Dem Kapital die Leviten singen



Mit mehr oder weniger Musikalität und Kulturverständnis krächzt die noch vorhandene Linke samt antikapitalistischem Aufputz, meist am Ende eines Parteitages oder beim 1. Mai –Kundgebungsschluss, eine klägliche Internationale  oder ein „Brüder zur Sonne zur Freiheit“.
Damit hat man der Kultur, dem Klassenkampf oder was so ähnlich aussieht, jenen kläglichen Dienst erwiesen, die sie und er wirklich nicht verdient. 

Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text „Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher“  unter anderem fest: “Er agierte auch als Liedermacher für/gegen Kreuzzüge.“ Also, der „Vater“ der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder geträllert, er hat auch zur Politik die Stimmbänder strapaziert.

Heute ist Bernd Köhler, der seit 1971  dieser verkommen Gesellschaft samt Ordnung, die Lieder und Texte singt, die sie nicht hören will, weil die die ihre Arbeitskraft verkaufen und verkauften, eine Geschichte haben, mehr als nur ein Liedermacher.  Viele Niederlagen, aber auch Erfolge über die singt Bernd Köhler nicht nur Erinnerung und Hoffnung herbei.

HalbBLINDfernsehen

Man sitzt, so verkündet vom Zwangsgebührenfernsehen, bei ARDZDF in der ersten Reihe.
Muss man auch, denn beim ZDF ist ein Auge verloren gegangen – das linke! Wie blöd ist eigentlich ZuseherinZUseher, sich einreden zu lassen, dass eindimensionales FernsehZUgucken „besser“ sei?  Diese Originalität aus Mangel, die außerstande ist, sich zur Banalität zu steigern und Programm macht, das gut gemein und nie gut gemacht ist, hatte einen seiner Höhepukte mit dem Trivialdreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“.
Ey, das war wie im Märchen. Es waren einmal fünf FreundinnenFreunde, die glaubten im Jahre 1941, dass ihnen die Zukunft gehören würde. Das war im zweiten Kriegsjahr, da hatten die Deutschen sechs Jahre Nürnberger Rassengesetze und acht Jahre Diktatur mit  der nachträglichen AUSrede „wir haben vonNIXgewußt“ hinter sich gebracht.
Der einäugige Zuschauer sieht keinen Zweifel oder Verzweiflung, hört was vom „Dienst am deutschen Mann“ und dazu fährt ein Jude nachts mit dem Fahrrad durch Berlin und grüßt seine vier Freunde mit „Shalom“-  Das ist diese Toleranz einer Privatsphäre  in deutschen Vierwänden, die mit einem Auge und halbem Hirn Drehbücher schreibt.

1JURA SOYFER (8. 12. 1912, Charkow, Ukraine - 16. 2. 1939, KZ Buchenwald), Schriftsteller, Dramatiker, Kabarettautor. - Sein Vater war Industrieller, seine Mutter führte ein dem gehobenen Bürgertum entsprechendes Haus. Jura und seine ältere Schwester Tamara hatten englische und französische Gouvernanten. Die Familie floh 1921 während der Wirren der Revolution in die in der Nähe von Wien gelegene Kurstadt Baden um bald danach nach Wien zu übersiedeln. Im III. Wiener Gemeindebezirk besucht Jura Soyfer das Realgymnasium in der Hagenmüllergasse  wo er Jahre später auch erfolgreich maturiert (Abitur). In seiner Familie  wurde Russisch, Französisch und Deutsch gesprochen . 1927, nach dem Justizpalastbrand in Wien, trat er den Sozialistischen Mittelschülern bei, 1929 begann er für das "Politische Kabarett" der Sozialistischen Veranstaltungsgruppe zu schreiben, ab 1930 publizierte er regelmäßig in der "Arbeiter-Zeitung", unter anderem die ständige satirische Rubrik "Zwischenrufe links". Es waren Texte und Gedichte die noch heute Gültigkeit haben und jene, die auch heute noch dieses „wir haben von nichts gewusst“ stammeln, Lügen straft:

1Anfang November bevor der Lebkuchen- und Christkindelmarktterror in Nürnberg losgeht, gibt es in der Königsstraße, einige Schritte entfernt vom Hauptbahnhof,  die linke Buchmesse. Auch in diesem Jahr konnte man sich über großes Publikumsinteresse  freuen und die meisten linken Verlage konnten mit dem Ergebnis der Messe, die von Freitagabend bis Sonntag 16,00 Uhr dauerte, durchaus zufrieden sein.

1Vom 2 bis 4. November gibt es im Künstlerhaus im Kunstquartier(K$) in Nürnberg in der Königsstraße, schon zum 17. mal, die Linke Literatur Messe.

Diese Linke Literatur Messe ist in diesen Zeiten, in diesem nichtsunserem Land, wichtiger denn je. Geboten werden Buchvorstellungen; Lesungen; Diskussionen und einiges mehr  - alternativ zum Kapitalistischen Mainstream. Wer will, kann da natürlich seinen Bedarf an guten Argumenten gegen die hiesige Gesellschaftsordnung auffrischen und Bücher kaufen. Der Eintritt kostet nix und man darf  Metroproletan, Archiv & Bibliothek und  Literatur- und Kulturverein Libresso E.V. danken, dass er diesen wichtigen Termin organisiert.

1Aus den Braegschen Archiven. Im Jahre 2006 gab es bei den Salzburger Festspielen eine
spannende Begegnung zwischen Hans Meyer und Martin Kušej, das in meiner kleinen Internetzeitung wieder zu lesen sein muss!

Hans Meyer

Nun gab es zum Abschied keinen Teppich für Hans Meyer. BILD kann jubeln, denn  als Hans Meyer verkündete „Wenn ich spüre, dass kein Vertrauen mehr da ist, werden wir die Reißleine ziehen. Momentan sehe ich das nicht.“  war er schon seinen Job los. Schäbig war, wie immer, der Feudalpräsident des 1. FC Nürnberg der zuließ, dass Meyers Intimfeinde von BILD öffentlich machten, was durch ihre Schreiberei gefördert wurde. Eine Entlassung. Ein Teppichmogul der Adolf heißt und seine Entscheidungen per BILD öffentlich werden lässt, das stört heute wenige. Hans Meyer ist eine saftige Abfindung zu wünschen und weitere glückliche Jahre.
Im Jahre 2006 gab es während der Salzburger Festspiele, gestaltet vom damaligen für das Schauspiel zuständigen Direktor Martin Kušej, die „Magazine des Glücks“. Im Rahmen dieser Veranstaltungen gab es am 3.6. 2006 ein Gespräch zwischen Hans Meyer der damals mit seinen Spielern vom „Glubb“ in Kaprun/Österreich  ein Trainingslager absolvierte, ein längeres Gespräch. Hier Auszüge aus diesem Gespräch, das deutlich werden lässt, das Hans Meyer, der gekonnt und zugespitzt in der Lage war, das schäbig korrupte Geschäft des Springer, Kirch und Bertelsmann – Boulevard zu persiflieren,  dem Fußball nicht verloren gehen sollte. Hier Auszüge aus diesem Gespräch:

1Die Zahlen die ein Menschenleben begleiten, vor allem dann, wenn es vorbei ist, die sind so nichtssagend und doch, auf sie trifft  meistens  zu aller erst:

1928 Am 8. Oktober kommt Helmut Qualtinger in Wien zur Welt
1986 Helmut Qualtinger stirbt am 29. September in Wien

So wenige Daten hat sich Helmut Qualtinger nicht verdient.
Natürlich gab es eine „schöne Leich“ und der Schriftsteller Peter Turrini hielt, wie viele andere, eine Grabrede, da meinte er, Qualtinger habe ein Lebensthema gehabt :“die ganze politische Schweinerei, die unter uns lebt und vielleicht auch in uns lebt“.

Am Montag den 22.3.2010 veranstaltet der Deutscher Kulturrat + RUHR.2010 unter dem Titel


„ Kulturfinanzierung  welche Perspektiven bestehen? „


1eine Podiumsdiskussion, bei der wir als Linke, vor allem aus NRW  Präsenz zeigen müssen.
Der deutsche Kulturrat schreibt in der Einladung:
„Die Krise der Kulturfinanzierung ist in aller Munde. Fast täglich berichten die Medien über die enormen Schwierigkeiten der Kommunen, die kulturelle Infrastruktur in ihren Städten und Gemeinden zu sichern. RUHR.2010 ist mit dem Anspruch aufgetreten auch über das Kulturhauptstadtjahr 2010 hinaus, kulturpolitische Perspektiven aufzuzeigen. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, sieht seine Verantwortung in der Sicherung und Weiterentwicklung der kulturellen Infrastruktur. Der Deutsche Kulturrat und RUHR.2010 veranstalten daher
am Montag, den 22.03.2010, um 19.30 Uhr im RWE Pavillon der Philharmonie Essen (Huyssenallee 53, 45128 Essen) eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Kulturfinanzierung   - welche Perspektiven bestehen?“

1Ein Film des Regisseurs Ulrich Aschenbrenner erinnert an einen armenisch-aserbaidschanischen Dorftausch im Karabach-Konflikt

Die Zeichen standen auf Krieg und Vertreibung, als sich 1988 und 1989 Armenier und Aserbaidschaner in pogromartigen Kämpfen zu Dutzenden töteten. Die Opfer waren in der Regel Angehörige der Minderheiten: Aserbaidschaner in Armenien und Armenier in Aserbaidschan. In der Folge flohen hunderttausende von Armeniern aus Aserbaidschan und Aserbaidschanern aus Armenien, wo sie Generationen zuvor gelebt hatten. Der Hass im ersten Krieg am Ende der Sowjetunion schien beide Völker vollständig erfasst zu haben.

1Jedem Zeitgeist sein Ungeist. Am 10. Mai 1933, vor 77 Jahren, verbrannte man an vielen Orten in Deutschland Bücher. „Wider den deutschen Ungeist“ war die Parole.

Bertold Brecht
Die Bücherverbrennung
(1938)

Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich!
Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht
Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch:
Verbrennt mich!

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