Freuds Widmung an einen Faschisten
(Roberto Zapperi: Freud und Mussolini. Übersetzung aus dem Italienischen von  Ingeborg Walter)



„Benito Mussolini mit dem ergebenen Gruß eines alten Mannes, der im Machthaber den Kultur-Heros erkennt. Wien 26.4. 1933.“

Diese Widmung schrieb Sigmund Freud in die im März 1933 erschienene Publikation „Warum Krieg? Ein Briefwechsel“, die er gemeinsam mit dem deutschen Physiker Albert Einstein verfasst hatte.

Wie kam es zu dieser Widmung, die die Vermutung zulässt, dass Freud Sympathien für den Faschismus entwickelt haben müsste? Als der Triester Psychoanalytiker Edoardo Weiss, ein Schüler Freuds, zusammen mit dem faschistischen italienischen Theaterschriftsteller und Librettisten Giavacchino Forzano am 25. April 1933 Freud in der Berggasse 19 in Wien (wo sich heute das Sigmund Freud Museum befindet) besuchte, gab es ein demokratisches Österreich nicht mehr, denn der christsoziale Kanzler Engelbert Dollfuß nutzte die Tatsache, dass alle drei Nationalratspräsidenten zurückgetreten waren, am 4. März 1933 zum Staatsstreich und führte Österreich in die Diktatur, die nach den Februarkämpfen 1934 durch die komplette Ausschaltung der Sozialdemokratie gefestigt wurde.

Neu im Buchhandel: „Lebenszeichen.

Linkes Wort am

Volksstimmefest 2015“

Mit literarischen Beiträgen von insgesamt 26 Autorinnen und Autoren versammelt die Anthologie „Lebenszeichen – Linkes Wort am Volksstimmefest“" alle Texte, die zur Lesung am Wiener Volksstimmefest im Jahr 2015 beigetragen wurden.

Der Anlass ifür die am 5. und 6. September 2015 stattgefundene Lesung, die in diesem Band dokumentiert ist, war ein brandaktueller: Europa war mit dem Höhepunkt der gegenwärtig größten Fluchtbewegung seit Jahren und Jahrzehnten konfrontiert. Diese Flucht aus den Krisengebieten des an das Mittelmeer angrenzenden Raums bedeutete für die an ihr Beteiligten nichts weniger als eine Frage des Überlebens. Wer konnte, angekommen in einer sicheren europäischen Umgebung, sein Lebenszeichen nach der geglückten Überfahrt senden?
Die in diesem Buch versammelten Beiträge greifen das Motiv der Flucht in

Wien & Bachmann
Joseph McVeigh:
„Ingeborg Bachmanns Wien“

War „Hitlers Wien“ nicht nur ein zutreffender Buchtitel, sondern auch ein recht notwendiges Buch, ist dies bei diesem Buch ein leeres Versprechen. Der Umschlagtext verspricht: „Kenntnis- und detailreich schildert Joseph McVeigh Ingeborg Bachmanns Entwicklung im geistig-kulturellen Milieu der unmittelbaren Nachkriegszeit, von den Studienjahren bis zu ihrem großen Erfolg bei der Lesung der Gruppe 47 im Mai 1953 und ihrem langen Abschied aus Wien.“

Im kriegszerstörten und besetzten Wien im Mai 1948 trafen und liebten sich Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Sie, Tochter eines österreichischen Mitglieds der NSDAP, studierte Philosophie. Celan, staatenloser Jude aus der legendären Stadt Czernowitz, die Eltern ermordet in einem deutschen Konzentrationslager, er Überlebender eines rumänischen Arbeitslagers. Hier ein Gedicht von Paul Celan.

Streikbeforschung ?

Peter Birke:
„Wilde Streiks im Wirtschaftswunder. Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark“

In der Einleitung meint der Autor u. a.: „Diese offene Situation und die in ihr sichtbare Neuzusammensetzung der sozialen Konflikte war Ausgangspunkt meiner Neugier auf eine intensive Beschäftigung mit der Geschichte der wilden Streiks. Die Arbeitskonflikte schienen mir ein Thema zu sein, das einen anderen Blick auf „1968“ ermöglichen könnte als in der bundesdeutschen Forschung üblich. Mich interessierte auf der einen Seite, wie diese Konflikte jenseits der Fabrik wirkten, und auf der anderen Seite, wie die neuen sozialen Bewegungen sich in den Fabriken geltend machten. Ich nahm an, dass es genügend Spuren und Hinweise geben müsste, um diese Frage anhand der wilden Streiks zu untersuchen.

Lehrjahre sind keine …


„Herrenjahre“

Roman von Gernot Wolfgruber

Zurzeit lobhudelt es landauf-landab und berg-samt-tal zum autobiographisch angelegten Buchprojekt des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Ich empfehle, aber bespreche hier nicht, wenn man so gestrickt ist, dass man einen Erzählfluss mag, der sich über viele Bände hinstreckt, das feine Werk von J. J. Voskuil „Das Büro“. Der Berliner Verbrecher Verlag, ein wahrer Segen für Leserin und Leser, veröffentlicht die insgesamt sieben Bände, von denen soeben als 4. Band „Das A. P. Beerta-Institut“ erschienen ist.

Erste Hilfe?

Edith Michaeler:  Dr. Brunners NOTFALLBUCH -  herausgegeben von Barbara Brunner

Die Welt ist kompliziert, und kaum glaubt Frau/Mann, auch gendermäßig sei alles spitzenmäßig in Ordnung, da ist es schon passiert: Die Milch ist sauer, das Bier schmeckt schal, im Fernsehen, dem öffentlich-unrechtlichen mit Zwangsbeitrag für alle, spricht die Merkel. Das ist ein Notfall. Oder?
Ich habe dann mal gleich nachgesehen in diesem wirklich in vielen Fällen sehr kompetenten Ratgeber, ob im Register unter R auch „Revolution“ angegeben ist. Denn in dieser nicht-unseren Gesellschaft dürfte das ganz sicher für die Mehrheit der Ein- und Zweifältigen ein Notfall sein. Gefunden hab ich da nur: „Radioaktive Unfälle/Giftgaswolken“ und „Reifenplatzer“. So ist der Weisheit letzter Schluss: bei Revolution hilft nix! In keinem Fall dieser kleine feine Ratgeber. Eigentlich schade!

Wie geht man etwa mit der Situation um, wenn der Partner plötzlich bewusstlos zusammensackt, oder in Wohnung oder Haus Gasgeruch auftritt, und was tun, wenn man bei einem feinen Auslandsaufenthalt ausgeraubt wird? Da hilft dieser Notafallratgeber .

Die rote Masche
Ein Shoabuch für Kinder und Erwachsene von Annika Tetzner

Annika Tetzner halt als Kind den Holocaust überlebt. Geboren in Prag, lebt sie jetzt in Jerusalem. Sie schreibt und illustriert Bücher für Kinder und Erwachsene. Sie überlebte als einzige ihrer Familie die Konzentrationslager Theresienstadt, Birkenau und Mauthausen.

In dem bemerkenswerten Vorwort des in der Wiener Edition Splitter erschienenen Buches, meint Elisabeth von Samsonow:

„Diese drei Geschichten weisen auf die Möglichkeit der Rehabilitation des

Proletenpassion  –  Das Buch
Erinnern wir uns noch an die großartige „Proletenpassion“?

An den ersten Text dieser ganz anderen Darstellung von Geschichte?
„WER SCHREIBT DIE GESCHICHTE

Jeden Morgen, wenn wir zur Arbeit fahren,
wird eine neue Seite ins Geschichtsbuch geschrieben.
Wer schreibt sie? Geschieht Geschichte mit uns?
Oder machen wir unsere Geschichte?

Unsere Geschichte ist die Geschichte von Kämpfen
zwischen den Klassen, eine wütende Chronologie.
Doch gelehrt wird uns die lange Reihe von Kronen und
Thronen, und über allem waltet ein blindes Geschick.

DICHTUNG UND GESCHICHTE
Jochachim Sartorius
„Niemals eine Atempause“
Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert

Wir haben mit 2014 ein Jahr hinter uns gebracht in dem wir viel „Geschichte“ und „Gedenken“ geboten bekamen. Der Streit um die „Schuldfrage“ und diese vorgeschobene  „Aufarbeitung der Geschichte“  hat viel Papier vergeudet und zur Vernebelung der Grundwidersprüche in dieser nichtunseren Gesellschaft beigetragen. Schon als Herausgeber der Anthologien „Atlas der neuen Poesie“, „Minima Poetica“ und  „Alexandria Fata Morgana“ hat er mehr als nur lyrisch-poetische Kompetenz bewiesen. In diesem Handbuch wird in neunzehn Ereignissen des vorigen Jahrhunderts von Schriftstellern per Text viel mehr beschrieben, geschildert, kommentiert  und Position bezogen, als die Geschichtswissenschaft leisten könnte. In seinem  kenntnisreichen und bei dem Thema auch notwendig ausführlichen Vorwort schreibt der Herausgeber unter anderem: „Es gibt politische Gedichte ohne Zahl. Es ist ein Meer. Hängt man der These an, dass jedes Gedicht, auch das bukolische, gesellschaftliche Relevanz hat – quasi  ex negativo-, so hat man es mit einem Ozean „politischer“ Gedichte zu tun. Bei der Zusammenstellung dieser Anthologie und ihrer Engführung waren daher zwei Definitionen von

Nicht nur eine Reise in dieVergangenheit von BMW-Berlin

Dieses Buch dokumentiert einen Kampf zwischen Lohnarbeit und Kapital im BMW-Motorradwerk Berlin(1984 - 1987. Beteiligt waren die Belegschaft und dazu Akteure: Rainer Knirsch, Hans Köbrich und Peter Vollmer, die in diesem Betrieb nicht nur ihre Arbeitskraft verkauften, sondern auch linke kritische Betriebsarbeit leisteten.

Beschrieben wird die tagtägliche Arbeit als interessenbewusster Arbeiter, als Gewerkschafter, als Betriebsrat. Dazu wird die arbeitsrechtliche Situation aufgezeigt, konkret und systembedingt, samt der Öffentlichkeitsarbeit: im Betrieb für die Belegschaft; für die Öffentlichkeit außerhalb, die Anteil nehmen und solidarisch sind; für Presse, Funk und Fernsehen; an Einzelpersonen und Organisationen, um "Netzwerke" zu bilden.

Knirsch, Köbrich und Vollmer wurden während der Auseinandersetzung mit BMW insgesamt 20 Mal gekündigt, hatten jahrelang keinen Zugang zum Betrieb, und die über hundert arbeitsrechtlichen Verfahren haben BMW sicher sehr viel Geld gekostet. Trotzdem gewann BMW keinen Prozess!