Zu dieser Broschüre
Der G-20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg stattfand, war für die Politik dieser nicht-unseren Gesellschaft ein Übungsfeld, bei dem die Reprä¬sentanten der 20 Industrie- und Schwellenländer sich von 23 000 Polizistin¬nen und Polizisten schützen ließen, während das Volk jene Kultur vorgeführt bekam, die das Ziel nicht nur dieses Gipfels war, das Heinz R. Unger in sei-nem Gedicht „Wer schreibt Geschichte?“ in der letzten Strophe sehr genau feststellte:
„Wenn wir so vieles nicht erfahren sollen,
wer hat Interesse daran, dass wir es nicht wissen?
Wenn so vieles nicht in den Lehrbüchern steht,
wer will, dass es nicht gelehrt wird?“
Was da am 15.7.1927 in Wien geschah, ist vorher in ähnlicher Form immer wieder ein Teil jener Geschichte, die möglichst selten in Erinnerung gerufen wird. Gustav Noskes Wüten am Beginn der Weimarer Republik, das Blutbad, in dem eine Münchner Räterepublik erstickt wurde, oder – schon nach dem Massaker um den Justizpalastbrand 1927 – der Altonaer Blutsonntag im Jahre 1932: „Die Polizei griff ein, doch sie war zahlenmäßig weit unterlegen. Trotz ihrer Bemühungen, die beiden Lager aus KPD und NSDAP voneinander zu trennen, eskalierte die Situation. Für ein paar Stunden herrschte auf Altonas Straßen Bürgerkrieg. Überall wurde geschossen, geschrien, geprügelt. Voller Panik feuerten Polizisten auf alles, was sich bewegte. 5 000 Kugeln sollen ge¬flogen sein. Zwei SA-Männer und 16 Unbeteiligte kamen ums Leben.“
Folge war damals die Absetzung der preußischen Regierung durch den rechtskonservativen Reichskanzler Franz von Papen; sie war auch für Alto¬na zuständig, weil sie die öffentliche Ordnung nicht aufrechterhalten könne. Diese öffentliche Ordnung, die immer dann in Gefahr ist, wenn jene, die zwar wählen aber nicht abwählen dürfen, mit dem was die Politik tut, nicht einver¬standen sind. Ruhe ist der Bürgerin und Bürger erste Pflicht. Und ist sie, die Ruhe, in Gefahr, wird geschossen – früher öfters schärfer, heute noch nicht. Aber das kann sich, beim Erstarken jener, die keine Scheu haben, das Wort „entsorgen“ mit Menschen in Verbindung zu bringen, sehr rasch ändern.

Rudolf Geist, zu dessen Leben und Werk in dieser Broschüre der Nachdruck eines Nachruftextes von Otto Basil informiert, hat im Oktober des Jahres 1927 im Verlag Otto Ulrich, Heilbronn, in der Broschüren-Reihe „Tat und Wille – Blätter der Gegenwart“ den Text „Die Wiener Julirevolte – Bericht eines Augenzeugen“ herausgebracht. Sein Sohn Till Geist, der immer noch darauf wartet, dass der von ihm betreute und verwaltete große Nachlass sei¬nes Vaters in kompetente und kundige Hände gelangt, hat mir diesen Text zur Verfügung gestellt. Nicht nur der Roman „Nijin der Sibire“, in dem es um die russische Revolution und den Aufbau der Sowjetunion geht, ist völlig in Ver¬gessenheit geraten, wie auch viele andere wichtige Texte. Rudolf Geist nahm als Redner am ersten europäischen Vagabunden-Kongress 1929 in Stuttgart teil, wo sich sozialrevolutionäre Teilnehmer aus verschiedenen politischen Lagern und sozialen Schichten versammelten. Er war einige Zeit Redakteur der österreichischen Literaturzeitschrift „Plan“. Drei Hefte entstanden schon im Jahre 1938, während die insgesamt 18 Hefte von Oktober 1945 bis An¬fang des Jahres 1948 erschienen sind. „Plan“ gilt auch heute noch als eine der wichtigsten Literatur- und Kulturzeitschriften nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich.
Mir war es wichtig, vor allem anhand damals erschienener Artikel aus den Ta¬geszeitungen („Arbeiter-Zeitung“, „Reichspost“), den Konflikt darzustellen. Das Gedicht „Wien“ von Johannes R. Becher, abgedruckt am 27.7.1927 in der KPÖ-Tageszeitung „Die Rote Fahne“, gehört auch dazu. Ganz wichtig ist aber auch ein Flugblatt, ebenfalls in dieser Broschüre dokumentiert, verfasst von Ilona Duczynska, das von der Gruppe „Politische Arbeitsgemeinschaft“, die sich als „bescheidenen Versuch einer durchdachten linken Opposition“ in der österreichischen Sozialdemokratie verstand, in den ersten Augusttagen 1927 vor den Großbetrieben Wiens verteilt wurde.
Die Illustrationen stammen alle aus Zeitungen, die im Jahre 1927 erschienen sind.
Franz Schandl, Historiker und Publizist in Wien, der seine Brötchen wider Willen als Journalist verdient und Redakteur der Zeitschrift „Streifzüge“ (www.streifzüge.org) ist, hat zu diesem für Österreich wichtigen politischen Ereignis ein Nachwort geschrieben. Das Geschehen um den Justizpalastbrand darf, wie das Werk von Rudolf Geist, nicht in Vergessenheit geraten.

Dieter Braeg (Herausgeber)

„DIE WIENER JULIREVOLTE“
66 Seiten - ISBN 978-3-9819243-0-5
7.--€ bei

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