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Oder: Niederrhein + Niedergang  =  Mönchengladbach

von Dieter Braeg


Nachdem man irgendwann, vor vielen Jahren, ein grünes Logo entwickelte und dazu der Stadt den Zusatz „autofreundlich“ verpasst hatte, war schon einiges geleistet. Als es dann zur Stilllegung eines Theaters kam, das vorher noch als „Musicalbühne“ das für die StadtpolitikerInnen wirklich bezeichnende Musical „Gambler“ aufführte und zum Misserfolg und Millionenvergeudung von Steuergeldern beitrug, war der zweite Schritt getan. Ja da passt  sie, die „Ebenenszene“ (Herrn Grillparzers „Alpenszene“ nachempfunden):

Tief in den niedrigsten Tiefen
Gedeiht am besten das Rindvieh
Da wohnen die seligen Deppen
Dem Himmel etwa am entferntesten;
Doch freilich ganz nah den Tiefen der Erde!

Sie falten die Hände voll Andacht,
Bekreuzen hohltönende Stirnen,
Was unten geschieht in den Gladbachniederungen
Stört nicht ihre selige Ruhe

So leben sie friedliche Tage,
Erzeugen maulaffenden Nachwuchs,
Der Vater erneuert sich im Sohne
Und ruhig auf Depp den Ersten
Wie Butter folgt Depp der Zweite


Dieser Dichter, der, längst vergessen, anscheinend das Volk von Mönchengladbach gut kannte, hilft weiter, wenn man folgendes liest, was wahrscheinlich dem durch „chinareisende OB - Abwesenheit“ unkontrollierten Presseamt aus der Feder floss und nun dafür sorgt, dass in dieser Stadt neben der „Autofreundlichkeit“ auch die „Einkaufscenteritis“ den Niedergang beschleunigt.

 

"Das geplante ECE-Einkaufscenter "Forum Mönchengladbach" wird seinen Standort am ehemaligen Schauspielhaus, das abgerissen werden soll, erhalten. Dafür sprach sich heute der Rat der Stadt in der Diskussion um die Realisierung und Machbarkeit des Handels- und Dienstleistungszentrums mit breiter Mehrheit aus. Damit sind die Weichen für das 110 Millionen teure durchgehend dreigeschossige Gebäude, mit dessen Bau 2008 begonnen werden soll und das in 2010 seine Tore öffnet, gestellt. Die Hamburger Investorengruppe ECE, die auch die Shopping-Mall selbst betreiben wird, hat bisher 89 solcher Einzelhandelszentren in Deutschland realisiert. Weitere, unter anderem in Leverkusen, sind in Planung.

Bis zu 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet das Einkaufszentrum mitten in der Mönchengladbacher Innenstadt zwischen Hindenburgstraße und dem benachbarten Gründerzeitviertel im Bereich Yorckstraße, Kleiststraße und Croonsallee. Um eine von ECE geforderte durchgehende Dreigeschossigkeit des Gebäudes zu erreichen, muss die vierspurige Steinmetzstraße in einem Teilbereich bis zu elf Meter tief getunnelt werden. Außerdem erhält die Steinmetzstraße in Höhe der Wallstraße, einen Kreisel. Das Finanzamt in der Kleiststraße wird abgerissen und verlagert seinen Standort in der Zusammenlegung mit dem Finanzamt Rheydt in den Nordpark.

Mit dem Ziel, das "Forum Mönchengladbach" zentrenverträglich zu integrieren, hat die Stadt gleich vier unabhängige Gutachterbüros eingeschaltet, die nicht nur die Auswirkungen auf den Einzelhandel in Mönchengladbach und der Region, sondern auch Fragen zur Verkehrsplanung, zur städtebaulichen und denkmalpflegerischen Situation analysierten. Die Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) und das Kaarster Ingenieurbüro Stolz kommen zu dem Ergebnis, dass der Standort an der Hindenburgstraße am besten geeignet ist für das neue Einkaufszentrum.

"Die Stadt hat mit dem Rat in der Vergangenheit ein mustergültiges Einzelhandelskonzept erarbeitet, von dem mit der Umsetzung des ECE-Centers in keinerlei Weise abgewichen wird. Die Größenordnung des neuen Zentrums ist erforderlich, um für Mönchengladbach eine Attraktivitätssteigerung zu erzielen und seine Position als Oberzentrum in der Region zu stärken", betonte Technischer Beigeordneter Helmut Hormes.

Auf knapp der Hälfte der gesamten Verkaufsfläche sollen Bekleidung, Schuhe und Lederwaren verkauft werden. 4000 Quadratmeter sind für Elektronikhändler vorgesehen, weitere 3500 Quadratmeter für den Verkauf von Nahrungs- und Genussmitteln. Auch Möbel, Sportartikel und Bücher sollen angeboten werden. Das Konzept sieht eine rund hundert Meter lange Ladenstraße mit Ankermietern vor, die für eine hochwertige Verweilqualität sorgen sollen. Betreiber ECE geht von einem Jahresumsatz in Höhe von rund 119 Millionen Euro aus, wobei laut GMA-Gutachten weniger als die Hälfte (57,1 Millionen Euro) von Kunden direkt aus Mönchengladbach umgesetzt wird. Etwa 62 Millionen Euro Umsatz erwartet der Gutachter durch Käuferströme aus dem Umland, einschließlich der Streuumsätze aus dem niederländischen Grenzgebiet. Laut Gutachten werden Umsatzgewinne von 50 Prozent durch Käuferströme von außen erwartet. ECE rechnet mit rund 20.000 Kunden am Tag, die auch für eine Belebung der gesamten Hindenburgstraße und Seitenstraßen sorgen sollen. Etwa 600 bis 800 Arbeitsplätze sollen im neuen ECE-Center geschaffen werden.

Architektonisch sind Glasdächer, Natursteinböden und zwei großzügigen Rotunden, in denen zukünftig auch Veranstaltungen und Events wie Jazz, Ausstellungen unter Einbindung von Vereinen und Künstlern, so die ECE-Aussage, stattfinden sollen, vorgesehen. Die beiden obersten Dachgeschosse dienen als Parkzonen. Die Zu- und Abfahrt für das Parkhaus erfolgt über die Steinmetzstraße über separate Trassenführungen. Der Haupteingang zum "Forum Mönchengladbach" erfolgt von der Hindenburgstraße aus, wobei weitere Öffnungen in alle Richtungen vorgesehen sind. Vorgelagert erhält das Einkaufszentrum zwischen Sonnenhaus und Jonas-Park einen völlig neuen Platz, der städtebaulich das lebendige Herz Mönchengladbachs bilden wird. Dafür wird die Viersener Straße ab Stepgesstraße entfernt. Die Bebauung des neuen Centers grenzt unmittelbar an das C&A-Gebäude in der Hindenburgstraße an. Damit erfährt der innerstädtische Kernbereich zu Gunsten des neuen Stadt-Platzes eine Verkehrsberuhigung. Die architektonische Gestaltung des neuen Zentrums erfolgt über einen Architektenwettbewerb.

Die Verwaltung geht von Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 14,5 Millionen Euro für den Tunnel, Straßenbau, neuen Ver- und Entsorgungsleitungen und den Neubau des Platzes aus. Dem stehen Einnahmen in Höhe von rund 3,85 Millionen Euro durch den Verkauf des Grundstücks gegenüber. In die Bilanz einbezogen sind außerdem 2,5 Millionen Euro für das Grundstück des ehemaligen Zentralbades, das verkauft werden kann.

Zukünftig wird der Hauptverkehr über den Ring Hermann-Piecq-Anlage, Bismarckstraße, Flieth- und Hittastraße um die Mönchengladbacher Innenstadt gelenkt. Wesentliche innerstädtische Funktion wird die vierspurige Steinmetzstraße mit dem neuen Tunnel und einem Kreisel im Bereich der Wallstraße haben, die die Verkehrsströme in Richtung Eicken und Breitenbachstraße zur Korschenbroicher Straße lenkt.

Mit dem jetzt gefassten Ratsentscheid kann das ECE-Projekt in die konkrete Planung gehen. Der Abriss der Häuser im Bereich des Gründerzeitviertels ist für 2008 vorgesehen.“

Was es in Deutschland schon 89 mal gibt, ein ECE Einkaufszentrum, das muss Mönchengladbach auch haben. Natürlich, wie immer, wenn konsequente Oppositionspolitik gefragt wäre, von der Sozialdemokratie mit beschlossen, die, nachdem es mit der Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien schon nichts wurde in Mönchengladbach mit ihrer ECEpluspolitik zumindest den Einzelhandel gemeinsam mit der CDU vernichten will.

Die Stadtrealität aber, die sieht ganz anders aus:

  
 
 
 
 
 
 

Wenn man dann, wieder in einer  der Presseamtslobenshymnen liest:

"Rheydt bietet mehr"
Service-Offensive-Rheydt geht an den Start

pmg. "Rheydt bietet mehr!" - mit diesem Slogan startet jetzt die Service-Offensive-Rheydt, die auf Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW ins Leben gerufen wurde, um die Serviceorientierung im Einzelhandel zu fördern. Mit Unterstützung mehrerer Sponsoren und Partner aus dem Rheydter Einzelhandel soll nun die Attraktivität der Rheydter Innenstadt spürbar verbessert werden. Grundgedanke der Initiative ist eine starke Serviceorientierung von Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsbereich. WFMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus dazu: "Durch Service-Orientierung wollen wir uns von anderen Standorten differenzieren und dem Kunden einen speziellen Nutzen bei seinem Einkaufserlebnis bieten".

Fragt man sich ernsthaft wann zum letzten Mal einer der Presseamtsdesinformationsproduzenten die Rheydter Innenstadt besucht hat. Denn dort findet man bald so viele vermietbare Gewerbeflächen, dass man damit zwei ECE’s sparen könnte.
Das man ein VITUSBAD baut, bei dem es keine Sauna, keinen vernünftigen Gesundheitsbereich (im Neudeutsch Wellness genannt) gibt, obwohl dieser im abgebrannten Zentralbad betrieben wurde,  ist nur eine jener Untaten die Bürgerin und Bürger in Mönchengladbach genießen dürfen, dank einer LangzeitCDUkommunalpolitik, die dieser Stadt  eine Milliarde Euro Schulden bescherte. Das es beim Vitusbad, wo auch der MediaMarkt zur Zeit mit Schweinen wirbt, keinen Zebrastreifen gibt, damit Mensch die Breitenbachstraße entspannt und geschützt überqueren kann,  um in das schöne neue ekelbunte Bad zu kommen, gehört zu jener „Bürgernähe“ die immer nur  dann ausgegraben wird, wenn Wahlen anstehen.

Weil ja bald das Mozartjahr endet, sei hier geschildert wie Mozart samt seinem Werk diese herrliche Stadt empfunden hätte:"Ach, ich fühl's, es ist verschwunden ewig hin der Liebe Glück..." - Mozart kannte die Verzweiflung, die Kälte, die Leere. Pamina singt vom Ende der Liebe als dem Ende des Lebenssinns. In der Regel verbirgt Mozart das Dunkel das die CDU, wenn es sein muss mit der SPD gemeinsam,  über Mönchengladbach brachte und bringt,  hinter den Masken der Zeit und deren Temperament.  Das man  noch immer stolz in der Stadt eine Ostmarkstraße betreibt,  in der Hoffnung mal irgendwann wieder in Österreich einmarschieren zu können zeigt nur, wie weit man sich schon jener Hoffnungslosigkeit genähert hat, die normalerweise der Wiener Raunzer so ausdrückt: „Do kaunst nix mochn!“ – Mönchengladbach ist zum Schützenfestvogel geworden auf den jeder schießen kann und wenn dann eine einigermaßen verantwortungsbewusste kleinere politische Partei die Bürgerinnen und Bürger aufruft, doch endlich dieser weiteren Zerstörung aller Vor-Ort-Infrastrukturen, die vor allem wichtig für eine weitere alternde Bevölkerung wäre, dann hebt die Rheinische Post (in der nie ein kluger Kopf schrieb noch dahinter steckte)  mahnend den Finger und meint, eine Partei habe sich nicht an Bürgerbegehren zu beteiligen.  Die Parole müsste eigentlich für alle kleinen und mittleren Betriebe dieser Stadt, samt der dort Beschäftigten lauten:

„ECE – nein Danke!“

Alle die noch in der Nähe ihres Wohnortes funktionierende Angebote des Bäckers und Fleischers haben wollen, müssten sich anschließen:

„ECE – nein Danke!“

Aber die Rheinische Post hat andere Sorgen. Da wird gejubelt, obwohl es nur zu einer „Diktatur der Shopping-Malls“ kommt. Das man dem vielen Geld das schon mit dem „Gamblerwahn“ verschwendet wurde, weitere 14,6 Millionen Euro hinterherwirft um jene öffentliche Infrastruktur herzustellen, die das ECE verlangt, ist einer Stadt die die kulturelle Grundversorgung längst durch „Aliberti Krächzen“ ersetzte, würdig. Es kommt die kulturelle Nichtversorgung mit einer gleichzeitigen  Shoppingcenterüberversorgung. Gleichzeitig freut sich Bürgerin und Bürger, denen man ja schon immer „Nähe“ androhte, dass das Finanzamt Rheydt Mitte umzieht, in den Nordpark, damit die erfolglosen Borussia - Fußballtreter rascher ihre Steuerentlastungsanträge stellen können. Ach ja dazu wird dann auch noch „getunnelt“ während wahrscheinlich auf der Hindenburgstraße „10 Jahre Hindenburgstraßenbaustelle“ gefeiert wird.
Hier muss ein Bürgerbegehren her und die, die Betroffene sind, sollten schriftlich innerhalb der Fristen Einwände im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens anmelden. Müssen eigentlich die Viersener als erstes protestieren und sich gegen den ECE-Größenwahn in Mönchengladbach wenden, bevor die hiesige Geschäfts- und BürgerInnenwelt aufwacht?
 
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