1Armselig quält sich die weltweite Wortfabrik, wenn einer stirbt, der ihr den Spiegel vor das Gesicht gehalten hat und nie auf den aufrechten Gang verzichtete. Einige Zeilen der Tagespresse haben nun kläglich Versuche gestartet, den Nachruf zu produzieren, den Georg Kreisler nicht verdient hat. Die letzten Jahre seines Lebens hat er, zusammen mit seiner Frau, in Salzburg verbracht. Ihn hier noch einmal zu hören, war ein großes Geschenk, das das Feuilleton nicht verdient und natürlich auch kaum entsprechend gewürdigt hat.  In seinem Buch „Letzte Lieder“ (erschienen im Jahre 2009) schreibt Georg Kreisler:

„Ich werde auch als Kabarettist sterben. Aber sowie ich tot bin, wird sich das ändern. Dann werden mich böse Menschen aus der Schublade nehmen, aus der ich nie herausklettern konnte. Aber wenn diese bösen Menschen merken, dass auch sie sterben müssen, werden sie mich wieder fallenlassen, nd ich werde wegschwimmen, wer weiß wohin. Vielleicht werde ich ab dann meine Zukunft selbst gestalten können.“

Die Funktionäre der Unkultur haben bei Georg Kreisler immer nur, vor allem bei seinen Chansons,  jenes leichte Lachen goutiert, das oft gar nicht sowenig Gewicht hatte! Von diesem hat  sich Georg Kreisler verabschiedet und wurde zum Kämpfer, der lange vor jenen lächerlichen Reformisten, die sich mit der Parole „anders wirtschaften“ das eigene Grab schaufeln,  jenen Reichen die immer reicher wurden und werden, die Leviten gelesen. Wien hat er, ganz anders wie Gerhard Bronner, Carl Merz oder Peter Wehle heftig kritisiert. Sein Ratschlag an die Kabarettzunft Wiens: „In einer Stadt wie Wien sollte man auf keinen Fall Kabarett machen, denn die Stadt spielt jeden Kabarettisten an die Wand.“

Zum Gedenken:

Das Begräbnis der Freiheit
Vergangenen Montag Morgen war Begräbnis.
Man trug die Freiheit zu Grab.
Es war für mich beinahe ein alltägliches Erlebnis,
wie ich es öfter jetzt hab.
Man gab sich feierlich, um auszugleichen,
daß man sie mordete in West und Ost.
Sie lag in ihrem Sarg und sah so aus wie alle Leichen:
Jenseits von Sorge und Frost,
als könnt man sie erreichen
per Post.…
Ihr Grab liegt hinten in der Nähe Don Qixotes,
und ich besuch es manchmal heimlich - und aus trotz.

(Von der LP von Georg Kreisler "Rette sich wer kann", 1976)

Möge ihm jene „Berühmtheit“ erspart bleiben, die Österreich jenen Verstorbenen antut, die sich nicht mehr wehren können!