Union Busting brutal: Schließung eines kompletten Hotels angekündigt, um Betriebsrat und
Das Wombat's Hostel in Berlin-Mitte machte in den letzten Monaten immer wieder durch phantasievolle Protest-Aktionen auf sich aufmerksam. Zuletzt ging es um die Auslagerung des Putzteams.
Das Wombat's Berlin ist eine Besonderheit:
•    Das erste Hostel in Deutschland mit einem Betriebsrat,
•    die erste Hostel-Belegschaft, die über einen Tarifvertrag der Gewerkschaft NGG substantielle Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen erstreiten konnte.

Jetzt wollen die Besitzer das Hotel schließen, obwohl es erklärtermaßen wirtschaftlich gut da steht. Das Wombat's ist tatsächlich eine Goldgrube.
Es steht zu vermuten, dass es nach kurzer Zeit mit komplett ausgetauschter Belegschaft wieder aufgemacht wird.
Wir meinen: Hier verstoßen die Besitzer gegen das Grundgesetz, Artikel 14: "Eigentum verpflichtet."
Auch hier stellt sich daher die Frage: Müssen verantwortungslose Unternehmer nicht zur Rechenschaft gezogen werden? Darf soetwas in Deutschland sein? Was ist mit Enteignung?
Darf das sein: Schließung eines kompletten Hotels, um Betriebsrat und Gewerkschaft zu zerschlagen?
Aufruf zur Solidarität. Protest angekündigt. Enteignung nach Grundgesetz, Artikel 14 möglich?
Am 27.03.2019 informierten die Wombat's-Besitzer die Belegschaft, dass das Wombat's City Hostel in Berlin-Mitte (350 Betten, 35 Beschäftigte) am 31. August 2019 geschlossen werden soll.
Die Berliner Gruppe der aktion ./. arbeitsunrecht ruft zu Protesten auf:
•    Freitag, 17. Mai 2019 um 16 Uhr | Mittwoch, 12. Juni 2019 um 16 Uhr
•    Alte Schönhauser Str. 2, 10119 Berlin-Mitte (vor dem Wombat's)
Ökonomischer Terror aus politischen Gründen
Der Fall ist aus mehreren Gründen brisant:
1.    Das Wombat's Berlin ist das erste Hostel in Deutschland, in dem die Gründung eines Betriebsrats gelang.
2.    Es ist das erste deutsche Hostel, dessen Belegschaft mit der Gewerkschaft NGG einen Tarifvertrag erstreiten konnte.
3.    Das Hostel gilt als Goldgrube; eine wirtschaftliche Schieflage ist nicht erkennbar.
4.    Die Schließung des Wombat's City Hostel ist ein Akt ökonomischen Terrors aus politischen Gründen.
5.    Die Schließungspläne verstoßen gegen das verfassungsmäßige Gebot „Eigentum verpflichtet“ (Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2) und gegen die Koalitionsfreiheit (Recht auf Gewerkschaft und Betriebsrat, Grundgesetz, Artikel 9, Absatz 3).
6.    Der Fall Wombat's zeigt: Hier klafft eine Gesetzeslücke. Es muss die Möglichkeit geben, kriminelle, sozialschädliche Unternehmer zu enteignen!
Die Wombat's-Besitzer geben in ihrer Mitteilung an die Belegschaft zu verstehen, dass die Schließungspläne keineswegs aus wirtschaftlicher Notwendigkeit in Gang gesetzt wurden, sondern weil die Besitzer durch zahlreiche Arbeitskampfmaßnahmen und Proteste unter Druck standen. Zitat:
"Das Berliner Hostel ist zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber auf diese Art und Weise wollen wir nicht arbeiten."
Das Management ist zur Geisel einer Union Busting-Strategie geworden (Was ist das?), die von der einschlägigen Kanzleien wie Buse Heberer Fromm entworfen wurde. Als letztes Mittel beinhaltet die Buse-Strategie auch Shock-and-Awe-Aktionen: Betriebsrat und Gewerkschafter sollen durch überraschende und völlig überzogene Angriffe in Schockstarre versetzt werden.
Die aktion ./. arbeitsunrecht sieht das Wombat's Hostel Berlin als Präzedenzfall für kriminelles, sozialschädliches Unternehmertum.
Elmar Wigand, Pressesprecher der aktion, meint dazu:
„Der Fall Wombats ist kein Einzelfall. Immer wieder schließen Unternehmen willkürlich Filialen, um gewerkschaftliche Organisierung oder aktive Betriebsräte zu zerschlagen.
Die Schließung profitabler Filialen und Abteilungen soll alle anderen Beschäftigten einschüchtern.
Betriebsräte und Gewerkschaften müssen Methoden entwickeln, hier effektiven Widerstand zu leisten.“
Die Liste der Unternehmen ist lang: Burger King, Median, XXXLutz, Obi - sie alle haben in Deutschland bereits profitable Niederlassungen geschlossen, um Betriebsräte und Gewerkschaften einzuschüchtern und organisierte Bastionen zu schleifen.
Der US-Einzelhandelsgigant Walmart perfektionierte die willkürliche Schließung von Filialen, um seine Niedriglohn-Beschäftigten in ständiger Angst zu halten und so Gewerkchaften zu vermeiden.
Eigentum verpflichtet - bislang nur theoretisch
Das Grundgesetz sieht die Enteignung sozialschädlicher Unternehmer in Artikel 14 explizit vor. Allerdings fehlt eine gesetzliche Grundlage, die das genaue Prozedere regelt. Es ist erstaunlich: In der Geschichte der Bundesrepublik hat bislang niemand den Vorstoß unternommen, entsprechende Gesetze auf den Weg zu bringen.
Die aktion ./. arbeitsunrecht prüft derzeit, wie Beschäftigte dieses brach liegende juristisch-politische Terrain erobern könnten.
Die Campaignerin Jessica Reisner sagt dazu:
„Wenn Unternehmer ökonomischen Terror gegen ihre Beschäftigen ausüben, ist eine Grenze erreicht. Wer besoffen Auto fährt, verliert seinen Führerschein. Wer als Vergeltung für gewerkschaftliche Organisierung mutwillig Arbeitsplätze zerstört, sollte enteignet werden!“
Die aktion ./. arbeitsunrecht ruft engagierte Gewerkschafter*innen, aktive Betriebsräte, Bürgerrechtler und kritischen Konstument*innen zur Gegenwehr auf.
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Mehr Informationen:
https://arbeitsunrecht.de/wombats-berlin-politik-der-verbrannten-erde/