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ECE? NEE! | Drucken |

Im gut besuchten Saal des DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) hatten Bündnis90/Die Grünen am 15. März 2007 zum Thema „Das ECE Center – Fluch oder Segen für Mönchengladbach“ eingeladen.

 

Dr. Winfried Tackenberg, Karl Sasserath und Wilhelm Achelpöh

Schon der Standort des ECE beim ehemaligen  Schauspielhaus, das vor fast 10 Jahren, seither nur selten genutzt, von Dr. Hütter gekillt worden war, bedeutet für die Menschen und Gewerbetreibenden nichts Gutes. Das bestätigte auch der Hauptreferent des Abends Dr. Winfried Tackenberg, der in Viersen mit zum Erfolg des dortigen  Konzepts einer Revitalisierung der nördlichen Innenstadt beigetragen hat. Nicht nur die viel zu langen „Verkaufswege“ in Mönchengladbach (fast 960 Meter) und Rheydt (1130 Meter)  seien höchstens für Wanderfreundinnen und Freunde eine Herausforderung. Der Normalkunde will es kurz und konzentriert. Das das RiesenECE in Mönchengladbach mit fast 40 000 Quadratmeter Fläche – davon angeblich 10 000 m² für Gastronomie, würde insgesamt 135 Fachgeschäften neue Verkaufsflächen bieten, die von diesen auch sicherlich genutzt werden würden. Im Jahre 2012 dürfte damit auf der Hindenburgstraße nur noch knapp die Hälfte der vorhandenen Verkaufsfläche genutzt werden. Ein Leerstand, den eine kommunale Politik zu verantworten hat und der dann große „Aufräumkosten“ verursachen wird. 

Beispiel Rheydt
 
Beispiel Rheydt

Sollen die, wie beim Lärmschutz, vom Bürger gezahlt werden?

Die ECE Verkaufsfabrik dürfte aber gleichzeitig auch für die Zerstörung der Rheydter Innenstadt verantwortlich sein, in der schon heute desaströse Verhältnisse herrschen. Mit vielen Fotobeweisen konnte Dr. Winfried Tackenberg belegen, dass schon heute das Rheydter Zentrum verschmutzt und die Immobilien in einem skandalösen Zustand sind. „Da darf man sich nicht wundern“ meinte der anerkannte Fachmann und Kenner der Center Welt „wenn die Kunden davonlaufen“. Das Rheydt auch durch die skandalöse Nahverkehrspolitik um einen S-Bahnhof-Haltepunkt gebracht wurde, hat sicherlich auch mit Rückgang der Kundenfrequenzen zu tun. Einzig der ehemalige Rheydter Kaufhof, so Dr. Tackenberg sei vorbildlich  aufgestellt, was aber sonst die Immobilienbesitzer der Rheydter Innenstadt ihren Mietern zumuten würden, sei erschreckend.

Beispiel Rheydt

Das das ECE sich nicht mehr an das Drei-Säulen-Modell (Geschäft, Kultur, Gastronomie) halten muss, liegt an einer Kommunalpolitik, die sich immer dann zu einer großen Koalition zusammenfindet, wenn man Bürgerin und Bürger besonders feinen Verschleierungssand in die Augen streut. Es ist schon merkwürdig, dass der Oberbürgermeister erklärt, man brauche im Umgang mit dem Investor ECE  Vertrauen und Verlässlichkeit. Gegenüber den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, da kann man darauf verzichten, wenn es vordergründig um ein „Einkaufserlebnis“ geht, bei dem die Zentren der Stadt restlos zerstört werden. Der „Schandfleck Schauspielhaus“ ist ein hausgemachter, der im vorletzten Kapitel „Gambler“ hieß und Millionen Steuergelder vergeudete. Verwunderlich ist, wie wenig Protest vom Einzelhandel der Gesamtstadt kommt. Da bauen die ROTschwarzregierenden  der Stadt am Einzelhandelsuntergangsgalgen und  können  nicht, gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden, den Protest und Widerstand entwickeln der dieses Projekt verhindert.Das die führende lokale Tageszeitung da nicht an der Spitze des Protestes steht, gibt zu denken, falls das in dieser Stadt noch praktiziert wird. Wer erlebt wie die Hindenburgstraße seit Jahren als Baustelle präsentiert wird, müsste doch merken, dass hier die Unfähigkeit gepaart mit Ignoranz regiert. Diese „Oberzentrumsideologie“ wird die Bewohner dieser Stadt viel Geld kosten. Allein 14,5 Millionen € für eine auf den ECE-Einkaufswahnsinn zugeschnittenes zugeschnittene Infrastruktur. Herr CDU-  Besten verkauft das als „Stadtreparatur“ – wieso lässt man immer wieder die Verursacher von Zerstörung auch noch den Mist reparieren den sie verursachten? Wer erinnert sich nicht an das Projekt „Neue Viersenerstraße“ vor 30 Jahren. Das war auch mal „Oberzentrumsideologie“, damit man mit dem Auto ganz nah an die Läden auf der Hindenburgstraße herankommt. Das funktioniert nicht mehr, also folgt weitere Zerstörungspolitik.

Wilhelm Achelpöhler, Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus Münster konnte in seinem kurzen und pointierten Vortrag die rechtlichen Möglichkeiten aufzeichnen wie man erfolgreich gegen den ECE Wahnsinn vorgehen kann. In Münster wurde nämlich nichts aus dem auch dort geplanten „ECE-Einkaufbeglückungswahnsinn“, das sollte auch in Mönchengladbach möglich sein, wenn der Einzelhandel und seine Kundinnen und Kunden sich zur Wehr setzen. Stadtentwicklung soll den hier lebenden Menschen dienen. Das bedeutet Arbeit, Wohnen, Erholung und Einkauf müssen einen Einklang ergeben. Die jetzt eingeschlagene Entwicklung entspricht dem nicht. Kaufen im Zentrum, Schlafen am Rand. Langweilen in der Altstadt, Borussias Niedergang im Nordpark beweinen, getoppt durch die Finanzamtsverlegung. Das ist es nicht. Identifikation mit Mönchengladbach entsteht nicht durch ECEbeglückung. Die entsteht, wenn Menschen einen vernünftigen Lebensraum vorfinden und als Dialogpartner für Politik und Verwaltung akzeptiert werden. Das fehlt in dieser Stadt.

Teilnehmer

Das dann noch beim Veilchendienstagszug ECE Werbung auf Kosten von Rheydt stattfindet zeigt deutlich, dass man in mehr als dreißig Jahren seit der „Eingemeindung“ nicht in der Lage war integrative Kommunalpolitik zu machen. Das dann die Rheinische Post frohlockend vermeldet „Es tut sich was in Rheydt“, weil man ein wenig „Verkehrskosmetik“ plant, ist ein weiterer Beweis wie sehr diese Zeitung sich zum Zentralorgan für das ECE Projekt entwickelt. Wenn Jürgen Beckmann (Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Planung) meint: „Wir müssen die bestehenden Zentren stärken und ihre schädliche Konkurrenz in den Griff bekommen“ hat er recht, aber ist dann nicht das GrößenwahnECE der ärgste Feind des gesamten Einzelhandels in Mönchengladbach?

Ein ECE sorgt nicht für ein menschliches Einkaufserlebnis. Ein ECE zerstört die letzten Nahversorgungsmöglichkeiten die, da ältere Menschen die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, mehr als notwendig wären. Nicht einmal eine große Anzahl neuer Arbeitsplätze wird entstehen, denn wenn man aus der Hindenburgstraße in das ECE zieht ergibt das keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz. Für eine Stadt in der heute schon mehr als 15% an oder unter der Armutsgrenze liegen ist es eine Schande, dass man Millionen in „fördernde Maßnahmen“ investiert  und akzeptiert, dass sich immer mehr Menschen mit dieser Stadt nicht mehr identifizieren und ihre „Einkaufserlebnisse“ in andere Regionen verlegen, da wird ein ECE nicht helfen. 
Deswegen:

          ECE? NEE!


Und dazu die Information sich doch bei www.ECEneinDanke.de zu informieren und diese Bürgerinitiative zur Rettung unserer Zentren zu unterstützen!

 
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