Salzburger Festspiele – auch 2013

keine Kultur für „Jedermann“

Das Reiche nicht schön sind, das konnte man auch dieses Jahr anschaun, vorausgesetzt man war zum Gaffen in der Salzburger Hofstallgasse vor dem Festspielhaus gekommen.
Am Freitag den 18.7.2013 war „Eröffnung“ der Salzburger Festspiele im Festspielhaus mit  Joseph Haydns "Schöpfung". Da wird, natürlich nur musikalisch für jene die es sich leisten können, das Chaos überwunden. Perspektive bei Haydn und nicht nur bei ihm,  ist "glücklich immerfort". Dass da auch der Bundespräsident Gauck, sicher ohne selbst Eintritt zu zahlen, da war, freut vor allem die Millionen deutscher Bürgerinnen und Bürger die bei Hartz 4, 1 € Stundenlohnarbeit, Zeit- und Leiharbeit mit weniger Geld ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, als der Eintritt auf einen teuren Opernplatz in Salzburg kostet.
Aber es gibt auch in diesem hoch subventionierten Betrieb mit 4000 Beschäftigten nicht nur Sonnenschein. Es kriselt, der Intendant haut ab nach Mailand und auch sonst gibt es nicht unbedingt Erfreuliches zu berichten.

Doch, es gibt ein kleines Stück Kultur für’s Volk. Gespielt, bei freiem Eintritt, vom Straßentheater Salzburg. Da kann man den „Salzburger Strizzi“ erleben. Ein Mann, genannt Nebel, steht auf der Wagenbühne des Salzburger Straßentheaters und singt von Mailand, Salzburg und dem Herrn Pereira. Da ist, völlig unvermutet die  „rote Gabi“ verschwunden sowie Millionenschulden samt Belegen. Gefälschte Unterschriften“ spielen auch eine Rolle im kaum bekannten Stück von Johann

 

Nestroy mit dem Titel: „Liebesgeschichten und Heiratssachen“.
Der  Regisseur Klaus Gmeiner hat gemeinsam mit Walter Müller, der die Liedtexte
bearbeitete,  die Sozialkritik Nestroys (Standesunterschiede zwischen Adel und Arbeiterklasse) aus dem Jahre 1843 in die Salzburger Realität transportiert. Da gibt es satirisch beißende Kritik zum Schaulaufen der Reichen und Schönen zur Festspielzeit und zum Versagen der Politik.

Der Protest gegen die  „Kulturverschiebung“ durch die Festspiele hielt sich am Tag der „Eröffnung“ sicherlich in Grenzen. Aber auf dem Herbert von Karajanplatz (dessen Verbandelung mit der NSDAP man vor allem während der Festspielzeit dezent vertschweigt) traf sich eine kleine radikale Minderheit, um bei aller Festspieleröffnungsfreunde über die Realität zu berichten:

„Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen!
Heute beginnen die Salzburger Festspiele. Das bedeutet für Hotellerie und Gastgewerbe einen Umsatz von 73,6 Millionen.
13.516.000 € an Steuergeldern werden dafür aufgewendet. Den Profit stecken hauptsächlich Luxushotels und Luxusrestaurants ein. Viele Beschäftigten sehen von diesem Geld wenig. Gastronomie und Hotelgewerbe zählen zu den Niedriglohnsektoren in Salzburg und Österreich. Der durchschnittliche Bruttostundenlohn liegt 38% unter dem österreichischen Durchschnitt. Der Mindestmonatslohn beträgt 1320 Euro. Das ist erst seit Mai der Fall. Bis dahin betrug der Mindestlohn gerade mal 1205 Euro. Betroffen sind davon vor allem  Köche/Köchinnen, Küchenhilfen, Rezeptionisten/Rezeptionistinnen etc.
Viele der Beschäftigten sind auf die Trinkgelder während der Festspielzeit angewiesen, um sich einmal Dinge leisten zu können, die nicht mit Wohnen, Essen1 Trinken etc. zu tun haben.
Dies bedeutet, dass sie sich  wenig gegen Respektlosigkeiten, Unhöflichkeiten etc. wehren können. Dieser Zustand ist Untragbar. Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie auf zufällige Zahlungen von Gästen angewiesen sind, um sich ohne Probleme etwas gönnen zu können.

Auf der anderen Seite beträgt die direkte Wertschöpfung im Tourismusbereich österreichweit allein im Jahre  2012 rund 15 Milliarden Euro (ca. 14% des BIP), die indirekte (und da ist Gastronomie dabei) lag sogar bei über 20 Milliarden. Zugleich zählen Hotellerie und Gastronomie zu den besonders arbeitsintensiven Arbeitsbereichen.

Die Wochenarbeitszeit kann bis zu 48 Stunden ausgedehnt werden. In Zeiten erhöhten Arbeitsbedarfes können die Unternehmen sogar bis zu 15 Überstunden pro Woche einfordern, und das ohne besondere Genehmigung. Die wöchentliche Ruhezeit beträgt lediglich 36 Stunden und nicht 2 Tage. Die Überstunden werden nicht ausbezahlt, sondern bestenfalls durch Zeitausgleich abgegolten. Dies geschieht natürlich nicht während der Festspiele, sondern in  weniger arbeitsintensiven Zeiten. Das bedeutet, dass der in den Überstunden geleistete Arbeitsaufwand im Grunde nicht vollends abgegolten wird.

Gerade während der Festspielzeit sind die Arbeitsbedingungen besonders hart. Freie Wochenenden gibt es währenddessen nicht, ebenso wenig wie Urlaub. Diese Bedingungen sind unzumutbar.Daher fordern wir eine dauerhafte Gehaltserhöhung, die weit über der Inflation liegt (5%)!Fixe Arbeitszeiten und ein Ende der Überstunden! Eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche zur Aufteilung der vorhandenen Arbeit auf ausreichend Personal!“

Diese Rede hätte eigentlich ein Salzburger Gewerkschaftsfunktionär vor vielen Betroffenen halten müssen. Dem war nicht so. Es war die Rede eines jungen Genossen aus der SLP. Ein Bündnis des Infoladens, SLP,KJÖ,KSV,GRAS und VSSTÖ war an diesem notwendigen Protest beteiligt. Stellvertretend für mehrere kritische Redebeiträge soll hier die öh Salzburg (österreichische Hochschülerschaft) zitiert werden:

„Die Eröffnung der Salzburger Festspiele steht heuer unter dem Motto »Festspiele für alle«. Ein irreführendes Motto, wenn man an die gravierenden sozialen und politischen Missstande in der Stadt Salzburg und der Gesellschaft denkt.  Wohnungsnot, überteuerte Preise und Lebenshaltungskosten, die prekäre Situation junger und alternativer KünstlerInnen, das rigorose Vorgehen gegen Bettlerlnnen (besonders in der Festspielzeit) etc. sind nur einige Beispiele.
Wir nutzen die Festspiele als Bühne, um auf die prekären sozialen Verhältnisse vieler Menschen aufmerksam zu machen. Gemeinsam wollen wir soziale Realitäten in den Vordergrund rücken, die nicht in den Glanz der Festspielzeit passen“

Am 26.7.2013 wird es vor dem großen Festspielhaus um 10,15 Uhr -  in der Hofstallgasse in Salzburg -  eine weitere Kundgebung geben. Die kritische Begleitung der Festspiele ist notwendiger denn je.

Dieter Braeg

Fotos:Dieter Braeg