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Deutschland ist für die Menschen in Österreich, soweit es die Gesundheitspolitik betrifft, ein schlechtes Beispiel.
von Dieter Braeg Während in Deutschland eine große Koalition eine „Gesundheitsreform“ verbricht, die weder den Beitragszahlern noch den Patienten, sondern nur den bisher Privilegierten, also Ärzten, Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen und Pharmaindustrie hilft, sieht in Österreich die Gesundheitspolitik anders aus. Hier gibt es keinen Streit über die Frage ob man privat oder gesetzlich Kenkassenmitglied ist. Im Ösiland ob gut verdienend, Beamter oder Selbstständiger – alle müssen in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Darauf ist man hier stolz und das nicht ohne Grund. Deutschland ist für die Menschen in Österreich, soweit es die Gesundheitspolitik betrifft, ein schlechtes Beispiel. Ein Funktionär des Hauptverbandes der Sozialbversicherungsträger meint: „Wir wollen keine Entsolidarisierung“. In den letzten Jahren hatte eine bürgerlich rechtsgestrickte Regierung die Mehrheit und trotzdem blieb es dabei: Solidarität gehört zum österreichischen Gesundheitssystem.Zur Zeit würde jeder deutsche Arbeitnehmer zum Tier, könnte er sich die Lohnabrechnung eines österreichischen Kollegen anschauen. Ob Renten- Arbeitslosen- oder Krankenversicherung, die Bemessungsgrundlage beträgt generell zur Zeit 3750.--€ (im Jahre 2002 betrug sie 3270.--€). In Österreich beträgt derzeit der Höchstbeitrag in der Krankenkasse bei einem Arbeiter 135.--€ (also 3,6% der Bemessungsgrundlage) der Kapitalist zahlt 123,75 ( 3,3 %), bei den Angestellten sind es, warum ist nicht erklärbar, jeweils 127,50 ( 3,4%) für beide Beitragszahlungsverpflichteten. Rentner zahlen, auch bis zum Höchstbeitrag, derzeit 3,5%. Insgesamt gibt es in Österreich 22 Krankenkassen für Arbeiter, Angestellte, Beamte, Bauern oder Selbstständige. Natürlich gilt in Österreich, ohne wenn und aber die Familienversicherung, so dass Ehepartner und Kinder mitversichert sind. In Deutschland kämpfen die Kassen nicht erst seit den 90er Jahren mit Finanzproblemen und die Versicherten müssen trotz vieler „Reformen mit Leistungseinschränkungen“ ständig mehr bezahlen, und dafür auch noch mit Leistungskürzungen bedacht werden, die das „Zwei Klassen Gesundheitssystem“ etablieren (von einer SPD-Grünen Regierung). Da ist der Beitragssatz in Österreich, wie bereits im ersten Absatz dokumentiert, seit Jahren konstant. Auch bezogen auf das Bruttoinlandprodukt geben die Österreicher mit 8,9 Prozent für Gesundheitsleistungen wesentlich weniger aus als die Deutschen, die es auf 10,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bringen - jeweils die Ausgaben der Kassen, der öffentlichen Hände und der Privathaushalte zusammengenommen. Kränker sind die Österreicher deswegen aber nicht! Führende Funktionäre aus den österreichischen Gewerkschaften, den Sozialverbänden und der Wirtschaft sind sich einig. Hier zum Beispiel die Meinung von Harald Kaszanits (Wirtschaftskammer): "Wir bekennen uns zu unserer Solidarpflicht" und es wäre für die Politik gefährlich, an diesem System zu rütteln. Da wäre man sehr schnell politisch tot. Man stelle sich vor, so einen Satz würde einer unserer „Arbeitgebervertreter“ in Deutschland sagen. Das wäre glatt Lohnnebenkostenschändung! Dabei dürfte die gesundheitliche Versorgung nicht schlechter sein als in Deutschland, das beweisen alle vorhandenen statistischen Zahlen. Das dazu in Österreich auch noch die Forschung international führend ist, bedarf kaum lobender Worte. Gegen die „Vogel Grippe“ wird recht erfolgreich eine Impfung entwickelt, die bereits im letzten Erprobungsstadium ist.Doch was ist das Geheimnis? In einem Satz ist das nicht zu beantworten. Fest steht aber: Das österreichische Gesundheitssystem geht an mehreren Stellen andere Wege als Deutschland: Privatisierung, Übertragen des Risikos auf den Einzelnen - solche Dinge werden nicht mal angedacht. Völlig unverständlich ist für alle in Österreich die Aufregung in Deutschland in Sachen Einführung einer solidarischen Bürger- oder Erwerbstätigenversicherung, da es sie in Österreich schon immer gab und geben wird. 99 Prozent - also nahezu alle – sind Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. Privatkrankenkassen gibt es in Österreich aber auch. Für jeden, der darauf Wert legt, sichern sie Luxusleistungen ab - das Einzelzimmer in der Klinik oder die Chefarztbehandlung zum Beispiel. Doch nicht allzu viele Versicherte halten eine solche Zusatzversicherung für nötig. Nur jeder achte Österreicher hat einen solchen Zusatz-Schutz. So erklärt sich auch die Furcht der deutschen Privatversicherer, vor einer konsequent durchgesetzten Pflichtbürgerversicherung. Es gibt Österreich 22 Krankenkassen. Je nach Wohnort, je nach Berufszugehörigkeit werden die 5,2 Millionen Mitglieder einer bestimmten Kasse zugewiesen. Da gibt es keine Werbung für irgend eine Kasse. In Deutschland betrugen im Jahre 2003 die Jahresverwaltungskosten pro Versicherten 174 € in Österreich liegen sie bei 58.--€. Fernsehwerbung einer Krankenkasse, so wie in Deutschland üblich, wäre in Österreich undenkbar. Selbstverständlich ist auch - die Beitragszahler müssen nur für die Hälfte der Klinik-Betriebskosten aufkommen. Für die andere Hälfte ist der Steuerzahler zuständig. Es gibt keine Kassenärztlichen Vereinigungen, die in Deutschland für die absurde Tatsache sorgen, dass Ärzte die Abrechnungen ihrer Kolleginnen und Kollegen prüfen. In Österreich rechnen die Ärzte direkt mit den Kassen ab, die Kassen selbst beschäftigen "Chefärzte", die sich auch in therapeutische Fragen einmischen. So sind diese "Chefärzte" der Kassen für das so genannte Heilmittelverzeichnis zuständig - die Positivliste. Die gibt es in Österreich seit langer Zeit und die Pharmaindustrie hat das, wie die Apotheken, verkraftet. Die "Chefärzte" entscheiden in immer weniger Fällen, weil dies auch reformiert wird, ob bei dem einen oder anderen Patienten eine Ausnahme gemacht wird und ihm sein Arzt ein Medikament auf Kosten der Kassen verordnen kann, das nicht auf der Liste steht. Allerdings: Sterbegeld wird schon seit zehn Jahren nicht mehr bezahlt, festsitzender Zahnersatz ist Privatsache, Zuzahlungen sind gang und gäbe. Insgesamt bringen die Patienten in Form von Zuzahlungen jährlich eine Milliarde Euro in die Kassen. 10.--€ sind für die E - Card zu zahlen (vergleichbar der Scheckkarte) dazu kommt eine Rezeptgebühr pro Medikament in Höhe von 4,60, natürlich mit Berücksichtigung bei chronischer Erkrankung oder niedrigem Einkommen. Bei medizinischen Hilfsmitteln wie Halskrausen oder Brillen sind kräftige Zuzahlungen fällig, doch da gibt es in Deutschland schon lange keine Zuschüsse mehr. Bei Krankenhausaufenthalten muss, nicht für die Behandlung, aber für die Verpflegung 10 % Prozent der Kosten zugezahlt werden. Bei Kuren müssen die Patienten mehr als 6.-- Euro pro Tag aus eigener Tasche zu bezahlen. Dabei kenne ich genügend Österreicher die jährlich eine Kur genehmigt bekommen, weil in Österreich die Gesundheitsverbesserung/Vorsorge durch Kuren noch ernst genommen wird. Steigen die Kosten schneller als die Einnahmen der Kassen, das gibt es auch in Österreich, dann sind die Leistungsanbieter an der Reihe. Als Beispiel die Medikamentkosten: Medikamentkosten der Kassen sind von 2001 auf 2002 um über sechs Prozent gestiegen. Die Beiträge aber nur um etwa zweieinhalb Prozent. Nun geht es darum, dass die Kassen mit den Apothekern zu Vereinbarungen kommen – da verzichten die Apotheker auf einen Teil ihrer Gewinnspanne.Die Einkommen der Ärzte steigen entsprechend der jeweiligen Beitragseinnahmen. Auch das wird zwischen den jeweiligen Gebietskassen, dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Ärztevertretern des Gebietes ausgehandelt. In Österreich gibt es auch einen Finanzausgleich zwischen den Kassen. Dabei ist selbstverständlich - unwirtschaftliches Verhalten kann und wird nicht über den Finanzausgleich von anderen bezahlt werden. Wie sieht es bei den Zähnen aus? Da nicht so gut! Aber in Deutschland kann man in den meisten Fällen auch nicht mit mehr als einer Zuzahlung von 30 % rechnen. Hier als Beispiel die angebotenen Leistungen und Preise der Zahnambulanz in der Landeshauptstadt Salzburg (Original ohne Kürzung):

Welche Leistungen werden in den Zahnambulatorien angeboten? konservierend-chirurgische Behandlungen (zum Beispiel Füllungen, Wurzelbehandlungen, Zahnsteinentfernungen usw. prothetische Behandlungen: Anfertigung von abnehmbarem Zahnersatz (Kunststoff- und Metallgerüstprothesen) sowie dessen Reparaturen Vollguss- und Verblendmetallkeramikkronen an Klammerzähnen (Zähne, die zum Befestigung einer Prothese nötig sind) Kronen und kleine Brücken für Stammpatienten in Fällen, wo eine Prothese medizinisch nicht sinnvoll ist kieferchirurgische Behandlungen
Kieferchirurgische Behandlungen werden nur im Zahnambulatorium Salzburg angeboten (in den Zahnambulatorien der Außenstellen der Salzburger GKK nicht). Was bedeutet der Grundsatz der kostenlosen Zahnbehandlung? Grundsätzlich sind die Behandlungen nach Vorlage der E-Card für Sie kostenlos. Lediglich für: - abnehmbaren Zahnersatz sowie dessen Reparaturen
- Vollguss- oder Verblendmetallkeramikkronen
- Brückenglieder
- Anästhesie bei konservierender Behandlung ist vom Patienten die tariflich vorgesehene Zuzahlung zu leisten.
Kronen, Brücken und mehr - aber wieviel kostet das? In den Zahnambulatorien wird für Stammpatienten und Patienten in geringen Einkommens- bzw. Vermögensverhältnissen auch festsitzender Zahnersatz (Kronen, Stiftaufbauten und Brücken) hergestellt. Die Kronen und Brückenglieder bestehen aus Edelmetall (Gold-Platin-Legierung) und aufgebrannter Keramik. In Ausnahmefällen werden auch Zahnkronen in Nichtedelmetallegierung angefertigt. Jede Krone ist ein individuell angefertigtes Einzelstück. Die Farbe wird auf die übrigen Zähne abgestimmt. Ist der betroffene Zahn bereits wurzelbehandelt oder ist für einen sicheren Halt zuwenig Zahnsubstanz vorhanden, muss dieser Zahn zuerst mittels Stift aufgebaut werden. Ein Zeugnis bestätigt die Unbedenklichkeit der verwendeten Materialien.
Kosten in EUR für Kronen (exkl. Edelmetallkosten) | · Vollgusskrone | 298,00 | | · Verblendmetall-Keramikkrone | 399,00 | | · Verblendmetall-keramikkrone mit Edelmetall | 436,00 | | · gegossener Stiftaufbau | 108,00 | | · gegossener Stiftaufbau mit Gold | 145,00 |
Kosten für Brücken in EUR (exkl. Edelmetallkosten)
· Zwischenglied (verblendet)
| 254,00
| · Zwischenglied (verblendet) mit Edelmetall
| 291,00 |
Beispiele (Kosten in EUR exkl. Edelmetallkosten)
· Brücke mit 2 Kronen und einem Zwischenglied (unverblendet)
| 653,00 | | · Brücke mit 2 Kronen und einem Zwischenglied (verblendet) | 1.053,00 |
Voraussetzung für eine Behandlung dieser Art ist, dass Sie sich als Patient verpflichten - nach entsprechender Einschulung - für die Pflege Ihrer Zähne nach der Behandlung zu sorgen.
Der Erfolg wird kontrolliert, denn nur im sauberen Mund halten Kronen lange! Die Wartezeit für einen Termin dieser Art beträgt für Stammpatienten ca. 2 Monate; für neue Patienten ca. 6 Monate. Vom Beschliff des Zahnes bis zum Einsetzen der Krone vergeht etwa 1 Woche. Bei Brücken ca. 2 Wochen, da in diesen Fällen eine Probe erforderlich ist. In besonders begründeten Einzelfällen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse werden von der SGKK Zuschüsse aus dem Unterstützungsfonds gewährt. Terminvereinbarungen Terminvereinbarungen sind grundsätzlich erforderlich. Sollten Sie jedoch unter akuten Zahnschmerzen leiden, so erwarten wir Sie täglich zwischen 07:00 und 11:00 Uhr in unserer Schmerzambulanz. Die österr. Krankenkasse vertreten die Interessen der Patientinnen und Patienten, wer es sich mit ihnen verdirbt hat in Österreich keine Chance im „Gesundheitswesen“ Geld zu verdienen! Natürlich gibt es auch Probleme, zum Beispiel um die Ärztedichte. Die Ärztekammern wollen mehr Ärzte, die Kassen nicht. Immer wieder beklagen sich Patienten, dass die Vertragsärzte vor allem Methoden der Schulmedizin anwenden und fordern, dass die Kassen auch andere Therapieformen bezahlen sollen. Da gibt es Konflikte zwischen Ärztekammern und Kassen.
Ganz klar - die Kassen und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger sehen sich als Anwälte der Patienten. Ein ausgewogenes Machtverhältnis zwischen den Leistungsanbietern und den Kassen als Vertretern der Versicherten ist eine Selbstverständlichkeit, wer dieses Gleichgewicht der Kräfte stört, bekommt große Probleme.
Ach ja – die Krankenkassen in Österreich sehen sich nicht nur beim Beitragssatz und den medizinischen Leistungen als Streiter für die Interessen der Patienten. Man kämpft auch für einen besseren Service. Da geht es darum, die Praxisöffnungszeiten entsprechend der Patienteninteressen festzulegen. Für Berufstätige muss es in den frühen Morgenstunden und nach Feierabend möglich sein, Arztpraxen oder Zahnärzte aufzusuchen. Eine Utopie wäre doch in Deutschland wenn sich dort die Kassenärztlichen Vereinigungen ähnliche Verhandlungen mit den Kassen führen würden. Bei der unnötigen „Kassenvielfalt“ ein undurchführbares Unterfangen. Die deutschen Krankenkassen selbst haben aber auch noch nie Forderungen geäußert, dass die Ärzte "kundenfreundlicher" werden sollten. Wenn es so wäre, dann würde sicherlich ein Oberfuzzi der Kassenärztlichen Vereinigung laut protestieren. Eine „Zumutung“ wäre das mindeste, was er da von sich geben würde und Frau Ministerin Ulla, die würde eine weitere Selbstversenkung vornehmen die nichts bringt. Noch eines – in Österreich bekommt jedes Kassenmitglied einmal im Jahr einen Kontoauszug, unaufgefordert wo alle Behandlungs- und Medikamentkosten aufgeführt sind. Ohne eine Anforderung, automatisch. Mag sein, dass Österreich eine Fußball- „Operetten“ – Liga hat, dass alle noch immer vom „alten“ Kaiser und der Monarchie träumen. Aber die österreichische Gesundheitspolitik, die sollte den Piefkes endlich klarmachen – in wichtigen Dingen schlägt Österreich Deutschland schon immer. Mindestens 10 : 0 ! |