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Unter der Überschrift: Grünen Politikerin Roth – Warum spielt Altintop nicht für Deutschland? konnte man in der Bild-Zeitung vom 23. Juni 2008 folgenden Artikel lesen: Berlin – Der „Schuss“ ging daneben!
Mit ihren Äußerungen über die türkischen Nationalspieler Hamit Altintrop und Hakan Balta hat die Grünen-Politikerin Claudia Roth Empörung ausgelöst. Grund: Roth hatte die Tatsache, dass die beiden in Deutschland geborenen türkischen Spieler bei der EM nicht für Deutschland antreten, als Zeichen verfehlter Integrationspolitik kritisiert. Roth in der türkischen Zeitung „Hürriyet“: „Das zeigt wieder einmal, dass unsere Integrationspolitik nicht funktioniert.“
Ähnlich äußerte sich der grüne Europa-Experte Omid Nouripour: „Schon auf den Fußballplatz entscheidet sich, wie wir hierzulande mit unseren vielen Talenten aller Nationalitäten umgehen. Da hat Deutschland erheblichen Nachholbedarf“, sagte Nouripour BILD.
Unionspolitiker wiesen die Kritik scharf zurück! Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU, Hartmut Koschyk, zu Bild: „Frau Roth redet völligen Unsinn! Podolski, Klose und Kuranyi sind ein gutes Gegenbeispiel – sie könnten auch in anderen Mannschaften spielen, haben sich aber bewusst für das deutsche Nationalteam entschieden.“
So weit, so nicht gut.
Lukas Podolski ist der Sohn von Waldemar und Christina Podolski, in 1985 Polen geboren und mit seinen Eltern 1987 als (Spät)aussiedler in die Bundesrepublik gekommen. Podolski hat nach eigenen Angaben keine polnische Staatsangehörigkeit.
Miroslav Klose wurde 1978 als Mirosław Marian Kloze in Polen geboren. Klose kam mit 8 Jahren mit seinen Eltern ebenfalls als (Spät)aussiedler in die Bundesrepublik. Er besitzt die polnische und die deutsche Staatsbürgerschaft.
Kevin Kurányi – wie’s halt die richtige Schreibweise wäre, liebe Bild-Zeitung – wurde in Brasilien geboren, ist in Panama aufgewachsen und besitzt drei Staatsangehörigkeiten: die deutsche, die brasilianische und die panamaische.
Seine Familie väterlicherseits stammt ursprünglich aus Ungarn. Sein Vater wuchs im Raum Ludwigsburg auf, bevor er nach Brasilien auswanderte.
Lieber Herr parlamentarischer Geschäftsführer der CSU, liebe Bild-Zeitung. Bevor Sie demnächst nochmals über Staatsbürgerschaften parlieren, sollten Sie sich über Verordnung über die deutsche Staatsangehörigkeit vom 05. Februar 1934 informieren. Danach ist Deutscher, wer deutschen Blutes ist.
Und dies sind die beiden in Deutschland geborenen „Türken“ Altintrop und Balta bestimmt nicht. Nur wenn deutsches Sperma in den letzten 1000 Jahren mal in die Familie gekommen ist, dann ist man deutscher von Geburt.
Deutschland, liebe Verteidiger des deutschen Blutes, ist bis 2000 selektiv als Verfechter gegen die Mehrstaatigkeit aufgetreten. Bei der Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit an die Kinder deutscher Staatsbürger (per Gesetz) hat Deutschland die Mehrstaatigkeit als völlig unproblematisch angesehen; im Gegensatz zur Verleihung an Migranten oder deren Nachkommen (per Verwaltungsakt).
Aber das, lieber Herr parlamentarischer CSU-Geschäftsführer, haben Sie wahrscheinlich auch der Bild-Zeitung gesagt. Wahrscheinlich hat man wegen der bayrischen Eigenart der Sprache nicht verstanden…
Horst Schwagenscheidt
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