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Während Berthold Huber, „Chef“ der IG Metall bei der Bundeskanzlerin, in Fortsetzung der „Ackermann Sause“, die Sektkorken knallen ließ und seinen 60. Geburtstag feierte – natürlich in „bester“ Gesellschaft ( Michael Sommer, Ursula von der Leyen, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, Gesamtmetall Chef Martin Kannegießer samt Chefas von VW und Siemens) – gab es in Düsseldorf im DGB Haus, ganz ohne gehobene Kochkunstproduktion, zwei Betriebsratsfrauen von Schlecker ( Antje Hirr - Gashi Betriebsrätin Düsseldorf 2 und Iris Vandenberg Betriebsrätin Düsseldorf/Neuss) mit dem ver.di Gewerkschaftssekretär Heino Kassler eine Veranstaltung zur Neuausrichtung des Schlecker Betriebsnetzes.
Betriebsverfassung, Tarif- Sozial- und Arbeitsrecht sind bei Schlecker zu einem „Testfeld“ geworden, bei dem der durch die Arbeitskraft seiner Mitarbeiterinnen reich gewordene Anton Schlecker (Vermögen liegt bei ca, 4,3 Milliarden €), der seine Drogeriekette im Jahre 1975 in Ehingen gründete, brutalste Unternehmermacht ausübt. In nur 170 der 357 Bezirke (definiert von Schlecker) in denen es Schlecker Märkte gibt, werden die Interessen der Beschäftigten durch einen Betriebsrat vertreten.
Mona Frias Betriebsrätin bei der Drogeriemarktkette Schlecker in Berlin zu ihrer Arbeit
“ Naja, wir sitzen vier-, fünfmal die Woche beim Arbeitsgericht. Sie versetzen unsere Mitarbeiter, kündigen, stellen 20 Anträge auf Neueinstellungen, aber nur befristet usw. Das lassen wir uns natürlich nicht gefallen. Wir haben jetzt mit Hilfe eines Richters eine tolle Betriebsvereinbarung zu Arbeitszeit und Pausernplanung hingebkommen. Darin ist festgelegt, dass Schlecker die Dienstpläne fünf Wochen im Voraus einreichen muß. Geändert werden dürfen sie nur mit Zustimmung der Mitarbeiter – abgesehen von kurzfristigen Notfällen wegen Krankheit. Sie dürfen sie auch nicht aushängen ohne unsere Zustimmung.“
Auf die Frage ob man diese Betriebsvereinbarung einhalten würde, antwortete die mutige Frau: “Nein, sonst würde ich nicht ständig im Gericht sitzen.“
Im Jahre 2008 gab es 10 650 Schlecker Märkte (Europaweit sind es 14 155) im Jahre 2009 sind es noch etwa 9300 Filialen, wobei der Inhaber ankündigte im Jahre 2010 500 Filialen zu schließen. Waren im Jahre 2004 noch 40 300 Menschen bei Schlecker beschäftigt, sind es im Jahre 2009 nur noch 34100 Frauen und Männer. Der Umsatz ist im gleichen Zeitraum nur unwesentlich von 5,7 auf 5,5 Milliarden € (laut manager magazin)gefallen. Das nur etwa 25% des Gesamtpersonals in Vollzeit beschäftigt wird, darf nicht unerwähnt bleiben.
Hier der Zustandsbericht Schlecker/Düsseldorf, wobei wahrscheinlich überall in „Schleckerland“ gleiche oder ähnliche Entwicklungen festzustellen sind:
Wenn SCHLECKER XL-Märkten eröffnet, werden kleinere AS SCHLECKER-Märkte geschlossen. Die Stimmung bei den Beschäftigten in den SCHLECKER-Filialen ist von Angst geprägt. Kein Wunder, schließlich stellt eine SCHLECKER-Tochterfirma die neuen Mitarbeiter in den XL-Märkten zu XS-Löhnen ein. Bei der „Tochterfirma“ entfällt nämlich die Tarifbindung! Statt fast 13 Euro pro Stunde, erhalten die Beschäftigten in den XL-Filialen einen Stundenlohn von teilweise 6,50 Euro. Weniger Urlaub (24 Werktage), kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld sind die weiteren Rahmenbedingungen, zu denen die Tochterfirma einstellt. Das es da keine Betriebsräte gibt und somit der Schutz durch die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes nicht möglich ist, macht es Schlecker und seinem Management
noch einfacher, für „Betriebsfrieden“ zu sorgen.
Hintergrund ist die Neuausrichtung des SCHLECKER - Vertriebsnetzes, das anstelle der AS-Filialen auf große XL-Filialen ausgerichtet wird. Dabei sind bislang 2.000 Arbeitsplätze bei AS gestrichen worden, rund 1.500 Beschäftigte arbeiten mittlerweile in XL-Filialen zu schlechteren Bedingungen.
Des Weiteren nehmen die Überfälle auf die SCHLECKER - Filialen in Düsseldorf zu.
Die Drogeriemarkt-Kette SCHLECKER sucht neue Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen. Unterdessen bangen die alten Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze.
Hartz IV von Grünen und SPD beschlossen, sorgt jeden Tag für eine weitere Brutalisierung des Umgangs des Kapitals mit den abhängig Beschäftigten. Bei einem Stundenlohn von 6,50 € , da „lohnt“ sich Leistung nur um den Besitz der Familie Schlecker weiter anwachsen zu lassen. Dass so ein Lohn noch „aufgestockt“ werden muss, durch Zuschüsse mit der die Allgemeinheit Schleckers Profitrate absichert, ist ein Skandal, der nur dadurch noch größer wird, dass ihn alle Politiker am Aschermittwoch nicht erwähnten. Der „Missbrauch“ betrieben von Unternehmern, die ihre Arbeitskräfte per Staatsknete subventionieren und den Gewinn komplett verschwinden lassen, ist dem Herrn Westerwelle keinen Satz wert. Dort wo er für Mehrwertsteuerreduzierung sorgte, im Hotelgewerbe, da subventioniert der Steuerzahler den Bettenbau samt Zimmerreinigung.
Von Juni 2008 bis Mai 2009 wurden rund 531 Millionen Euro zur aufstockenden Grundsicherung von unterbezahlten Beschäftigten allein in der Leiharbeitsbranche ausgegeben. Arbeitsvertragsbefristung, Praktikum, das alles führt uns in eine Gesellschaftsordnung, die unsolidarisch und unsozial ist. , wie viel da noch durch solche „Arbeitsverhältnisse a la Schlecker“ dazukommen,
Die österr. Gewerkschaft GPA/djp hat in den österr. Schlecker Märkten fast alle Filialen besucht in denen insgesamt 1600 Beschäftigte arbeiten. Es dürfte zwischen den Arbeitsbedingungen wohl kaum große Unterschiede herrschen.
Eine Befragung und Untersuchung ergab, so Dwora Stein (Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp): "Offenbar beruhen die Arbeitsbedingungen bei Schlecker auf einem System, das auf Angst und Druck basiert. Viele der Befragten gaben an, dass sie angehalten werden, abgelaufene Ware zum Vollpreis zu kaufen, damit sich Schlecker die Abschreibung erspart. Der Druck auf die Erfüllung von Verkaufszielen dürfte sogar so weit gehen, dass MitarbeiterInnen und ihre Familien Bestellungen tätigen, die sie eigentlich nicht brauchen, nur um Ermahnungen und in der Folge angedrohten Kündigungen zu entgehen. Vertrauen gegenüber den eigenen MitarbeiterInnen wird bei Schlecker keinesfalls groß geschrieben. 76% der Befragten haben angegeben, dass sie nach Verlassen der Filiale kontrolliert werden. Obwohl derartige Maßnahmen klare Eingriffe in die Persönlichkeitssphäre bedeuten und überhaupt in Österreich nur unter sehr strengen rechtlichen Auflagen und auch dann nur sehr eingeschränkt möglich sind, scheint es Teil der Unternehmenskultur zu sein, die Beschäftigten grundsätzlich zu verdächtigen und unter Druck zu setzen".
Zu den konkreten Arbeitsbedingungen erklärt erklärt die die GPA-djp Wirtschaftsbereichssekretärin für den Handel Anita Stavik:
"Die Beschäftigten bei Schlecker haben keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeit selbst mitzugestalten. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Lage der Arbeitszeit einseitig angeordnet wird. Von Vereinbarung und Planbarkeit keine Spur, obwohl dies rechtlich eindeutig nötig ist. Besonders Frauen leiden unter diesem Problem, da die Betreuungsaufgaben von Kindern schwierig zu organisieren sind. Weiters geht hervor, dass die Beschäftigten jederzeit für Mehrarbeit zur Verfügung stehen müssen. Jeder dritte Befragte hat angegeben, dass sie regelmäßig mehr Stunden arbeiten müssen als vereinbart ist.“
Nicht nur bei Schlecker sondern in ganz Deutschland muss es zu anderen Bedingungen in der Arbeitswelt kommen. Es war nicht der Fleiß des Herrn Anton Schlecker der ihm diese europaweite Drogeriekette samt 4,3 Milliarden € Vermögen bescherte, es waren viele tausend Menschen und ihre Arbeitskraft und deswegen muss endlich in diesem Land Arbeit, nicht im Sinne von Herrn Westerwelle, umgestaltet werden:
Mit
- Entlassungsverbot
- Unbefristeter Übernahme aller LeiharbeiterInnen und Befristeten zu gleichen
Tariflöhnen
- Hartz IV abschaffen – übergangsweise 500€ Eckregelsatz
- Rente ab 60 statt „Rente mit 67“
- Einer Schule für Alle – mit kleineren Klassen und mehr Lehrern
- Ausbildungsplätze für alle – Übernahme aller Auszubildenden im erlernten Beruf
- 30 Stunden Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich
- Gesetzlichem Mindestlohn von 12,50 €
Dieter Braeg
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