1Ab und an gehört es auch zur Geschichte sich mit Büchern zu beschäftigen, die vor fast 25 Jahren erschienen sind, weil sonst Geschichte in eine Vergessenheit gerät, die, das ist das einzig erfreuliche an dieser schlechten Gesellschaft, verdrängt, vergessen und umgedeutet wird. Das Buch kann man noch kaufen, antiquarisch und ich besprach es im Jahre 1998 für das damals in Mönchengladbach erscheinende stadtmagazin Mönchengladbach.


Der lange Marsch des Fischers

„Wir sind die Wahnsinnigen -Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang“
Biographie von Christian Schmidt

„Das wird nix“, meinte Joseph am Abend des 16. August 1973 in der Vierhausstraße 23. Er war nicht mehr bereit am nächsten Tag den streikenden Frauen zu helfen, die bei Pierburg heftig dabei waren die Frauenleichtlohngruppe 2 wegzustreiken. Am Freitag ( 17.8.1973) war der ehemalige Opelmalocher, Taxifahrer und heutige Festredner der Grünen verschwunden. Gut gestärkt trat er die Heimreise an und seine RK-Genossinen und Genossen, die auch noch den Streikerfolg in Neuss erlebten und feierten, durften ihm wohl nichts über diesen erfolgreichen Arbeitskampf berichten. Er paßte so gar nicht in das Konzept der Experten vom „WirWollenAllesKollektiv“, daß es beim Opel in Rüsselsheim oft nicht mal zu gut organisierten Flugblattverteilaktionen kam, obwohl mich der „Baron“ mit seinem Motorrad von Mönchengladbach nach Frankfurt holte, um ein wenig praktische Erfahrung zu vermitteln. Diese Episode, wie viele andere, hat Christian Schmidt leider nicht erzählt. Dazu war er viel zu sehr mit der Lektüre und Auswertung der Zeitschriften wie ‘Autonomie’, ‘PflasterStrand’  und ‘Wir wollen alles’ beschäftigt und seine „Quellen“ die er nicht nennen will, dürften in manchen Fällen nicht besonders ertragreich gewesen sein. Sollte er eine ‘Nachbearbeitung’ vornehmen, sei ihm mein alter ehemaliger Freund Burkhard Blüm empfohlen. So hat Herr Joseph Fischer, als er  bei DM 5.—Eintritt in der KaiserFriedrichHalle im Jahre 1998 wahlakmpfschwadronierte er sei noch nie in Mönchengladbach gewesen, auch diese Streikgeschichte verdrängt. Der Econ Verlag verkauft die Arbeit des ehemaligen Titanic Redakteurs Schmidt so: „Die längst fällige Abrechnung mit Joschka Fischer und seinen Freunden. Woher sie kommen. Wer sie sind. Was sie wirklich wollen.“ Dafür insgesamt 319 Druckseiten zu produzieren, das war aber wirklich nicht nötig. Da werden nun wirklich nicht großartige Geheimnisse gelüftet und nun dem Fischer vorzuwerfen, er hätte sich vom Straßenkämpfer zum staatstragenden Politiker entwickelt, ja das..., das ist ja auch schon weniger gut ausgebildeten Berufsgruppen passiert. Straßenkämpfer als Einstiegsausbildung ist mir dann doch etwas lieber als etwa Beamter, Gewerkschaftssekretär oder Parteigeschäftsführer. Diese Biographie ist ein Lehrgang für politisch Interessierte, die bei der Lektüre lernen können, wie man mit den ganz alten Tricks, guter Redegabe und der ‘WasstörtmichmeinGeschwätzvonGesternmentalität’ Macht erobert, erhält und ausbaut. Ärgerlich ist, das muß man Herrn Christian Schmidt mal ganz kräftig vorwerfen, daß er nicht gleich auch noch alle Geheimnisse der körperlichen Reduzierung des GrünenFührers verraten hat und so einen Abmagrertungsratgeber des Grünhungerkünstler Joschka verhindert hätte um zu erfahren wie man das anstellt, daß man vom Kloß zum Strich in der Landschaft wird. Wir haben uns diesen Herrn ja wirklich selbst gebastelt. In seinem Buch „WIR HABEN SIE SO GELIEBT, DIE REVOLUTION“ schreibt 1987 Herr Daniel Cohn-Bendit: „Joschka Fischer, Abgeordneter der GRÜNEN, ist einer von den jungen Deutschen, die den Bürgern dieses Landes eine neue Art zu argumentieren und einen neuen politischen Stil vermittelt haben.“ Jetzt mach ich nur noch einige ???? (Fragezeichen)   und bestell Weihrauch.

Christian Schmidt „Wir sind die Wahnsinnigen - Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang“ Econ Verlag München-Düsseldorf, München 1998,  319 Seiten DM 39,80