Fahrt in’s Rote
Christoph Jünke
„Streifzüge durch das rote 20. Jahrhundert“

Spaziergang,, Bewegung, Ausflug, Bummel, Marsch, Weg, Exkursion, Tour, Trip, Spritztour,   Marsch, Exkursion, Abstecher, Fahrt ins Blaue, Lustfahrt, Landpartie, Abstecher, Erholungsfahrt, Vergnügungsfahrt, Wanderung…Christof Jünke, Vorsitzender der Leo-Kofler-Gesellschaft der auch viele Jahre der SOZ verbunden war hat mit insgesamt 19 Texten fünf Bereiche (Revolution und Konterrevolution, Neu Beginnen, Epochenbruch und Rück- und Ausblicke) der, wie er es im Buchtitel formuliert, roten Geschichte des vorigen Jahrhunderts wieder in Erinnerung gebracht. Jünke hat ein sprachlich und inhaltlich notwendiges Buch zum „traurigen Schicksal der sozialistischen Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts“ geschrieben.  
Es wird sicherlich Kritiker geben, die in diesem Buch, gehörten sie zu denen die Korinthen nicht nur zählen, einiges vermissen werden. Jünke warnt schon im Vorwort: „ Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Systematik (und es wäre ein wohlfeiles Vergnügen, all die vielen thematischen, personalen und bewegungsmäßigen Lücken zu benennen, die es aufweist). Es sind Gelegenheitsarbeiten, die hier präsentiert werden – Gedenkartikel und Vorträge, Rezensionen und Polemiken, gelegentlich auch Nebenprodukte anderer, größerer Arbeiten. Ihr gemeinsamer Nenner ist das traurige Schicksal der sozialistischen Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts.“
Das Inhaltsverzeichnis ist ein Wegweiser der Wegstrecke durch ein Jahrhundert in der Revolution, große Hoffnungen, schwere Niederlagen, Konterrevolution eine Rolle spielten. Das Inhaltsverzeichnis gibt  Auskunft über die Wegstrecke: Implacabilis: Karl Liebknecht; Sisyphus: Richard Müller; Die Dilemmata des Linkssozialismus am Beispiel des Austromarxismus: Max Adler, Otto Bauer und Joseph Buttinger; Der Fall Victor Serge; Brot und Rosen: Jakob Moneta und die „neue Anthropologie“; Der vergessene Aufbruch: Die linke Neuformierung 1954/55 und ihr Scheitern 1957/58; Zur Verteidigung der Neuen Linken; Peter Brückners Versuch, uns und anderen die Neue Linke zu erklären; Die Tränen des Edward P. Thompson; Eine kleine Geschichte der Vereinigten Sozialistischen Partei (1986 - 2000 );Tagträume eines Ex-Dissidenten. Konrad Weiß’ Austreibung der sozialistischen Utopie; Vorantreiben, Helfen oder Stören: 40 Jahre Konkret;1998er Häutungen: Oskar Negt und Bernd Rabehl ; Die Letzten werden die Ersten sein: Pierre Bourdieu; Stichwort Trotzkismus; Stichwort Linkssozialismus; Lob und Tadel des Sektierertums. Annäherungen an ein Gespenst und Auf dem Weg zu einem neuen Sozialismus?
Die Texte entstanden von 1995 bis 2012 und wurden von Jünke durchgesehenen und überarbeitet. Es sind Texte die noch immer aktuell sind und dazu kamen Erstveröffentlichungen zu Victor Serge, E.P. Thompson und den „1998er Häutungen“ von Oskar Negt und Bernd Rabehl.
Jünke erinnert sehr oft an Menschen und Strömungen, die in oft als „groß“ verkündeten Zeiten Antwort suchten auf verschwiegene Niederlagen, Blockaden und die Sackgassen in die sich die Organisationen des Proletariats gebracht hatten. Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er keine „Schönschreibe“ betreibt. Mag sein, dass da die Niederlagen beschrieben werden, aber Wege in eine andere Zukunft der politischen Arbeit gegen die jetzige nichtunsere Gesellschaft werden vom Autor nicht verbarrikadiert.
Ein Beispiel? Über die 1939-Jahre schreibt Jünke:“ : „Sowohl die Politik der internationalen Sozialdemokratie als auch die des internationalen Kommunismus waren letztlich nicht in der Lage, die welthistorische Krise der bürgerlichen Demokratie und den Aufstieg der faschistischen Barbarei für einen entscheidenden Durchbruch zum Sozialismus zu nutzen“ und seine Antwort ist nicht resignierend, wenn er auf Seite 316 meint „„Der Sozialismus wird demokratisch sein oder er wird gar nicht sein“. Sicher ist dies kein kompletter „roter“ Faden durch das rote 20. Jahrhundert. Jünke sollte diesen Band in einer weiteren Auflage und die ist diesem wichtigen Buch sehr zu wünschen, weitere Besuchsorte suchen und finden. Ob dies nun die Geschichte des Sozialistischen Büros ist oder weitere Streifszugspunkte zur Geschichte der anarchistischen Bewegung. Es würde sich für Jünke und LeserinLeser lohnen, noch mehr erinnert zu werden um vielleicht einem roten 21. Jahrhundert, das wir uns wünschen, gangbare Wege zu ermöglichen.
Dieter Braeg


Christoph Jünke:„Streifzüge durch das rote 20. Jahrhundert“.Laika-Verlag Hamburg.320 Seiten; Preis: € 21,00; ISBN: 978-3-944233-00-0 (Reihe: Laika-Theorie Band 36)