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Die Geschichte der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat schon immer Stoff für große
Erzählungen geliefert.
Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in
der SPD, Ottmar Schreiner, Mitglied des Parteivorstandes und der
SPD-Bundestagsfraktion, veröffentlichte am Montag den 10. Septembern der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Artikel der dier Überschrift »Gegen die
Entsozialdemokratisierung der SPD« hat. Die Leserinnen und Leser der FAZ,
scheinen die zu sein, die der „Arbeitnehmerfragenfuktionär“
Schreiner ansprechen will. Hier seine Wortausscheidungen:
“Die Geschichte der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat schon immer Stoff für große
Erzählungen geliefert. Glanz und Gloria der Vergangenheit können dem eigenen
Politikentwurf höchste Weihen verleihen. Diesen Gedanken hatten auch Peer
Steinbrück, Walter Steinmeier und Matthias Platzeck. Die Nachlaßverwalter
Gerhard Schröders stellen ihre Politik in die Tradition Eduard Bernsteins, der
für eine Reformpolitik im Sinne der sozialen und politischen Emanzipation der
arbeitenden Bevölkerung stritt.
Diese historische Analogie ist ein Treppenwitz der Geschichte. Denn die
Parteispitze hat in den Schröder-Jahren mit dem ursozialdemokratischen
Reformismus gebrochen und sich mit Agenda 2010 und Hartz IV von einer
fortschrittlichen, emanzipatorischen Reformpolitik endgültig verabschiedet.
Eine kleine Clique an der Spitze der Partei wollte die reformistische Tradition
der SPD als linker Volkspartei entsorgen. Es ist daher an der Zeit, diesem
Irrweg entschieden entgegenzutreten. Die Entsozialdemokratisierung und
Entwurzelung der SPD muß programmatisch und personell gestoppt werden.
Die SPD zahlte einen hohen Preis für diese Entsozialdemokratisierung: Sie flog
aus vielen Landesregierungen und verlor schließlich die Bundestagswahl 2005.
Die Agendapolitik hat zu dem Verlust von mehr als 200000 Mitgliedern geführt
und leistete Geburtshilfe für Die Linke. Die SPD verliert nicht nur bei den
Wählern an Zuspruch. Mehr als zwei Drittel der verbliebenen Parteimitglieder
lehnen wichtige Vorhaben der großen Koalition wie die Rente mit 67, die
Gesundheitsreform, die Reform der Unternehmenssteuer, die Privatisierung der
Bahn und den Einsatz in Afghanistan ab. Die Politik der sozialen Demontage
führt zur politischen Demontage der ältesten Partei Deutschlands.
Der Tiefflug der SPD wird auch mittels Durchhalteparolen, Legendenbildung und
Parteidisziplin nicht gestoppt. Der Versuch der SPD-Spitze, die verlorene
Stammwählerschaft zu umwerben, ohne auf die Kontinuität der Schröderschen
Politik zu verzichten, scheitert gänzlich. Geradezu abenteuerlich ist der
Versuch, den aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung dem Zaubertrank Agenda 2010
zuzuschreiben. Im Vergleich zum letzten Aufschwung (1998–2000) entstehen
weder mehr Arbeitsplätze, noch wächst die Wirtschaft stärker. Die geringe
Popularität der Regierungspartei SPD in den Zeiten von Wachstum, sinkender
Arbeitslosigkeit und vollen Staatskassen hat einen zentralen Grund: ihre katastrophale
sozialpolitische Leistungsbilanz. (...)
Die deutsche Sozialdemokratie befindet sich an einem Scheideweg. Es ist kurz
vor zwölf: Die Basis löst sich vereinzelt auf, die Funktionäre sorgen sich um
ihre Positionen, der Partei droht die Implosion – wenn wir jetzt nicht
umsteuern und zum Kern einer Politik sozialer Demokratie zurückkehren. Wir
Sozialdemokraten in der SPD haben die Pflicht, uns den Totengräbern des
Reformismus in unserer eigenen Partei entgegenzustemmen. Es geht um das Erbe
August Bebels, Kurt Schumachers und Willy Brandts.“
Quelle: ...
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