Republikende in Österreich

Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hg.):

„Im Kältefieber. Februargeschichten“

Vier Wochen nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland löste der österreichische Bundeskanzler Dollfuß am 4. März 1933 nach einer Abstimmungspanne den Nationalrat auf. Pressezensur dazu die Auflösung des Verfassungsgerichtshofes folgten.

Mit Hilfe des Mentors von Dollfuß, Benito Mussolini, wurde auf dem am 12. September stattfindenden Katholikentag verkündet, Österreich werde ein „sozial, christlicher deutscher Staat auf ständischer Grundlage mit starker autoritärer Führung“. Das Jahr 1934 begann in Österreich mit Terror. In der ersten Woche des neuen Jahres gab es 140 Sprengstoffanschläge. Die Täter sind die in Deutschland im Jahre 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten, die Österreichs „Anschluss“ herbeibomben wollen. Dollfuß wird von Mussolini, der sich als „Schutzherr“ Österreichs aufführt gedrängt, die österreichische Sozialdemokratie auszuschalten. Im Februar, nach zahlreichen Provokationen rechnete man im Dollfuß Lager mit Aufstandsversuchen des Schutzbundes der Sozialdemokratie.

Der Februar 1934 war für viele ein schlimmerer Einschnitt als der spätere „Anschluss“

Die Bilanz der Kämpfe: offiziell bekannt gegeben wurden 300 Tote, darunter 128 der Exekutive. Neun standrechtlich hingerichtete sozialistische Schutzbündler. Andere zählten mehr als 1000 Tote und tausende Verwundete. Der Schutzbundkommandant Karl Münichreiter wurde schwer verletzt zum Tode verurteilt und auf der Bahre zum

Erzählkunst auf höchstem Niveau

Barbara Kalender/Jörg Schröder:

„Kriemhilds Lache - Neue Erzählungen aus dem Leben.“

In der Wexstraße in Berlin wird viel erzählt und auch an allen anderen ehemaligen Wohnorten von Barbara Kalender und Jörg Schröder war das so. Zu Kalender & Schröder gehört der März Verlag, der viele von uns in den Nachkriegsjahren, als wir noch jung und angepasst gemacht werden sollten, mit seinen Büchern von einem ordentlichen Lebensweg abhielt.

Im Oktober 2013 feierte Jörg Schröder seinen 75. Geburtstag und kurz davor hat der feine Verbrecher Verlag aus Berlin nun eine sehr gute Auswahl Erzähltes, das tut Jörg Schröder seit 1990 in bis heute 60 Folgen und 3300 Seiten, herausgegeben. Barbara Kalender hört zu und so wird Ge- und Erlebtes zur Erzählung. Nicht selbstverständlich ist, dass das Buch in gelbem März-Verlag Ganzleinen erscheint und dazu auch ein rotes Lesebändchen die Freude am Lesen fördert. In Zeiten des „Pappendeckelbuches“ mit kostenreduzierender „justinTimeausstattung“ eine Seltenheit!

Gewidmet ist das Buch, mit feinsten Illustrationen von F.W. Bernstein, Albrecht Götz von Olenhausen, der nicht nur ein Spezialist für’s Urheberrecht ist. O- Ton Schröder&Kalender aus ihrem taz-Blog: „Unser Freund Albrecht Götz von Olenhusen aus Freiburg i.Br. seines Zeichens Arbeits- und Medienrechtler ist auch als Kritiker und Essayist hervorgetreten. Er verfasste Forschungsarbeiten unter anderem zu Walter Benjamin, Johannes Nohl, Siegfried Kracuaer, Georg Lukacs,

Volin: Die unbekannte Revolution


Aus DadAWeb
Die DadA-Buchempfehlung
Die unbekannte Revolution

Seit dem Auftreten des Anarchismus als einer politischen Ideologie und Bewegung, etwa z.Z. der Französischen Revolution, hat es kaum eine revolutionäre Erhebung auf der Welt gegeben, an der sich die Anarchisten nicht beteiligt haben. Das historische Dilemma des Anarchismus ist nur: Das, was die Anarchisten wollen, ist revolutionär; aber jede Revolution, an der sie sich beteiligten, hat bisher die Niederlage der anarchistischen Bewegung zur Folge gehabt.
In der Geschichte der internationalen anarchistischen Bewegung markiert die russische Revolution von 1917/18 einen tiefen Einschnitt, den der libertäre amerikanische Historiker Paul Avrich folgendermaßen charakterisiert:
„Die Revolution von 1917 war die erste Gelegenheit,bei der die Anarchisten den Versuch unternahmen, ihre Theorien in einem größeren (gesellschaftlichen) Maßstab praktisch umzusetzen. Mit den Mitteln der 'direkten Aktion', der Enteignung und der Arbeiterkontrolle, des Guerillakrieges sowie der Errichtung von freien Kommunen bemühten sie sich,nach libertären Grundsätzen eine neue Gesellschaft aufzubauen und ihre staatslose Vision Wirklichkeit werden zu lassen.” [1]
Der Historiker stößt bei der Untersuchung des russischen Anarchismus, insbesondere was die Epoche der russischen Revolution von 1917/18

Mehr wäre besser

Jörg Huwer
„Gastarbeiter“ im Streik
Die Arbeitsniederlegung bei Ford im August 1973

In seinem Vorwort schreibt Manfred Kolb, Geschäftsführer von DOMID (Dokumentationszentrum, und Museum über die Migration in Deutschland e.V.): „Zweifellos war der Ford Streik ein deutliches Zeichen für das Ende der „Gastarbeiterzeit“. Die bereits zu vor aufgetretenen Fragen nach dem ökonomischen Nutzen und den sozialen Folgen der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte wurden noch kritischer diskutiert. Die Bundesregierung reagierte auf ihre Weise: knapp drei Monate nach Ende des Streiks verkündete sie im November 1973 den offiziellen Anwerbestopp  für ausländische Arbeitskräfte.“

In diesem WirhabenvonNICHTSgewußtland gab es damals und auch noch heute, mehr als einen Hauch jener Geisteshaltung, die an jene Art erinnerte, mit der man im Dritten Reich Zwangsarbeiter „behandelte“.  Die sprachliche Verharmlosung, mit der Kapital und Politik samt einem Teil der Medien das Problem der Beschäftigung ausländischer Frauen und Männer mit der Bezeichnung „GASTarbeiter“  behandelt wissen wollte – half nicht. Spätestens im Jahr 1973, noch immer von der Geschichtswissenschaft zu wenig beachtet, gab es handfesten und notwendigen Protest gegen Wohnheime,

Anschlussbuch

Thomas Rothschild:
„BIS JETZT IST ALLES GUT GEGANGEN“
Fälliger Dank und mürrische Zwischenrufe

Als ich, im Jahre 2006  das Buch „Alles Lüge“ von Thomas Rothschild besprach, stellte ich fest: „Gar viele behaupten an einer schönen Welt zu basteln. Noch mehr lügen in die Taschen anderer, weil die eigene Tasche schon lügenvoll ist. Die Verhältnisse sind nützlich und es ist so erfreulich, dass Thomas Rothschild noch immer für viel zu viele kein unangenehmer Zeitgenosse ist. Mir wäre lieber, es wäre anders, weil Verhältnisse in diesem Land eben nur für den so sind, wie sie sein sollen, der es sich richtet.“

Thomas Rothschild, 1942 in Glasgow geboren,  studierte Slavistik und Germanistik in Wien, Moskau und Prag und lehrte ab 1968 bis 2007 an der Universität Stuttgart Linguistik und Literaturwissenschaften.

Vor kurzem ist im Klever Verlag Wien, eine Textsammlung des gleichen Autors erschienen, die er mit dem Satz „Dieses Buch schließ dort an, wo ‚Alles Lüge. Das Ende der Glaubwürdigkeit’, erschienen 2006 im Wiener Promedia Verlag, aufgehört hat.“ beginnt.

Geschwärztes Leben

Anja Röhl
„Die Frau meines Vaters“
Erinnerungen an Ulrike

Kindheitserinnerungen die Ende der 50er Jahre beginnen. Es ist schwer zu einer Zeit zurück zu finden, sie zu beschreiben, wieder zu durchleben. Anja Röhl, kam im Jahre 1955 in Hamburg zur Welt. Sie ist die Tochter aus erster Ehe von Klaus  Rainer Röhl(Gründer der Zeitschrift „konkret“). Der Alltag verlangte damals  in Familie, Schule oder in Kinderheimen Anpassung und Gehorsam. Das Erlebte beginnt mit der Handelnden, sie ist „das Kind“ und sie wächst, mit dem Text, wird Jugendliche und Erwachsene. Diese Distanz in dritter Person zu berichten, ist notwendig und schafft den Abstand der hilfreich ist, zumindest für jene die auch in dieser Nazinachkriegszeit heranwuchsen. Der Rohrstock, prügelnde Lehrer, gehorsam sein. Anja Röhl beschreibt es, ohne in jene „Verletztenrolle“ zu geraten, die in der damaligen Zeit zu einer „schweren Kindheit“ führte, die dem eigenen Leben den Rest gibt.

Wie muss es da schmerzen, dass die Stiefschwester von  Anja Röhl, Bettina, diesem Buch jene schwarzen Stellen angetan hat, in denen Anja über die sieben Jahre jüngeren Halbschwestern, Regine und Bettina erzählen will.  Das bleibt unverständlich, wenn man aus Bettina Röhls Buch  Seite 441„ So macht Kommunismus Spaß. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret“; (Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 2006;
ISBN 3-434-50600-4) zitiert: „Anja nahm sich in gerade zu rührender Weise ihrer kleinen, sieben Jahre jüngeren Halbgeschwister an, nahm uns bei Spaziergängen an die Hand und hat  meiner Mutter oft damit eine Freude gemacht, dass sie mit uns Zwillingen spielte und scherzte. In Anja waren wir als Kinder ganz verliebt. Sie war mit kleinen Kindern ein Naturtalent“

Die schwarzen Stellen im Buch, verstecken nur wenig von dem, was Anja Röhl gelebt hat und schildern will. Gelebtes lässt sich nicht durch schwarze Balken verstecken.

Nach der Scheidung der Eltern lebte Anja bei der Mutter und hatte „Papi Tage“ zu ertragen, da gab es, bevor Röhl Ulrike Meinhof geheiratet hatte,

„Praktiker voraus“
„Arbeitskämpfe und Gewerkschaften“ - zum aktuellen Heft der Zeitschrift Emanzipation

Fast völlig unbemerkt erscheint seit dem Frühjahr 2011 zweimal im Jahr die „Emanzipation – Zeitschrift für sozialistische Theorie und Praxis“. Die Redaktion  hat in den vier bisher erschienenen Themenheften wichtige Beiträge zu Situation und Zustand dieser, nicht-unseren Gesellschaft geboten.

Die jüngste Ausgabe (Nr. 4, Heft 2/2012) ist ein Beitrag zur Diskussion neuer Strategien und Kampfformen in den Gewerkschaften. Im Editorial schreiben Jochen Gester und Christian Zeller, worum es geht: „Angesichts der aktuellen Weltwirtschaftskrise, der barbarischen Austeritätsprogramme der neoliberalen Machteliten, der laufenden wie der in Vorbereitung befindlichen industriellen Restrukturierungen ist es erforderlich, sich erneut Gedanken zu machen über die Herausforderungen, vor denen die Gewerkschaften gegenwärtig stehen. Noch grundsätzlicher geht es darum zu überlegen, wie sich die Klasse der Lohnabhängigen in ihrer ganzen Vielfalt einen gewerkschaftlichen und politischen Ausdruck geben und wirkungsmächtig in das Geschehen eingreifen kann. Im vorliegenden Heft von Emanzipation widmen wir uns gegenwärtigen Ansätzen des Widerstands von Lohnabhängigen und Gewerkschaften unter zunehmend feindseligeren Bedingungen. Die Autorinnen und Autoren dieses Hefts stellen grundsätzliche und praktische Überlegungen zur Selbstermächtigung von Lohnabhängigen, zur Dynamik gewerkschaftlicher Gegenmacht und zur Demokratisierung der Arbeitswelt an und wollen mit der Bilanzierung erfolgreicher und weniger erfolgreicher Kämpfe zu Austausch- und Lernprozessen anregen.“

Klaus Dörre erkennt in seinem eröffnenden Beitrag zu „Gewerkschaften zwischen Krisenkorporatismus und Erneuerung“ (S. 7 bis 20): „Dass die Gewerkschaften einen Erneuerungsprozess, der sie in der Perspektive – wieder – zu Trägern eines alternativen

Nachrichten aus der Geschichte der Arbeitswelt

 

Die Sozialreportage fristet in dieser Gesellschaft ein überaus trauriges Dasein. Die Arbeitswelt, die nie hinter den Werktoren Demokratie und Offenheit zuließ, hat sich abgeschottet. Was in der heutigen Zeit bleibt, sind Betroffenheitsberichte aus jener kapitalistischen Welt, die ein Leben zulässt, das mit dem Titel „Grundsicherung“ nur schlecht beschrieben ist. Nur diese Lebensberichte will niemand lesen,  geschweige denn veröffentlichen. Günter Wallraff und seine Reportagen sind längst vergessen. Erinnert sich noch jemand, wie die Arbeitsbedingungen bei Melitta waren,  oder wie in der BILD Zeitung Meinung zur Lüge und Lüge zur Meinung hin/hergeschrieben wurde?
Die Realität die geboten wird, etwa bei Siemens, wo man sich nicht nur käufliche Betriebräte sondern auch gleich eine dazu passende Gewerkschaft konstruierte, das sind die neuen Großtaten  deutscher „sozialer“  Ingenieurskunst!

 

Die Zukunft bietet der Mehrheit Armut und einer Minderheit Macht,  dank der von ihr betriebenen erfolgreichen Entsolidarisierung samt Zerstörung aller sozialsolidarischen Netze.
Die Humanisierung der Arbeitswelt ist Vergangenheit, der 1.--€job braucht keinen  Unfallschutz. Der gesellschaftliche Konsens geht den Bach runter. Da gäbe es zu  berichten, aber unterwegs sind die Schönfärberinnen und Schönfärber. Sie erzählen das Märchen vom LeistungMUSSsichlohnenleben in einer bürgerlichen Presse, die diesen Namen nicht verdient.

Leben retten

„Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben“

von Sarah Kaminsky

„Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.“

Die Tochter des französischen Meisterfälschers Adolfo Kaminsky, der das Leben Tausender gerettet hatte, brauchte in ihrem Buch, ganz am Ende nur zwei Seiten für das Leben ihres Vaters nach 1972. Vorher hatte sie in zwei Jahren Nachforschungen ein Leben ihres Vaters entdeckt und dann veröffentlicht, dass sie nicht kannte. Bis dahin war er einfach nur „Papa“.

Adolfo Kaminsky fälschte Dokumente für KZ-Überlebende, die nach Palästina wollten, obwohl er den Zionismus als überzeugter Atheist ablehnte. Mit 18 Jahren im Jahr 1943, begann er, mitten im Krieg, mit seiner Arbeit. Er hatte Kontakt mit dem französischen Widerstand bekommen. Er hatte eine Färberlehre absolviert und stand plötzlich in einem geheimen Labor, wo eine kleine Anzahl von Leuten falsche Papiere für Résistance - Kämpfer und verfolgte Juden herstellte. „Ich fiel fast um – sie entfernten den Judenstempel mit einfachem Chlor. Ich sagte ihnen, dass der Stempel in ein paar Tagen wieder gelblich aufscheinen werde. Für den Inhaber des Passes war das höchst gefährlich.“

1Rainer Nikowitz
„VOLKSFEST“
Kriminalroman

Einige positive Entdeckungen. Der Roman hat 319 Seiten, die ein recht lesbares Druckbild bieten. Meistens spielt sich das, was Inhalt eines Krimis ist, das Verbrechen, an einem Ort ab. Der heißt  in diesem Fall „Wulzendorf“ . Noch was dazu? Gerne – „Wulzendorf immerhin hatte dafür nicht nur den einzigen grünen Kirchturm im ganzen Bezirk, auch wenn es mehr so ein gespiebenes Grün war, aber eben doch das einzige, sondern auch die einzige funkgesteuerte Kirchturmuhr weit und breit.“ Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass sich neben Suchanek, der in diesem Roman die Hauptrolle gibt, noch weitere 18 „Handelnde Personen“ vorkommen und dazu noch einige andere. Rainer Nikowitz, der Autor des Romans, ist als Kolumnist des österr. Wochenmagazins „Profil“ ein wirklich schlagfertig, kritisch satirischer Lieferant von ausgezeichneten Texten. Er beherrscht wie kein zweiter unter Österreichs Journalisten die Kurzform und bietet  der versumpft korrupten Ösipolitik  kräftigst die Stirn,  samt notwendig beißender Kritik.