM netto bekamen, erhöhten den Lohn um 85,- DM monatlich.

Nach dem Streik gründete sich das Multinationale Komitee von Lippstadt, kritisierte rassistische Praktiken und stellte fest: „Wir sind Griechen, Deutsche, Spanier und Italiener; aber unabhängig von unserer Nationalität sind wir alle Arbeiter und wir alle haben die gleichen Probleme - oder läuft das Band für einen Griechen etwa schneller als für einen Deutschen? Wir werden der Betriebsleitung nicht die Freude machen und uns wegen verschiedener Haar- und Augenfarbe spalten lassen.“ Die Forderung dieses Komitees:
Existenzsichernder Lohn, Wohnungen für alle, die in den Baracken lebten, Abriss der Drahtzäune, die das Wohnheim umgaben, Reduzierung der Mieten; für Besucherräume, eine öffentliche Telefonzelle und medizinische Versorgung in den Baracken, Herabsetzung der Bandgeschwindigkeit und des Arbeitstempos, Vertretung der ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter durch Betriebsräte (vgl. Multinationales Komitee von Lippstadt 1973).

Vertrauensleute  und Betriebsräte von Pierburg haben den Arbeitskampf bei Hella vor Ort beobachtet. Die dort gesammelten Erfahrungen trugen mit dazu bei, dass es in Neuss zum
wohl erfolgreichsten Arbeitskampf und Frauenstreik nicht nur des Jahres 1973 kam.


13. - 20. August: Pierburg AG in Neuss

Voraussetzung für den Streikerfolg war - durch die Betriebsratswahl im Jahre 1972 - auch die völlige Ablösung eines Betriebsrates, der mehr die Interessen des Besitzers Pierburg vertrat, als die der abhängig Beschäftigten. Vertrauenskörper und Betriebsrat waren entsprechend der im Betrieb vertretenen Nationalitäten besetzt, und da die Angestellten eine Minderheit waren, gab es auch da kaum Widerstand. Dieser Streik, der die im Tarifvertrag als Leichtlohngruppe 2  bezeichnete „Frauenlohngruppe“ (im Tarifvertragstext als „leichte körperliche Tätigkeit“ beschrieben) eliminierte und für alle Lohnempfängerinnen feste Stundenlohnerhöhungen
erreichte, war präzise geplant und vorbereitet. Über diesen Kampf der Frauen bei Pierburg wurde in der ganzen Bundesrepublik berichtet. Der Erfolg war aber auch nur möglich, weil sich die deutschen Facharbeiter im entscheidenden Moment dem Kampf der Frauen anschlossen.  Dass sich die Bevölkerung von Neuss in großem Umfang mit diesem Streik solidarisierte, darf nicht unerwähnt bleiben. Die gesamte Strategie und der Streikablauf wurden ausführlich dokumentiert. Dazu kam, dass bei einer Fortsetzung des Streiks, die Automobilindustrie nicht länger hätte fertigen können. Pierburgs Vergaser hätten gefehlt, um die Autos vom Band zu fahren!

Die wichtigsten Texte habe ich vor kurzem als Buch herausgegeben, und diesem Buch „Wilder Streik - das ist Revolution“ vom Verlag Die Buchmacherei, Berlin  ist der überarbeitete Film „Ihr Kampf ist unser Kampf“ als DVD beigelegt. Der Film wurde mit den Filmemachern Edith Schmidt und David Wittenberg unter aktiver Beteiligung einiger Vertrauensleute und Betriebsräte von Pierburg produziert und in vielen Veranstaltungen in der Bundesrepublik vorgeführt. Ich stimme Manuela Bojadžijev zu, die in ihrem Buch „Die windige Internationale“ feststellt:

„Der Streik bei Pierburg ist ein Beispiel dafür, dass es durchaus gelingen konnte, die rassistischen Spaltungen innerhalb des Betriebes und die Strategien der Unternehmensleitung, der staatlichen Apparate und der Presse, die Kampfbereitschaft durch repressive Maßnahmen zu schwächen, dadurch zu unterlaufen, dass die Migrantinnen beharrlich auf Allianzen setzten und Solidarität einforderten. Die hatten sie durch gezielte Intervention erreicht: durch Besuch der Kneipen, die sie sonst nicht frequentierten, durch Einfluss auf die deutschen Facharbeiter, durch die temporäre Aneignung der Fabrik, die zumindest für einen Tag festartigen Charakter erhielt.“

23. und 27. August: Klöckner-Humboldt-Deutz - 300 ausländische Kollegen der l.700-köpfigen Belegschaft streikten für eine Teuerungszulage.

24. - 30. August: Ford-Werke in Köln-Niehl und Köln-Merkenich  - Auslöser war die Entlassung von 300 türkischen Arbeitern. Sie waren zu spät aus dem Urlaub zurückgekommen. Auch hier gab es Protest gegen die Arbeitshetze, und die Forderung „Eine Mark mehr für alle!“ sollte den Zusammenhalt fördern. Es gab eine gewählte Streikleitung, und vier Tage war das Werk Niehl besetzt. Der Arbeitskampf bei Ford wurde zur bitteren Niederlage. IG Metall, Vertrauenskörperleitung (Leitung Wilfried Kuckelkorn), Geschäftsleitung, Presse, Stadtverwaltung und Polizei sorgten für die Niederlage. Der Streik endete mit 100 Entlassungen, und Ford samt Betriebsrat und VK sorgte noch dafür, dass 600 „freiwillig“ kündigten. Trotz der Niederlage war dieser Kampf für viele abhängig Beschäftigte ein Erfolg. Die Erfahrungen in dieser Auseinandersetzung gegen so viele Gegner, hatten Nachwirkungen.

24. - 31. August: Philips Valvo in Aachen - am Streik waren jugoslawische, türkische und deutsche Arbeiter beteiligt. Unterstützung von IG Metall und BR gab es nicht.  Ergebnis waren 280,- DM einmalige Teuerungszulage samt Bezahlung der halben Streikzeit. Drei Kollegen wurden entlassen. Die Unternehmensleitung setzte den türkischen Botschafter als Streikbehinderer ein.

7. September:  Alfred Teves GmbH in Frankfurt-Rödelheim -  200 meist ausländische Kollegen streiken für eine Teuerungszulage von 80,- DM monatlich.

7. September:  Leistritz in Fürth  (Maschinenbau) - 82 meist ausländische Kollegen der 314-Mann-Belegschaft streiken für eine Teuerungszulage, erreichen eine Mietsenkung und die Bezahlung der Streikzeit.

19. September:  Siemens in Traunreuth -  600 jugoslawische Kollegen der 4.000-Mann- Belegschaft erstreiken eine Teuerungszulage von 200,- DM oder ersatzweise eine Siemensaktie im Kurswert von 212,- DM.

Die „Gastarbeiterinnen“ spielten bis auf die großen Kämpfe bei Hella und Pierburg in den Jahren 1969 und 1973 keine große Rolle. Dass die Frage der Frauenentlohnung trotz dieser und anderer Kämpfe noch immer auf der Tagsordnung steht und gerade jetzt - Wahlen sind ja immer ein guter Anlass, sich kritisch zur Bezahlung der Frau zu äußern - die Parole „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ fröhliche Urständ feiert, ist Zeichen des Versagens der Politik und der Gewerkschaften.  Noch im Jahr 2000 gab es in IG Metall Tarifverträge über die Lohngruppe 2 mit der Arbeitsplatzbeschreibung „leichte körperliche Tätigkeit“.

Das Multinationale Komitee hat festgestellt:

„Wir sind Griechen, Deutsche, Spanier und Italiener; aber unabhängig von unserer Nationalität sind wir alle Arbeiter und wir alle haben die gleichen Probleme - oder läuft das Band für einen Griechen etwa schneller als für einen Deutschen? Wir werden der Betriebsleitung  nicht die Freude machen und uns wegen verschiedener Haar- und Augenfarbe spalten lassen.“

Diese Feststellung hat heute noch Gültigkeit, mehr denn je in einem Europa, das die Interessen der abhängig Beschäftigten längst vergessen hat und nur noch Banken und Spekulanten rettet.

Die Geschichte der Arbeiterbewegung  nach 1945 hat noch viele Lücken, es besteht die Chance - Augenzeuginnen und Augenzeugen leben noch -, sie lebendig werden zu lassen.

Dieter Braeg 

Anhang:

Beschreibung von „leichter körperlicher Tätigkeit“:

„In der linken Hand ein Tachogehäuse, in der rechten zwei Bolzen. Bolzen in das Gehäuse. Gehäuse über einen massiven Klotz, Klotz über die Nietstifte, Nietstifte mittels Hebeldruck durch den rechten Fuß auf die Bolzenköpfe. Mit der rechten Hand das genietete Tachogehäuse in einen Kasten, mit der linken ...“

Aus: „Eine Frau in der Revolte“, in: Heiner Dorroch, „Wer die Gewalt sät“, 1974.

Zur Frage der Frauenarbeit in der Industrie schildert eine Metallarbeiterin das Leben im rationalisierten Betrieb, wie es sich heute (Der Bericht stammt von einer Arbeiterkorrespondentin aus dem Jahre 1930) abspielt.

„Durch das Fließband haben die Kapitalisten die Arbeiterin zur Maschine gemacht. Durch die einseitige schematische Arbeit, durch denselben immer wiederkehrenden Handgriff, den die Arbeiterin leisten muss, bleibt immer ein und dieselbe Nervengruppe in Tätigkeit. Das bedeutet nach längerer Arbeit am Fließband Nervenzusammenbruch, Arbeitsunfähigkeit.
Der Unternehmer will immer mehr Arbeitsleistung aus der Arbeiterin herausholen. Der Young-Plan, dieser internationale Hungerpakt, soll auf Kosten der Arbeiterschaft durchgeführt werden. Durch verbilligte Waren will der Kapitalist die Konkurrenz im Auslande schlagen. Er setzt nicht seinen Profitanteil herab, sondern den Lohn der Arbeiterin durch die Steigerung des Arbeitstempos und die Erhöhung der Preise.
In den Betrieben wird das Tempo des laufenden Bandes immer mehr erhöht; dann wird der Akkordpreis oder eine Prämie für erhöhte Leistungen festgesetzt. Der Unternehmer erreicht dadurch, dass die Arbeiterinnen sich g e g e n s e i t i g antreiben, um die Prämie zu bekommen. In den meisten Betrieben setzt man die flinkeste Arbeiterin als erste an das Band. Diese Arbeiterinnen geben nun das Tempo an. Je mehr Arbeit sie in das Band hineingeben, um so mehr müssen sich die anderen beeilen, mitzukommen und das Band leer zu kriegen. Haben die Arbeiterinnen am Band sich eingearbeitet, schaffen sie die vorgeschriebene Stückzahl, so kommt der Kalkulator und setzt einen niedrigeren Preis fest. Die vorgeschriebene Stückzahl wird wieder erhöht.
Man wendet auch andere Tricks an. Man stellt das Band schneller ein, und wenn die Arbeiterinnen dagegen protestieren, so streitet man einfach ab, es schneller eingestellt zu haben. Zuweilen werden auch Arbeitskräfte vom Band herausgenommen, und die anderen müssen dieselbe Stückzahl schaffen. Damit versucht der Unternehmer die Arbeiterinnen gegeneinander auszuspielen. Leider kommt es noch häufig vor, dass die Arbeiterinnen sich gegenseitig antreiben und auf die Kolleginnen wütend sind, die mit dem Hetztempo nicht mitkommen, anstatt sich gemeinsam gegen die unmenschliche Ausbeutung zu wehren.
Wie sieht es nun mit den Pausen am Fließband aus? Wo 10-Minotenpausen bestanden, wurden sie gekürzt. In den meisten Betrieben ist eine Pause von fünf Minuten alle zwei Stunden eingeführt, die völlig unzureichend ist. Das zeigt ein Beispiel aus dem Lorenz-Betrieb, Berlin, M-Werk 2 (Ballonhülle). Die 40 Arbeiterinnen stürzen in den Pausen zu den neun Klosetts, wo sie anstehen müssen, wo sie höchstens zwei Minuten zur Verrichtung ihrer Notdurft Zeit haben oder gar infolge der kurzen Zeit zurück an das Band müssen, um weiter zwei Stunden sich abzuquälen.
Bei diesem Hetztempo, den viel zu kurzen Pausen, dem niedrigen Lohn, der der Arbeiterin es nicht ermöglicht, sich richtig zu ernähren, bricht sie in kurzer Zeit zusammen. In der AEG., Treptow, brachen im Oktober, abends um 10 Uhr, eine Stunde vor Feierabend, 20 Arbeiterinnen in der Radioabteilung infolge der wahnsinnigen Arbeitssteigerung ohnmächtig zusammen. Bei der Firma Lorenz werden täglich zwei bis drei Arbeiterinnen ohnmächtig hinausgetragen. Wenn die Kolleginnen von der Fließbandarbeit nach Hause kommen, sind sie total erschöpft.

Eine junge Kollegin erzählt: „Mir ist es nicht möglich, abends die Zeitung zu lesen. Die Buchstaben tanzen vor meinen Augen, und wenn ich ins Licht blicke, so sehe lob lauter rote Kreise vor den Augen.“
Eine andere: „Wenn ich abends am Tisch sitze, so ist es immer, als wenn alle Gegenstände sich langsam bewegen. Es sieht so aus, als wenn alles lauft, wie am Band im Betrieb.“
Eine 26jährige Kollegin erzählt: „Wenn ich abends nach Haue komme, springt mir mein vierjähriger Junge entgegen und hat mich so viel zu fragen. Ich bin dann aber so gereizt, dass ich ihn anschnauze, er solle nicht immerzu fragen. Jedes Wort tut mir weh, das man zu mir spricht. Mein armer Junge hat keine Mutter mehr.“
Solche Beispiele könnte man zu Dutzenden anführen.
Zur Durchführung des Young-Planes verlangen die Unternehmer den Abbau der Krankenkassenleistungen. Wie sieht es heute mit der Krankenfürsorge aus? Eine Kollegin, die sehr blutarm ist, bittet den Arzt um ein blutbildendes Mittel. Der Arzt verschreibt ihr billige Pillen gegen Kopfschmerzen.
Wenn die Arbeiterin vom Arzt krank geschrieben wird, so muss sie nach wenigen Tagen zum Vertrauensarzt und wird gesund geschrieben. Als eine Arbeiterin der AEG - Brunnenstraße beim Arzt protestierte, sie sei noch gar nicht gesund, erklärte dieser: „Na ja, ein bisschen Nervenschwäche findet man heute bei jedem. Aber wenn Sie die Arbeit nicht vertragen können, suchen Sie sich doch eine leichtere.“ Von den paar Mark Krankengeld, die die Arbeiterin bekommt, kann sie sich natürlich nicht gesund pflegen. Und jetzt wird dazu noch ein Abbau des Krankengeldes geplant! Bleibt die Arbeiterin zu lange zu Hause, fliegt sie aufs Straßenpflaster; junge, kaum dem Kindesalter entwachsene Mädchen werden vom Unternehmer eingestellt.
Unter diesem Ausbeutersystem ist es nicht verwunderlich, dass eine Fließbandarbeiterin aus dem Lorenz-Betrieb, Tempelhof, auf dem Reichskongress werktätiger Frauen erklärte: „Ich komme nicht aus einem Betrieb, ich komme aus einem Zuchthaus.“

Die Arbeiterinnen wollen nicht länger in Zuchthäusern arbeiten. Das zeigten die vielen Kämpfe der Arbeiterinnen der Betriebe in den letzten Monaten, das zeigte ihr Kampfeswille auf dem Frauenkongress. Von den Gewerkschaftsbürokraten aufs schmählichste betrogen und verraten, sie kämpfen gegen die kapitalistischen Rationalisierungsmaßnahmen, gegen Massenentlassungen, für den Siebenstundentag, für zehn Minuten Pause stündlich am laufenden Band, für höhere Löhne.“


Lohngruppen im gewerblichen Bereich der IG Metall *

Lohngruppe 1
Einfachste  Arbeiten, die ohne Ausbildung oder Anlernung ausgeführt werden können.
80% des Ecklohnes
Lohngruppe 2
Einfache Arbeiten, die ohne Ausbildung nach einer kurzfristigen Einarbeitungszeit ausgeführt werden können.
83% des Ecklohnes
Lohngruppe 3
Arbeiten die eine Anlernung und eine gewisse Fertigkeit  und eine gewisse Übung und eines gewisse Erfahrung voraussetzen. 89% des Ecklohnes
Lohngruppe 4
Arbeiten, die ein Spezialkönnen voraussetzen, das erreicht wird, entweder durch eine abgeschlossene Anlernausbildung in einem anerkannten Anlernberuf oder durch eine Anlernung wie iin Lohngruppe 3 mit zusätzlich längerer Erfahrung
93% des Ecklohnes
Lohngruppe 5
Facharbeiten; das sind Arbeiten, deren Ausführung eine fachentsprechende, ordnungsgemäß abgeschlossene Berufslehre oder gleichwertige Spezialfähigkeiten und Spezialkenntnisse voraussetzt, auch wenn sie nicht durch eine fachentsprechende ordrnungs- gemäß abgeschlossene Berufslehre erworben sind, 100% (Ecklohn)
Lohngruppe 6
Schwierige Facharbeiten, die besondere Fertigkeiten und langjährige Erfahrungen voraussetzen,
110% des Ecklohns
Lohngruppe 7
Besonders schwierige oder hochwertige Facharbeiten, die an das  fachliche Können und Wissen hohe Anforderungen stellen und große Selbständigkeit und hohes Verantwortungsbewusstsein voraussetzen. 120% des Ecklohns
Lohngruppe 8
Hochwertige Facharbeiten, die überragendes Können, völlige Selbstständigkeit, Dispositionsvermögen, umfassendes Verantwortungsbewusstsein und entsprechende theoretische Kenntnisse voraussetzen,133% des Ecklohns

*In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dieses Schema auf 10 Lohngruppen
ausgebaut (D.B.)