Gruppe 40





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Volkstrauertag „erfand“ der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Jahre 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Im Reichstag fand im Jahre 1922 die erste Gedenkstunde für die deutschen

Gefallenen des ersten Weltkrieges statt. Ein „Ehrengedenken“ sei das und die Fortsetzung reicht bis in die heutige Zeit. Heldendenkmäler zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten zweier Weltkriege gibt es auf fast jedem Friedhof in diesem nichtunserem Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gedenkstätten  samt Gedenktag (der erst seit 1996 mit dem 27.  Januar als nationaler Gedenktag festgelegt wurde), die an die Opfer des nationalsozialistischen Verbrecherregimes  -  Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure -  erinnern, die sind spärlich verteilt in Deutschland und Österreich  und bestätigen die Verdrängung jener Geschichte, an die man mehr als nur Gedenken und Erinnerung haben sollte: 
„Mit einer 1 Meter lagen Stahlkette am linken Fuß und an der rechten Hand mit einer langen Stahlkette gefesselt, schreibe ich diesen meinen letzten Brief, denn ich weiß, es geht mit mir zu Ende. Nur weil ich für den Sozialismus bin und für die Armen, für ein schöneres Leben, für Recht und Freiheit stets mein kleines Opfer gebracht habe, werde ich bald nicht mehr sein. Ich will und werde aufrecht sterben, so wie ich gelebt habe.“
Das ist ein Teil des Abschiedsbriefes des Schneiders Robert Kurz, Mitglied der  schon im österreichischen Ständestaat verbotenen KPÖ, kurz vor seiner Hinrichtung am 28.2.1943 am Wiener Landesgericht ermordet wurde. Kurz war Widerstandskämpfer. Er ist wie viele andere auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Im Friedhofsbereich der mit Gruppe 40 bezeichnet  und vom Haupteingang des Wiener Zentralfriedhofs, Tor 2, auch gut ausgeschildert, nach etwa 10 Minuten Gehweg erreichbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Robert Kurz, schrieb die zitierten Zeilen in seinem Abschiedsbrief, bevor er am 28. 1. 1943 am Wiener Landesgericht hingerichtet wurde. Er war einer von rund 600 Widerstandskämpfern, die von der NS-Justiz wegen Hochverrat und Wehrkraft zersetzender Tätigkeiten guillotiniert wurden. An ihren Mut, Ihre Opferbereitschaft erinnert heute, Jahrzehnte später, der Ehrenhain der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. Hier sind auch die sterblichen Überreste von mehr als 800 Opfern des NS- Euthanasie-Medizinverbrechens begraben. Auch ihrer wird mit einem Gedenkstein gedacht.

Schon vor einiger Zeit stellte der Bürgermeister der Stadt Wien Dr. Michael Häupl u.a. fest:

„Der Nationalsozialismus war zwar imstande für sieben Jahre Österreich von der Landkarte zu löschen, doch es sollte sich zeigen, dass er nicht in der Lage war, das Selbstverständnis der ÖsterreicherInnen zu tilgen. Im Gegenteil: Gerade diese Annexion Österreichs bildete die Grundlage für ein stetig steigendes Österreichbewusstsein. Was vor einem halben Jahrhundert noch undenkbar gewesen wäre, wird seit geraumer Zeit durch Umfragen bestätigt: Die Mehrheit der ÖsterreicherInnen haben ein österreichisches Nationalbewusstsein, verstehen sich als eigenständige Nation. Tausende, die sich nach 1938 schon zu Österreich bekannten und dafür eintraten, bezahlten ihren Kampf für Freiheit und Demokratie mit Verfolgung und Haft, viele von ihnen auch mit dem Leben. Nur an wenige WiderstandskämpferInnen erinnert eine Gedenktafel, oder eine nach ihnen benannte Verkehrsfläche. Als zentrale Gedenkstätte für die im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen ist die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof anzusehen.“

Seit dem 13.3.2013 (75 Jahre davor marschierten Hitlers Truppen in Österreich ein), gibt es ein Mahnmal im Bereich der Gruppe 40, mit rund 2000 Namen der Opfer die während der NS Zeit ermordet um dann, oft erst nach „medizinischen Studien“ auf dem Zentralfriedhof  im heutigen Bereich der Gruppe 40 „formlos verscharrt“ (so der österr. Bundeskanzler Werner Faymann)zu werden. 

Reicht es in Berlin mit einem Mahnmal jener 300 000 Menschen in Europa zu gedenken, die ermordet wurden, weil sie behindert waren?  Haben wir uns nicht zu erinnern,  dass im Jahre 1967die Richter des Frankfurter Schwurgerichts sogar offiziell zu dem Schluss kamen, dass keiner der am „Euthanasie Programm beteiligten Arzte strafrechtliche Schuld auf sich geladen habe". Die Richter stellten fest, dass die Mediziner ohne „Unrechtsbewusstsein“ gehandelt hätten – aus Gnade. Ein Gerichtsreporter der FAZ war entsetzt und berichtete vom  „Frenetischen Beifall“ des Publikums.

In Wien wird an 13 Orten der Opfer gedacht, zu wenig. Aber auf den Friedhöfen vieler Orte in diesem nichtunserem Land, da gibt es kein Erinnern. Da schmücken Kränze die Gedenksteine der Gefallenen zweier Weltkriege. Oft werden sie, in Inschriften als „Helden“ bezeichnet.


Der Ehrenhain auf dem Zentralfriedhof Wien hält  unter anderem das Andenken an Menschen wach ,die einer brutalen, schier unbezwingbaren Diktatur entgegen traten und als aufrechte, kampfentschlossene Minderheit den richtigen Weg beschritten.

In Paul Celans Todesfuge kann man lesen:


er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor  lässt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz...


Erinnern reicht nicht. In Salzburg, da wurden in den letzten Wochen des Jahres 2013 viele Stolpersteine verwüstet. Die Namen der Opfer unkenntlich gemacht.

Faschismus ist ein Verbrechen!

Text und alle Fotos: Dieter Braeg

Empfohlene Lektüre:

Willi Weinert: »Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer«.
Ein Führer durch den Ehrenhain der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof für die hingerichteten WiderstandskämpferInnen. Mit einem Geleitwort des Bürgermeisters der Stadt Wien Dr. Michael Häupl.  192 Seiten, ca. 500 Fotos u. Abb.; ISBN: 3-9501986-0-1