|
Nein, in diesem Land läuft kein Kabarettprogramm. Hier findet eine Wirklichkeit statt, die immer unerträglicher wird. Der Zustand der schreibenden Klasse, äußert sich in der Kommentarschlagzeile der Rheinischen Post mit „Nokias große Heuchelei“.
Während der Jugendliche gleichzeitig zum Kriminellen schlechthin hochgeschrieben wird und Herr Koch jene Burkas in hessischen Schulen verbietet, die es dort gar nicht gibt, scheint die Zerstörung von 2300 Arbeitsplätzen bei Nokia in Bochum höchstens ein wenig Tinte und Druckerschwärze zu bewegen. Das es in diesem Werk auch 1000 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter gab, mit denen man schon gegenüber den ständig Beschäftigten Lohndrückerei und sozialen Abstieg praktizierte, wäre schon längst eine kritische Auseinandersetzung wert gewesen, die nie stattfand!
88 Millionen € hat eine prokapitalistische „Solidargemeinschaft“ in den Bochumer NOKLIA Betrieb investiert. Dafür durften alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes zahlen um dann auch noch mit dem Kauf eines Nokia Mobiltelefons (Marktanteil weltweit 40%) für Gewinnsteigerungen zu sorgen. Das die Lohnquote beim Endprodukt mit 5% beteiligt ist, zeigt deutlich, dass den Menschen dieser verkommenen Gesellschaft nur vorgegaukelt wird, es gäbe was „soziales“ an jener Marktwirtschaft, die schon immer nur das Ziel der Profitmaximierung betrieb, ohne Rücksicht auf jene Würde des Menschen, die man in der realen Wirklichkeit schon lange abgeschafft hat und mit Arbeitsplatzzerstörung und Lohndrückerei tritt und die nur noch im Grundgesetz ein armseliges Dasein fristet.
Was tun? Warten bis der Landesvater die Lippen empört bewegt und Geld zurückfordert, dass er nie bekommen wird, weil eine Rückzahlung vertraglich sicher nicht festgeschrieben wurde?
Ich rufe auf zum Boykott! Kein NOKIA Handy darf gekauft oder verkauft werden! Dieser Betrieb muss endlich von denen bestreikt werden, die, wie immer, die Zeche zahlen. Von den Kundinnen und Kunden die den Erfolg und die Existenz dieses Betriebes sicherten mit dem Kauf eines Handys des Arbeitsplatzzerstörers! Immerhin haben KäuferinKäufer für einen Reingewinn von 1,46 Milliarden gesorgt – zwei Drittel davon wurden durch den Verkauf von Handys erzielt!
Es reicht nicht aus nun zu streiken, es reicht nicht NOKIA als „Subventionsheuschrecke“ zu beschimpfen. Der Betrieb wirtschaftet entsprechend jenen Bestimmungen, die wir alle seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten tolerieren. Jede Idee diesen Kapitalismus der die reichen reicher und die Armen immer ärmer werden lässt zu bekämpfen, der wird von all jenen diskriminiert und bekämpft die sich nun, folgenlos darüber aufregen wie NOKIA die regeln einhält die man seit Urzeiten verteidigt. Wie sehr immer wieder eine Gewerkschaftsbewegung scheitert, wenn es um Arbeitsplatzvernichtung geht, das zeigt nicht nur der NOKIAskandal.
Weder Konsumentenstreiktaktiken, noch Betriebsbesetzungen mit Solidarproduktion sind ein Thema auf den beiden großen Gewerkschaftstagen von IGMetall oder ver.di gewesen.
Das auch diese Meinung gespeichert wird und, so hoffe ich, länger als ein halbes Jahr erhalten bleibt, hilft nicht weiter. Wie wäre es, wenn wir uns am Sonntag in den Stadtzentren treffen und dort, symbolisch, ein NOKIA Handy mit Zerstörung dafür bestrafen, dass es nicht für Arbeitsplätze sondern deren Vernichtung gesorgt hat?
Ich bin ein Bürger, holt mich hier raus!
Dieter Braeg
|