Im Sprachschatz der Unmenschlichkeit die einem Menschlichkeit vorspiegeln will, gibt es das Wortungetüm „sozialverträglich“.
von Dieter Braeg
Im Sprachschatz der Unmenschlichkeit die einem Menschlichkeit vorspiegeln will, gibt es das Wortungetüm „sozialverträglich“. Was ist das? In der Sonne liegen und den Urlaub genießen? Keine Angst vorm jung- oder altsein haben? Das für die Not Angesparte nicht verlieren? Ein Kopftuch tragen dürfen, auch wenn man nicht Bergbäuerin in den bayerischen Alpen ist?
Das alles ist es nicht! Sozialverträglich ist etwas ganz anderes. Man kann es, kleingedruckt, außer im Wirtschaftsteil der FAZ, da wird es zum Anlagetip, lesen:
“Der weltgrößte Reisekonzern TUI streicht in seinem Heimatmarkt Deutschland jede fünfte Stelle. Bis zu 400 Arbeitsplätze würden bis 2009 abgebaut, sagte TUI Deutschland-Chef Volker Böttcher am Mittwoch. Der Stellenabbau solle weitgehend sozialverträglich erfolgen, etwa mit Abfindungen und freiwilligen Aufhebungsverträgen. Über 10 Mill. Euro (also „großzügige“ 25 000 € pro vernichteter Existenz samt Arbeitsplatz) seien dafür bereitgestellt. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht völlig ausgeschlossen. Insgesamt will TUI in Deutschland bis 2008 rund 50 Millionen Euro an Kosten einsparen.“
Das sozial Verträgliche, das Herr Volker Böttcher da verkündet, endet für die Betroffenen irgendwann in einem Arbeitslager von CSUMüller, das ist wie der Spruch vom Ermordeten der schuld sei und nicht der Mörder. Der Arbeitsplatzvernichter bleibt unbestraft, der unschuldige Arbeitsplatzverlierer wird überwacht und darf keinen Urlaub bei TUI buchen!
Wo ist es noch möglich bei einem Einsatz von 10 Millionen Euro in weniger als zwei Jahren 50 Millionen einzusparen, also den gewinn zu maximieren. Das ist eine Verzinsung die jeden Spekulanten, würde er das versprechen, sofort wegen Betrugs hinter Gitter bringen würde. TUI aber, dieses feine Urlaubsunternehmen, für die wichtigsten Wochen des Jahres, will für die „weitgehende Sozialverträglichkeit“ auch noch einen Orden haben. Getreu dem Motto die anderen sind Deutschland, wir sind sozialverträglich, verdient man an 400 Arbeitsplatzvernichtungen 40 Millionen Euro und schlägt den Touristen vor, die Handtücher nur jede Woche einmal zu tauschen, damit die Umwelt für diejenigen sauber bleibt, die irgendwann glauben, sie könnten auf dieser Welt ganz alleine schalten&walten. Nach dem Kohleabbau kommt der Stellenabbau und für einen Arbeitsplatz samt Mensch gibt es großzügige 25 000 Euro samt einem Lob eines Gewerkschaftsfunktionärs der vorher aus der 35 Stundenwoche eine 40 Stundenwoche werden ließ. Das alles steht nicht kleingedruckt in der Zeitung, sondern gar nicht. Weil der Skandal ist nicht einmal eine Schlagzeile wert, die sonst ein Finanzminister bekommt, wenn er mit seiner Zukünftigen in einer Halbnacktumarmung erwischt wird. Die Öffentlichkeit&dasKapital sind Huren die sich nicht erwischen lassen und selbst mit Arbeitsplatzvernichtung ihren Schandprofit verdienen! |