1Ja, geht’s denn noch?  Fußball? Ähhh..nee!
Aber warum sollte nicht endlich gegen jene öde Medienwelt angekämpft werden, die sich mit jener Sportart beschäftigt, die angeblich die „wichtigste Nebensache der Welt“ sei? Es gibt nämlich nicht nur diese in öffentlich und privaten Medien herumstammelnden Experten, die die 4:2:4 Welt erklären, oder dazu in Druckerzeugnissen  jene unwichtige Tatsache in Frage stellen, dass der Ball rund sei und Elfmeter wenn der Schiri pfeift. Es gibt auch den „ballesterer“.

Der „ballesterer“  aus Österreich ist das wohl kompetentste und beste Fachmagazin für Fußball. Dort wo „kicker“ noch nie hingesehen hat und dazu eine Zeile schrieb, oder die „11 Freunde“  Einschlafinformationen  bietet, die den Strafraum nie erreichen, da erfreut der „ballesterer“ mit kompetenten und unterhaltsamen Informationen.


In der eben erschienenen Nr. 69 beschäftigte man sich mit dem Thema „Wende Verlierer – Ostdeutschlands Fußball in der Krise“. Dass man sich da auch mit Leipzig beschäftigt, die Sternstunden von BSG Chemie Leipzig (Meister im Jahre 1964 – mit einer Mannschaft „ausrangierter“ Spieler die nach der Fusion des SC Rotation und des SC Lok Leipzig zum SC Leipzig übrig geblieben waren)) beschreibt, ist ein kleiner Teil des Inhalts dieser Ausgabe des „ballesterer“.  In Leipzig wurde mal Fußballgeschichte geschrieben und heute versucht ein Dosengetränkeherstelller sich von dem, was da noch übrig blieb, eine große Schnitte einzuverleiben. RB Leipzig ist auf dem Weg in die dritte Fußballbundesliga. Was es aber da an Fußballtraditionen gab, das ist spannend.  Eduard Geyer wird interviewt und Kai Tippmann hat mit „Arbeiter, Du Arschloch“  einen Artikel zu Jugend und Fußball in der DDR geschrieben.

Es war der „ballesterer“ der mit der Serie „Fußball unterm Hakenkreuz“ sich mit einem Thema beschäftigte und beschäftigt, das leider noch immer gerne unter den Rasen, ob beheizt oder nicht, gekehrt wird.  Im aktuellen Heft dem  29. Teil zu diesem Thema  geht es um die Auswirkungen der Verfolgung jüdischer Schiedsrichter auf den Fußball in Österreich. Autor ist  Alexander Juraske.

"Von den 380 Schiedsrichtern des Fußballverbandes für Wien und Niederösterreich mussten 90 aus Wien und acht aus Niederösterreich ausgeschieden werden." Diese trockene Vollzugsmeldung brachte das "Kleine Blatt" am 16. März 1938, vier Tage nach dem "Anschluss".

Von der Ausgrenzung waren in den beiden obersten Spielklassen je sechs Aktive betroffen. Um den Substanzverlust an arrivierten Kräften auszugleichen, mussten nun Angehörige der Vereine als Linienrichter fungieren. Sie konnten an die Leistungen ihrer Vorgänger aber nicht anschließen, die Wiener Zeitungen von damals beschwerten sich sogar über das "Linienrichterübel".

Dem international eingesetzten Schiedsrichter Adolf Rosenberger  gelang die Flucht aus Österreich  nicht. Am 25. Februar 1943 wurden er, Ehefrau Salka und Tochter Herma ins KZ Theresienstadt deportiert, wo das fünfjährige Mädchen im Juli 1943 starb. Selbst unter den extremen Bedingungen des KZ konnte Rosenberger noch in Theresienstadt als Schiedsrichter amtieren; als Mitglied der Schiedsrichterkommission innerhalb der Fachgruppe Fußball leitete er Ligaspiele zwischen Insassenmannschaften, ehe er am 31. März 1945 in Ebensee, einem Nebenlager des KZ Mauthausen, ermordet wurde.

Ein Nachruf zu Dr. Socrates, seinem Leben und Wirken im brasilianischen und internationalen Fußball ist ein weiterer Beitrag, den man in keinem anderen Sportteil der Sportpresse lesen konnte. Kennt eigentlich jemand die Geschichte  über den „Notkandidat“ Andreas Rüttenauer der DFB-Präsident werden will? Auch das und vieles mehr, natürlich auch über den Ösifußball mit all seinen UM&unwägbarkeiten,  kann man im „ballesterer“ Nr. 69 lesen.

„ballesterer“ Nr. 69
März 2012
zu beziehen über
Ballesterer.at/abo
oder 0049-1-9078980
oder unter Umständen auch im Bahnhofsbuchhandel.