Donnerstag 13. September 2018, 19:00

Dieter Braeg über die legendäre Betriebsbesetzung in einer Zementfabrik in Erwitte: Betriebsbesetzung – Verdrängtes Mittel gegen Arbeitsplatzraub?

Diskussionsveranstaltung mit Kurzfilmvorführung und Buchvorstellung „Erwitte - ´Wir halten den Betrieb besetzt´“ mit Dieter Braeg (Herausgeber)

In der Mitte des sogenannten „Roten Jahrzehnts“ wurde in einer Kleinstadt, dem westfälischen Erwitte, Gewerkschafts­geschichte geschrieben. Ein Teil der 150 Beschäftigten des dortigen Zementwerkes Seibel & Söhne - viele hatten in harter verschleißender Arbeit und bei überlangen Arbeits­zeiten das Werk nach dem Krieg wiederaufgebaut - fanden sich plötzlich auf einer Entlassungsliste.

Der Unternehmer reagierte damit auf die Folgen des Preiskriegs in der Zement­industrie. Das selbstherrliche Auftreten und der respektlose Umgang des Firmenchefs Clemens Seibel mit seiner „Gefolg­schaft“ veranlasste die Arbeiter zu einem außergewöhnlichen Schritt. Sie besetzten den Betrieb. Das war die erste Betriebsbesetzung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Das Buch enthält die zentralen Dokumente dieses Arbeitskampfes, der auch ein Angriff auf das alleinige Verfügungsrecht des Unternehmers über sein Kapital war.

Im Laufe dieses Konflikts wurden die Frauen der Zement­werker zu selbstbewussten Akteurinnen und begannen ihre traditionellen Rollen zu hinterfragen. „Erwitte“ löste eine Prozesslawine aus, die über ein Jahrzehnt dauerte und die Gewerkschaft IG Chemie-Papier-Keramik einen zweistelligen Millionenbetrag kostete. Ein guter Teil dieser Summe im Schadens­ersatzprozess kann auch als abschreckende Strafe für die Verlet­zung der bürgerlichen Eigentumsrechte ange­sehen werden. Dieses Urteil blieb nicht ohne Folgen für die weitere Politik der Gewerk­schaften.

 

Freitag 21. September 2018, 19:00


Buchbesprechung und Kurzfilm „Wilder Streik das ist Revolution“

Im August 1973 führten die Arbeiterinnen der Firma Pierburg Neuss einen „spontanen“ Arbeitskampf. Dieser Arbeitskampf war einer der ersten Streiks gegen frauen­diskriminierende Eingruppierung und Entlohnung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Trotz tendenziöser Berichterstattung in manchen Medien und zum Teil Falschdarstellungen im Arbeitgeberlager erfuhren die Pierburg-Frauen eine breite bundesweite Solidarität. Als sich auch die Facharbeiter mit den streikenden Frauen solidarisierten, gingen alle Einschüchterungsversuche des Arbeitgebers ins Leere, so dass sich die Frauen mit ihrer Forderung weitgehend durchsetzen konnten.

Der Arbeitskampf der Pierburg-Frauen für gerechte Entlohnung vor mehr als 45 Jahren war der Anfang eines langen Kampfes für Lohngleichheit und Geschlechtergerechtigkeit.

Einer der „Rädelsführer“ dieses Streiks, Dieter Braeg, präsentiert seine Streikdokumentation zu diesem Arbeitskampf „Wilder Streik das ist Revolution“, erschienen im Berliner Verlag DIE BUCHMACHEREI. Dazu wird ein Kurzfilm gezeigt.

Werkl im Goethehof
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Keine 5 Minuten von der U1 Station Kaisermühlen, VIC (Ausgang Donau-City-Straße) entfernt, ist das “Werkl im Goethehof” in einem der größten Gemeindebauten von Wien beheimatet.Einfach unter der Unterführung in Richtung Schüttaustraße gehen, im zweitem Gassenlokal sind wir zu finden. Der Eintritt ist frei! Spenden erlaubt!