1Jedem Zeitgeist sein Ungeist. Am 10. Mai 1933, vor 77 Jahren, verbrannte man an vielen Orten in Deutschland Bücher. „Wider den deutschen Ungeist“ war die Parole.

Bertold Brecht
Die Bücherverbrennung
(1938)

Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich!
Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht
Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch:
Verbrennt mich!

1Allerorten hat in Österreich die Festspielzeit begonnen, es jedermandeld bald auf dem Salzburger Domplatz, in Mörbisch beißen die Mücken kräftig zu beim „Zarewitsch“ und  auch sonst zeigt sich, wie immer, ein Sommertheater, dass Karl Kraus in einem Vortrag am 22.9.1922 (später erschienen in „DIE FACKEL Nr. 601-607 Seite 1-7) wie folgt geißelt:

„Statt der eigenen Stimme, die die Wirklichkeit im ersten Schrecken des Wiederantritts mir verschlägt und die ihr entgegenzustellen mir immer aussichtsloser scheint und immer unerträglicher wird, hole ich mit beherzter Absicht ein Stück alter Theaterwelt hervor und attestiere mir, weil es bloß die Übertölpelung der Köpfe durch die Perücken darstellt, meine Zurückgebliebenheit hinter allem Betrug des neuen Welttheaters. Ich bescheide mich, meine schon unüberbietbare Mißachtung für alles Kunstgetue, das einer um ihr nacktes Leben ringenden Menschheit sich als Ausdruck eines Zeitbedürfnisses aufdrängt, lieber in der Wahl abgelebter und nie voll erlebter Werte als durch meine eigene Sprache zu bekunden. Denn sie,selbst sie vermöchte im Augenblick nicht den Abscheu zu meistern, den mir das entfernteste Miterlebnis dieses Kultursommers vermittelt hat, dessen furchtbaren Abschluß wohl die Tatsache bedeutet, daß die Zeitungen wieder erscheinen.“

1Es wird gefeiert: 90 Jahre Salzburger Festspiele und die Salzburger Nachrichten stellen auf der heutigen Titelseite fest:
„Der Euro rollt: Festspiele bringen Österreich Milliardengeschäfte“
Da passt auch das Motto der Salzburger Festspiele:
„Wo Gott und Mensch zusammenstoßen, entsteht Tragödie“
Ersetzt man „Gott“ durch „Kapital“ das ja derzeit die ganze Welt regiert, dann ist alles so wie es schon immer war und der Verfassungsschutz wird schon dafür sorgen, dass es nur eine Tragödie gibt, die jene trifft die sich keine Eintrittskarte für fast 400.--€ für eine Opernvorstellung in Salzburg leisten können, hat niemand zu befürchten, denn es herrscht Ruhe im Land. Zu dieser Kultur braucht es nur die Worte des großen Karl Kraus:

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