Zum nidaknian!

Musk-Hörerin/-Hörer, heute möchte ich ein Lobschreiblied  musikkolumnieren - gewidmet dem Ernst Molden, dem ich in seiner geliebten Mundart, dem Weanerischen, die Überschrift „Zum Niederknien“ widme, für seine feine Kunst, die sich in Text und Melodie ausdrückt.
Moldens Romane „Biedermeiner“, „Austreiben“ oder „Doktor Paranoiski“ sind überaus zu empfehlende Unterhaltungslektüre, und was er so musikalisch treibt, das sollte man unbedingt
hören. Hier mit Moldens Worten, wie das so geht, wenn eine feine Platte/CD entsteht:

„Mit meiner Band hab ich eine Reise in die Wiese gemacht, ins Nordburgenland, nach Oslip oder Uzlop,

wie es auf Kroatisch heißt. Hier steht an der Wulka (Fluss im Nordburgenland; D. B.) die beeindruckende, vielhundertjährige Cselleymühle, und die beinhaltet insgesamt zu viel, um es hier aufzuzählen. Un¬ter anderem liegt dort aber das Studio unseres Freundes, des Herrn Kantine, und dorthin gingen Herr Wilhelm, Herr Walther, Herr Hannes und ich, um unsere zwölf neuen Lie¬der aufzunehmen. Herr Kantine nimmt Musik ohne Com¬puter auf, auf Tonband, das heißt, man kann nachher nichts beschönigen und muss sich also vorher gut vorbereiten. Das taten wir nach Kräften, und waren dann gar nicht so schlecht in Spiel und Gesang an den Ufern der Wulka. In den Pausen gingen wir stets auf die große, halb verwil¬derte Wiese hinter der Mühle, wo Obst- und Nussbäume stehen, wir legten uns ins Gras. Wir waren umkreucht und umfleucht von allen Tieren Pannoniens.“

„Ho Rugg“ heißt das Album und, wer’s gerne ohne Dialekt haben will: „Ho Ruck“. Ja, die vier Herren, Molden, Resetarits, Soyka und Wirth, deren Vornamen wir ja nun schon kennen, singen allein und gemeinsam wunderschöne Lieder. Alle getextet und komponiert von Ernst Molden. An Instrumenten hören wir akustische und elektrische Gitarren, Ukulene, Harps, Harmonika. Ja, diese Harmonika, gespielt vom „Harmonikagenie“ Walther Soyka, die ist Superohrenschmaus.

Der Monat „Sebdemba“, die Kastanien sind rostig wegen der Würmer, und „Kinda ruggts zsam“ (Kinder rückt zusammen) sind zwei der zwölf Geschichten, die sich um das drehen, was Wien, seine Menschen und die Umgebung ausmacht. Hier begegnen wir der Wiener Poesie, die erstmals im deutschsprachigen Raum von H. C. Artmann „med anan schwoazzn dintn“ zum Bestseller wurde, und Ernst Molden ist ein wirklich großer Nachfolger des von mir so geliebten H. C. Artmann, der viele Jahre ganz nah, wo auch ich wohne, am Schwarzgrabenweg, gelebt hat.

Hörerin/Hörer, das Ohr weit aufgemacht, die Augen schließen und den Melodien und Texten folgen, die vom Prater erzählen, vom Tod, der „weanerisch“ viel mehr als eine schöne Leich ist, und auch der Neusiedlersee plätschert. Vielleicht braucht man eine zweite Hörbegegnung, aber dann haut es einen um, denn der Molden erzählt uns allen Geschichten, die man spürt und die man selbst vielleicht sogar erlebt, gefühlt hat. Zum nidaknian!

Wenn Du, Hörerin/Hörer, noch einen Plattenspieler besitzt, dann kauf doch die LP. Die Platte ist aus feinstem fetten Vinyl, super und zentriert gepresst, und die CD ist auch dabei, und man bekommt feinste Fotos mitgeliefert, die auf der CD nicht mal mit Vergrößerungsglas gut ausschauen!

Molden, Resetarits, Soyka, Wirth: „Ho RUGG“, monkey music.

Dieter Braeg