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In Tirol brachte die Landtagswahl eine Sensation, die bürgerliche ÖVP
unter dem bisherigen Landeshauptmann Herwig van Staa, die bisher fast
CSUähnliche Alleinregierungsergebnisse heimfuhr, hat eine schmerzhafte
Niederlage zu verkraften.
Die absolute Mehrheit ist verspielt und der Sieger der Landtagswahl ist eindeutig der Vorsitzende der Arbeiterkammer, zwar selbst ÖVP Mitglied – aber großer Gegenspieler des bisherigen Landeshauptmanns – Fritz Dinkhauser. Mit seiner Liste „Fritz“ (Bürgerforum Tirol) der Wahlsieger. Wahlberechtigt waren alle Tirolerinnen und Tiroler die älter als 16 Jahre alt waren. Bis auf die fremdenfeindliche FPÖ haben Grüne und Sozialdemokratie und die ÖVP zum Teil schwere Verluste zu verkraften.
Hier die Ergebnisse der aktuellen Wahl und der Wahl im Jahre 2003:

In Tirol hat eine völlig neue Partei, die als Liste Fritz antrat und eng mit der Persönlichkeit des kantigen Arbeiterkammerpräsidenten von Tirol, Fritz Dinkhauser verknüpft und geführt wird, ihr Wahlziel erreicht, die ÖVP und deren absolute Mehrheit im Tiroler Landtag zu verhindern. Dinkhauser hat die Hälfte seiner Stimmen aus dem Lager der Nichtwählerinnen und Nichtwähler gewonnen und die andere Hälfte der klerikal konservativen Tiroler ÖVP abgenommen.
In Kitzbühel zu Beispiel überholte die Liste „Fritz“ sogar die ÖVP. Neben diesem Wahlgewinner ist es mehr als bedenklich, dass es die FPÖ geschafft hat, ihre Mandatszahl zu verdoppeln. Fremdenfeindlicher Populismus, noch schlimmer als zu Zeiten Haiders scheint in Tirol zu begeistern. Grüne und Sozialdemokratie mussten schwerste Verluste zur Kenntnis nehmen. Bei der SPÖ Niederlage dürfte die Art der Politik des Bundeskanzlers Gusenbauer und seiner Nichteinhaltung von Wahlversprechen samt der Politik die die große Koalition betreibt, das Ergebnis beeinflusst haben. Bei der ÖVP ist die Niederlage mit der autoritären Politik des bisherigen Landeshauptmanns Herwig van Staa zu erklären sein – der noch in der Niederlage im österr. Fernsehen erklärte – er habe sein Wahlziel erreicht und würde wieder die Regierungsbildung übernehmen. Die ÖVP kann mit jeder anderen im Tiroler Landtag vertretenen Partei eine Koalition bilden. Es sind also spannende Koalitionsverhandlungen zu erwarten, wobei in der ÖVP selbst wohl auch Stimmen laut werden, die diese Partei auf einen neuen Kurs bringen wollen – was bedeutet, dass man van Staat abschießen will. Interessant ist auch, dass die Wahlbeteiligung sogar ein wenig anstieg, trotzdem sind die NichtwählerInnen mit fast 40% eine sehr große Gruppe!
Ein kleiner Stimmengewinn der Kommunisten hat in diesem Land wenig zu sagen, da wird weiter Berg&Talgejodelt und die Tiroler Schützenbrüder samt trachtigen Kapellen schützen alle Gemseneier im Gebirg. Das im Tal das Volk unter dem Lärm und Abgasen einer kapitalistischen Logistik zu leiden hat, die die Produktionsläger aufließ und diese in die LKW-Züge verlagerte, stört kaum. Mag sein, dass Dinkhauser ein kleines Zeichen gesetzt hat, dass auch die Interessen der Arbeiter&Angestellten besser vertreten werden müssen, aber dem hat ja der bisherige Landeshauptmann schon seine Absage erteilt. Dinkhauser hatte mit in seiner Wahlwerbung vor allem die Themen soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerpolitik und Arbeitnehmerinteressen in den Mittelpunkt gestellt.
Wahlen verändern, sogar in Tirol wenn es angeblich „sensationell“ wird – ergebnismäßig nix. Da würden sie auch verboten werden. Da hätt auch der Andreas Hofer nix dagegen!
Dieter Braeg
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